Traditionen können schon schön sein. Vor allem dann, wenn es sich um eine so tolle Angelegenheit handelt wie die VNV Nation Night in Braunschweig. Inzwischen vier Jahre gibt es diese Veranstaltung schon. Mal in der Form, dass Ronan Harris und Mark Jackson in unserem Wohnzimmer, der Meier Music Hall in Braunschweig, als DJs gastieren, mal mit einem Konzert. Im Rahmen ihrer Automatic-Tour machten die Herren am 5. Februar abermals in Braunschweig Halt. Keine offizielle VNV Nation Night also, aber das ist auch unerheblich. Hauptsache Party! Und, meine Damen und Herren, gefeiert wurde an diesem Abend, so viel ist mal sicher! Wie immer eigentlich, wenn das sympathische Duo im Wohnzimmer gastiert. Ich war natürlich auch in diesem Jahr wieder mittendrin statt nur dabei und schildere Euch nachfolgend nur zu gerne meine Eindrücke von dieser kuhlen Aktion.
Es war schon im Vorfeld irgendwie klar, dass es eine Art Familientreffen werden würde, wenn sich VNV Nation auf den Weg machen, um Braunschweig zu beschallen. So viele bekannte Gesichter wie an diesem Abend sieht man sonst nur sehr selten gleichzeitig im Wohnzimmer. Selbst mein Kollege Sebastian, für gewöhnlich wohnhaft im fernen Gelsenkirchen, hat sich aus diesem feierlichen Anlass zu uns gesellt, um zunächst zu Destroid und anschließend zu VNV Nation Party zu machen.
Da das Konzert schon eine ganze Weile im Vorfeld restlos, und ich meine hier wirklich restlos, ausverkauft war, empfahl es sich für uns, weit vor dem Öffnen der Pforten auf dem Parkplatz des Meiers einzurollen. Schließlich ist es derzeit echt unangenehm kalt in Deutschland, so dass es galt, lange Laufwege zu vermeiden. Etwas mehr als eine Stunde vor Einlass rollte unser Gefährt auf dem Parkplatz ein – und war bei weitem nicht das erste Wägelchen hier. Eine Stunde frieren später wurde uns dann Einlass gewährt. Die Zeit bis zum Anpfiff für Destroid, denen wir mit Gespannung entgegenfieberten, nutzten wir für das obligatorische Be- und Entsorgung von Hopfenkaltschale, Gespräche mit Freunden und Bekannten und der Positionierung in Reihe eins. Karten für vorne und so, Ihr wisst schon.
Irgendwann kurz nach 19 Uhr fiel der Startschuss für Destroid, die ihren Gig ganz geschmeidig mit dem Überknaller Silent World begannen. Und noch während Gesangsmeister Daniel Myer die erste Strophe ins Mikrofon sang, war auch dem Letzten klar: Hier wird es im Verlauf des nächsten, knapp dreiviertelstündigen Gigs elektronische Musik vom Allerfeinsten geben. Glasklaren, bombastischen Sound inklusive. Herrschaften, eines muss an dieser Stelle festgehalten werden: Die Tontechniker dieses Abends haben ihren Job mit Bravour gemeistert! Selten habe ich bei einem Konzert (egal wo) so glasklaren Sound gehört. Alleine diese Tatsache, die dem verspielten Sound der Band natürlich sehr zugute kam, erhöhte den Begeisterungslevel ungemein! Im Verlauf ihres Auftritts spielten Destroid einen Querschnitt aus ihrem bisher noch recht überschaubaren Schaffen. Bird Of Prey war da genauso dabei wie die Sisters-Of-Mercy-Coverversion Lucretia (My Reflection) von der aktuellen EP Silent World. Zwischendurch präsentierte uns Daniel auch einmal mehr sein Können an der Trommel während eines das Lied begleitenden Drumsolos, was die Drumsticks selbst allerdings wohl nur bedingt überstanden.
