Zugegeben, der Betreff bzw. Titel des heutigen Beitrags ist nicht sonderlich spannend. Aber wichtig. Ich habe heute die erste Magen- und Darmspiegelung meines Lebens hinter mich gebracht. Und vielleicht sollte ich die frohe Kunde erst einmal vorwegschicken: Es ist nüscht. Die Ergebnisse der Biopsie stehen noch aus. Laut der Ärztin, die mir heute mit ihren Instrumenten in Magen und Darm herumgefuhrwerkt hat, dauert dies zwei bis drei Wochen. Aber ihrer Aussage nach ist, von einer minimalen Entzündung beim Übergang vom Magen zum Darm, nichts auffällig gewesen und erst recht nichts, was mir Sorgen machen müsste. Entlassen hat sie mich heute mit den Worten: Wir sehen uns in fünf Jahren. Puh!
Wie Ihr dieser Einleitung vielleicht entnehmen könnt, gab es Gründe für mich, eine internistische Praxis aufzusuchen. Gründe, die ich immer mit Lebensunverträglichkeiten und/oder Psychosomatik zu erklären versuchte. Aber machen wir uns nüscht vor: Im Grunde war es stets das Prinzip Hoffnung, das meinen Alltag begleitete. Es kann schließlich nicht sein, was nicht sein darf. Da es allerdings in meiner Familie so manche Krebserkrankung gab, keine davon hat für die Betroffenen ein gutes Ende genommen, und manches Mal war es der Magen-Darm-Bereich, der von dieser elenden Krankheit betroffen war, ist eine solche Untersuchung eigentlich längst schon überfällig gewesen. Aus Gründen eben. Und weil Nicole, die bessere Hälfte von mir, in Gesundheitsthemen sehr hartnäckig und überzeugend sein kann, machte ich dann doch mal einen Termin. Ging in Magdeburg (für diejenigen, die es genau wissen wollen: in der GastroPraxis; hell und modern eingerichtet, freundliches Personal) erstaunlich fix. Ein Termin zum Beratungsgespräch war rasch gefunden. Und von diesem Zeitpunkt bis zur eigentlichen Untersuchung vergingen keine zwei weiteren Wochen.
Ich kann mir vorstellen, dass es viele Menschen gibt, die diese (Vorsorge-)Untersuchung scheuen, weil sie nicht wissen, was auf sie zukommt. »Steckt mir da nicht einer ein Röhrchen in den Hals, oder schlimmer noch, in den Hintern?« oder »Ist das nicht mega unangenehm und wie funktioniert das mit dem Abführen am Tag zuvor?« können ein paar der Gedanken sein, die im Vorfeld durch die eigene Birne schwirren. Aus diesem Grunde, und um das Bewusstsein für die Wichtigkeit dieser Untersuchung zu schärfen, so wie es auch mir geschärft wurde, schreibe ich diesen Beitrag. Und um auch das vorwegzunehmen: Das ganze Prozedere ist sehr entspannt, den unangenehmsten Teil verbringt man zuhause, weil man stundenlang auf dem Pott hockt und rollenweise Klopapier verbraucht.
Was passiert im Vorfeld?
Das Vorgehen wird vermutlich in allen thematisch ähnlich gelagerten Einrichtungen vergleichbar sein: Ihr bekommt ein paar Tabletten, die die Verdauung anregen sollen und den Darm durchlässig machen für Flüssigkeiten. Ich sollte diese um 14 Uhr am Vortag der Untersuchung einnehmen. Ab 16 Uhr dann das erste von zwei Beutelchen mit einer anzurührenden Lösung, welche – ich formuliere es mal sehr vorsichtig – für mächtig Druck auf dem Kessel sorgt. Und um hier noch mehr Schmackes in die Schüssel zu bringen, musste ich im Abstand von 30 Minuten jeweils einen halben Liter Flüssigkeit (Wasser, Tee, gesiebte Brühe, klarer Apfelsaft usw.) zu mir nehmen. Nun, der Erfolg stellte sich ziemlich rasch ein. Und ich gebe zu, dass dies auch der unangenehmste Teil der ganzen Untersuchung war. Nicht, dass ich Bauchweh gehabt hätte – und als Mensch mit Laktoseintoleranz weiß ich, wie sehr einem die Wampe kneifen kann! – aber trotzdem bin ich mir sicher, dass ich in der Heckansicht irgendwann mehr Ähnlichkeit mit einem Pavian hatte als mit allem anderen.

