Am vergangenen Wochenende fand die nunmehr 41. Ausgabe des legendären Rock am Ring Festival am Nürburgring statt. Und selbstverständlich waren wir… nicht mit dabei. Stattdessen zog es Nicole und mich in die rund 1150 Seelen beheimatende Gemeinde Eldena in Mecklenburg-Vorpommern im Landkreis Ludwigslust-Parchim. Die evangelische Kirchengemeinde des Dörfchens lud nämlich einmal mehr zum Rock im Pfarrgarten. Ja, richtig. Ihr seht also, auch wir haben das Wochenende mit sehr guter, handgemachter Rockmusik verbracht. Lasst mich erzählen.




© Roman Jasiek
Zugegeben, ein reiner Zufall war es nicht, dass wir in diese charmante, kleine Veranstaltung gestolpert sind. Weder sind wir plötzlich religiös geworden, noch hatten wir die dort auftretende Band STEW aus Hamburg bisher auf dem Schirm. Zumindest letzteres müssen wir zu unserer Schande gestehen, geloben aber, die fünf Herren künftig auf dem Schirm zu behalten. Die Veranstalter von Rock im Pfarrgarten haben dies offenbar auch als Vorsatz, schließlich spielten Tim, André, Björn, Eddy und ihr Sänger Leo schon das zweite Jahr in diesem besagten Pfarrgarten hinter der Kirche in Eldena. Aus familiären Gründen zieht es Nicole und mich immer wieder in das schnuckelige, kleine Örtchen, so auch dieses Mal, und wenn was geboten wird, dann simmer da doch dabei, höttma!

Wie das bei Dorffesten oft üblich ist, war der Eintritt frei. Eingelassen wurde ab 18 Uhr, Anpfiff für STEW war gegen 19:30 Uhr. Zuvor und auch während der Show bzw. in den Pausen konnte man sich mit Bratwurst und Krakauer stärken und sich ansonsten jede Menge Zaubertrank in den Talar schütten. Die Würstchen wechselten für 3 Euro auf die andere Seite des Tresens, Softgetränke und Kurze gab es für jeweils 1 Euro, Gerstensaft in 0,3-Liter-Pülleken wurde für 2 Euro verteilt.

Ich kenne mich auf dem Gebiet nicht so aus, denke aber schon, dass das durchaus gottgefällige Kurse sind. Auch ohne es genau zu wissen, würde ich behaupten, dass bei der Veranstaltung am Nürburgring ganz andere Preise aufgerufen wurden. Die Einnahmen, die hier beim Rock im Pfarrgarten durch Speis und Trank generiert wurden, sollen, so hörte ich, der Gemeinde zugutekommen. Bei so einer tollen Organisation mit allem Drum und Dran gibt man gerne auch ein paar Taler mehr für den Klingelbeutel.

Kaum, dass sie mit ihrer Darbietung begonnen hatten, konnte man förmlich zusehen, wie der Band aus Hamburg die Sympathien vom Bühnenrand zugeflogen kamen. Wobei Bühne relativ ist: Die Herren standen, so wie wir anderen auch, auf der Wiese im Pfarrgarten, nur dass sie Teile ihres Equipments in einer Scheune hinter sich untergebracht hatten. Es wird Euch sicher nicht überraschen, dass das Set von STEW ausschließlich aus Coversongs bestand. Bei Dorffesten ebenfalls nicht so ungewöhnlich. Das macht aber nüscht.

Die Herren spielten eine sehr abwechslungsreiche Mischung aus Elvis Presley, Chuck Berry, Robbie Williams, Rihanna, Oasis, Herbert Grönemeyer, die Ärzte, die Toten Hosen und natürlich durfte auch Bryan Adams’ ewig immergrüner Klassiker »Summer of 69« nicht fehlen. Jede Menge Partykracher, verteilt in mehrere kleinere Sets. Erst kurz vor 23 Uhr beendeten STEW ihren Auftritt. Die Pausen abgezogen, würde ich schon annehmen wollen, dass die Band ganz bequem drei Stunden Konzert, Party und jede Menge gute Laune lieferte. Handwerklich top, stimmlich auch ganz weit vorn mit dabei – und das alles zum Gegenwert von „den Arsch hochkriegen und mal vor die Türe gehen“.

Wir verließen den Pfarrgarten jedenfalls sehr beseelt und haben uns vorgenommen, den Rock im Pfarrgarten zu einer festen Größe in unserer Jahresplanung werden zu lassen. Denn einmal mehr bewahrheitete sich, dass kleine Konzerte oft die schönsten sind. Und dass man nicht unzählige Euros hinlegen muss, um eine gute Zeit zu haben. Wir machen einen Hofknicks und bedanken uns bei STEW für das coole Konzert und die tolle Party sowie bei den Organisatoren der Kirchengemeinde für einen rundherum schönen Abend. Dass diese scheinbar selbst noch ihren obersten Chef angerufen haben, um den für den ganzen Samstag angekündigten Regen bis tief in die Nacht zu verschieben, war die Kirsche auf dieser Sahnetorte.









© Roman Jasiek