Überhaupt: Daniels Getrommele fehlte uns bei seinem Auftritt mit Covenant im Januar, ebenfalls bei uns im Wohnzimmer, schon ein bisschen. Allerdings machte er damals sehr deutlich: Er ist eine Frontsau! Was er diesmal untermauerte. Im Gegensatz zu diversen Kollegen aus dem elektronischen Umfeld kann er stimmlich während eines Konzertes sehr überzeugen! Der krönende Abschluss, wie schon auf dem Amphi Festival 2010, war der Kracher Judgement Throne – nach seiner Aussage auf besagtem Festival die Verbeugung Destroids vor VNV Nation. Mag das Publikum wie so oft auch zunächst recht steif gewesen sein, so hatten Destroid die Menge ab etwa der Hälfte gut im Griff und spätestens zum Finale auf ihrer Seite! Ein großartiger Einstand in Braunschweig für Destroid, der den Herren den Weg als neuer Headliner beim Festival of Darkness im März um einiges leichter gemacht haben dürfte.
Nachdem Destroid mit ihrer Show fertig waren, wurde noch mal schnell die Sache mit der Hopfenkaltschale geregelt und ansonsten aber der Platz in Reihe 1 verteidigt. Ich habe keine Ahnung mehr, wie lange die Umbauten bzw. Vorbereitungen für VNV Nation dauerten. Aber irgendwas zwischen 20 Minuten und einer halben Stunde wird es schon gewesen sein. Irgendwann erklangen aber die ersten Töne von On Air, dem Intro des aktuellen Knalleralbums Automatic. Tom von [:SITD:], André Winter, Mr. Mark Jackson und Mr. Ronan Harris betraten während des Intros die Bühne – um anschließend mit Chrome die eh vor elektrischer Erregung zitternde Menge restlos zum Beben zu bringen! Anschließend folgte eine Ansprache von Sir Ronan an sein Volk, wie immer mit hohem Unterhaltungswert. Während einer dieser Ansprachen, die eigentlich dazu gedacht war, das Publikum noch weiter anzuheizen, wurde ein Dauerbrenner geboren, der zumindest in Braunschweig auf ewig Bestand haben wird. Irgendwann fragte er nämlich, ob die Leute mehr jubeln würden, wenn er fragte, ob wir Eis haben wollen. Falls Ihr demnächst also Leute mit VNV‑Nation-Shirts herumlatschen seht, auf denen irgendwas von Icecream steht: wissta Bescheid. Geboren in Braunschweig™.
Der Rest des Abends bestand zum großen Teil erwartungsgemäß aus Songs von Automatic: Space & Time, Gratitude oder Nova fehlten da genauso wenig wie Radio. Es ist übrigens immer wieder schön zu sehen, wie sich Ronan auf der Bühne freuen kann, wenn die Fans seine Lieder lautstark mitsingen. So geschehen zum Beispiel beim zeitlosen Klassiker Illusion oder Honour.
Auch beim Auftritt von VNV Nation konnten wir (abermals) feststellen: Der Sound ist der Hammer, der Unterhaltungswert einer Live-Show dieser Band unangefochten hoch! Schade nur, dass die Setlist nur 3 Zugaben vorsah. Nun ja, das Konzert fand an einem Sonntag statt und Lärmschutzgründe werden hier wohl weitere Zugaben verhindert haben, sodass der Konzertabend bereits kurz vor 22 Uhr beendet war. Ich bin dann auch unmittelbar nach Abpfiff vom Hof gerollt, in der Gewissheit, wieder einmal einen extrem großartigen Abend im Wohnzimmer verbracht zu haben. Mit abermals einem sehr tollen VNV-Nation-Konzert! Ihr könnt mir erzählen, was Ihr wollt, Freunde, aber VNV Nation gehört – wenigstens einmal jährlich – zu Braunschweig wie das Amen in die Kirche!
Wie immer möchte ich abschließend auch einen Dank aussprechen: an Destroid, für einen sehr coolen Debütauftritt in unserem Wohnzimmer. An VNV Nation für eine wie immer rauschende Party. An das Publikum dieses Abends, das so grandios mitgefeiert hat. An Kollege Nightcrawler von Live-Pix für die Fotos. Und an Thorsten Meier von Advanced Music und das Team der Meier Music Hall für ihren Einsatz, die Szene in Braunschweig am Leben zu erhalten! Wir sehen uns sicherlich im nächsten Jahr wieder, denn dann stünde die inzwischen 6. VNV Nation Night auf dem Plan. Das schreit irgendwie nach Party. Schauen wir mal, was kommt.