Wie dem auch sei. Wiederholt wurde diese ganze Prozedur (Tütchen auflösen und das Zeugs über 30 Minuten trinken, anschließend zwei weitere Liter Flüssigkeit verkonsumieren im Abstand von 30 Minuten je halber Liter, und hoffen, dass man genug Klopapier im Haus hat) noch einmal ab 20 Uhr, um 21 Uhr dann zusätzlich noch irgendein Granulat von Lefax, das für weiß ich auch nicht zuständig war. Die Ärzte werden sich schon etwas dabei gedacht haben. Und das wars schon. Zusätzlich dürft Ihr ab dem Vortag der Untersuchung ab dem Frühstück nichts mehr essen und solltet ab fünf Tagen vorher darauf achten, keine Mahlzeiten mehr zu Euch zu nehmen, die schwer verdaulich sind, für rege Darmaktivität oder … äh … Abwinde sorgen.
Und die eigentliche Behandlung?
Bleibt jetzt noch die Frage: Wie läuft die Behandlung selbst ab? Ganz ehrlich? Ich habe keine Ahnung, ich habe sie nämlich verschlafen. Und zwar komplett. Im Vorfeld müsst Ihr Euch entscheiden, ob Ihr eine Teil- oder eine Vollnarkose möchtet. Und eigentlich bin ich diesbezüglich ein Schisser (den doppelten Wortwert im Kontext dieses Artikels merke ich gerade selbst) und hab’ mich vor Vollnarkosen bisher immer gescheut. Aber da ich das Gefühl hatte, durch den vorangegangenen Informationstermin wirklich gut und ausreichend aufgeklärt worden zu sein, entschied ich mich für die Vollnarkose. Die übrigens kostenpflichtig ist. Genauso wie die Option, den Darm mit CO₂ weiten zu lassen, was hinterher, so klärte man mich auf, für deutlich weniger Pupsen sorgen soll. Kann ich so bestätigen. Insgesamt habe ich vor Ort für die beiden Alternativoptionen 40 Euro bezahlt und würde es dann in fünf Jahren exakt wieder so machen.

Denn kaum, dass ich mich auf der Behandlungsliege abgerollt hatte, bekam ich eine Spritze Propofol. Und dann dauerte es wirklich nur noch Sekunden, bis ich tief und fest eingeschlafen war. Die nächste Erinnerung setzt ein, dass eine der Schwestern meinen Namen rief und „Aufwachen!“ sagte. Da war ich aber schon wieder komplett eingekleidet und von allen Gerätschaften, Sabbertüchern, OP-Schlüppern und so weiter befreit. Gemerkt habe ich definitiv absolut gar nichts. Auch Stunden nach der Untersuchung nicht. Ich habe es selbst immer nicht glauben können, wenn andere von einer Darmspiegelung erzählten und berichteten, sie hätten kaum bis 3 zählen können und dann angenommen, die Behandlung sei noch gar nicht erfolgt. Aber es ist so. Man bekommt davon einfach absolut gar nichts mit. Vom Betreten der Praxis bis zur Abholung durch Nicole (fahrtüchtig ist man anschließend noch nicht und es gehört auch zu den Bedingungen, dass man vom Ort des Geschehens anschließend durch Dritte abgeholt wird) ist gerade mal eine Stunde vergangen. Eine Stunde. Für Zugang legen, umkleiden, betäuben, untersuchen und wieder zu Bewusstsein kommen. Im Nachgang fühlte ich mich vor allem hungrig (klar, ich hatte ja auch über 24 Stunden nichts gegessen) und noch ein bisschen benommen. Und sehr müde. Das ist alles. Selbst das hat nicht lange angehalten.
Vielleicht kann ich mit diesem Beitrag dafür sorgen, dass manche von Euch, die diese Untersuchung wegen der Ungewissheit „Was passiert da eigentlich“ meiden, eben diese Sorge verlieren und entsprechend umdenken. Wir wissen alle, dass Krebs ein elendes Arschloch ist und man eigentlich nur wirklich dann gute Karten hat, wenn der rechtzeitig entdeckt wird. In diesem Sinne.