Kurze Rückblende in den November des vergangenen Jahres: Am vorletzten Wochenende des besagten Monats waren Nicole und ich im Harz unterwegs, um in wunderschönstem Winterwunderland die von der Harzer Wandernadel gesammelten Stempel in ebensolche umzutauschen. Und nebenbei weitere Stempel einzusammeln, logisch. Es war quasi Künstlerpech, dass wir, nachdem wir durch Schnee, Eis und mitunter bitterkalte Winde gewandert waren und die Spitze des Brockens erreicht hatten, feststellen mussten, dass im Brockenhaus gerade keine Nadeln, jedenfalls keine bronzenen und silbernen, vorrätig waren.

Somit hatten wir zwar die Unterschrift bekommen, die bestätigte, die dafür erforderlichen Stempel mittels Wanderungen eingesammelt zu haben, aber eben noch keine Anstecknadeln. Es stand also schon damals der Beschluss: Wir kommen wieder. Und wenigstens einmal im Jahr müssen wir ohnehin den Brocken raufwandern; Startpunkte dafür gibt es im Harz ja zur Genüge. Und so schnürten wir unsere Wanderschuhe und machten uns am vergangenen Samstag abermals auf den Weg in den Harz, um den Brocken zu besteigen.


Vorher/nacher, oder: Da ist das Ziel, da ist der Start. © Roman Jasiek
Nun könnte man meinen, bei Temperaturen von irgendwas zwischen 30 und 40 Grad Celsius, die derzeit in unserem Ländle herrschen, sowie Begleiterscheinungen in Form heftiger Gewitter, im Harz wandern zu gehen, wäre eine Idee der Marke Blitzbirne. Ja, vielleicht. Hat uns nach ausgiebigem Studium des Wetterberichts aber trotzdem nicht aufgehalten. Unser Plan war der folgende: 4:45 Uhr aus dem Bette krabbeln, fertig machen, Sachen packen und dann mit dem Auto Richtung Torfhaus, was dieses Mal unser Startpunkt für die rund 20 Kilometer über Stock und Stein werden sollte. Im besten Falle würden wir Torfhaus, unweit der Oker-Talsperre, gegen 7:30 Uhr erreichen. Umweg über einen Bäcker eingeplant, kämen wir also nach dem angekündigten Gewitter nebst ergiebigem Landregen an, und wären bereits wieder runter vom Brocken und auf dem Rückweg, noch bevor die Gluthitze einsetzt. Guter Plan eigentlich, oder?
Das hat in weiten Teilen auch genau so geklappt. Einzig: Die dicke Regenwolke hielt sich länger über unserem Zielgebiet als angenommen. Wir waren tatsächlich kurz nach halb 8 Uhr morgens in Torfhaus, bereit, den Brocken erneut hinaufzulatschen, unsere Stempel dieses Mal aber wirklich gegen Wandernadeln einzutauschen, und neues Schuhwerk einzulaufen. Der Regen hielt sich jedoch sehr hartnäckig über Torfhaus, sodass wir noch ein Stück weiter fuhren, um an der Oker-Talsperre zu linsen, ob nicht dort auch irgendwo ein Stempel einzugeiern wäre. Wir fanden wohl die Talsperre, nicht aber eine Stempelstelle. Na gut.

Gegen halb 9 waren wir zurück in Torfhaus, fanden einen Parkplatz, der zur Abwechslung noch gebührenfrei war, und hockten noch einen Moment im Auto herum. Und dann sagten wir uns: Scheiß drauf!, plünten uns wieder die Regencapes über und marschierten los. Und manchmal muss man das Glück auch ein bisschen herausfordern. Wir hatten kaum den ersten Kilometer auf dem Goetheweg hinter uns gebracht, da ließ sich auch Klärchen so langsam am Himmel blicken – und uns wurde ziemlich schnell ziemlich warm in unseren Capes.

Den Rest der Route brachten wir bei eigentlich allerbestem Wanderwetter hinter uns. Die paar Kilometer bis zum Brocken rauf war es aufgrund des vorangegangenen Regens weder zu warm noch kalt, auch der Wind hielt sich in Grenzen und kann nur als sehr angenehm umschrieben werden. Erst als wir wieder das Brockenhaus und somit die Spitze des Brockens erreichten, stand die Sonne ziemlich senkrecht am Himmel und die Wolken verzogen sich immer weiter. Oben angekommen drehten wir zunächst eine Runde auf dem Brocken-Rundweg, tauschten dann die Stempel gegen die Wandernadeln ein (endlich!), gönnten uns sodann eine kleine Pause auf dem Brockenplateau und machten uns dann gemütlich auf den Rückweg. Gemütlich bedeutet bei uns trotzdem eine Pace von 6 km/h.

Keine fünf Stunden später waren wir wieder zurück auf dem Parkplatz. Mit rund 20 Kilometern und etwas um die 400 Höhenmetern unter den Sohlen. Dafür, dass ich erst im vergangenen Jahr angefangen habe, mich mit dem Thema Wandern, Extremwandern und Abreißen von Höhenmetern usw. zu beschäftigen, hat sich dieser Ausflug wirklich nur noch wie ein ausgedehnter Spaziergang angefühlt. Am Tag danach hatte ich weder Blasen an den Füßen, noch Muskelkater noch sonst irgendwas, was mich zu Mimimi-Gesängen hätte verleiten können. Doch, da bin ich schon ein wenig stolz drauf. Meine wundervolle Begleitung Nicole (ohne die ich vermutlich nie auf den Geschmack gekommen wäre), die Motivation dieser Stempeljagd als solche sowie auch die tollen neuen Schuhe hatten gewiss jeweils einen ordentlichen Anteil daran.

Falls Ihr in diesem Zusammenhang einen Tipp sucht, womit es sich auf so ziemlich jedem Untergrund gut laufen lässt: Ich bin gerade auf der Suche nach dem richtigen Wanderschuh für mich bei den Challenger 8 von Hoka angekommen. Dieses federnde Gefühl beim Laufen, dieser Eindruck, dass die Fußspitze ganz alleine abrollt beim Abheben des Fußes – Wahnsinn! Als Grünschnabel auf diesem Gebiet kannte ich bisher nichts Vergleichbares, bin aber ziemlich sicher, meinen Schuh für die nächsten Märsche, die schon im Kalender stehen (8. August: der 39 Kilometer Heldenmarsch in Wismar, 29. August: der 42 Kilometer Mammutmarsch bei Nacht im Ruhrgebiet), gefunden zu haben.

Und was den Harz angeht: Unser Stempelheft hat noch Platz für sehr viele Stempelchen. Beim Sundowner nach unserer Rückkehr haben Nicole und ich beschlossen, dass wir die Marke von 150 Stempeln irgendwann erreichen wollen. Damit erhielten wir dann das Abzeichen Harzer Kaiserschuh. Langweilig wird uns somit in den nächsten Monaten und vermutlich auch Jahren ganz sicher nicht. Zumal: Der Harz ist immer eine Reise wert – und bestätigt das bei jedem Besuch erneut. Und sei es nur, weil es uns dieses Mal nur gelungen ist, lediglich einen weiteren Stempel zu ergattern.
© Roman Jasiek / Relive









© Nicole Isensee, Roman Jasiek