Alle Jahre wieder beschert uns Activision mit der Shooterreihe Call of Duty ein fulminantes und explosives Actionspektakel, das sich vor großen Hollywood-Produktionen nicht verstecken muss. Und nicht nur, weil sich die Spiele jedes Jahr millionenfach verkaufen und sich, besonders im Multiplayer, großer Beliebtheit erfreuen. Wir haben uns den mittlerweile neunten Teil, Call of Duty: Modern Warfare 3, angesehen und verraten euch, ob sich hinter dem Titel mehr verbirgt als nur ödes Schießbudengeballer.

Die Kampagne von Call of Duty: Modern Warfare 3 knüpft nahtlos an die des Vorgängers an. Held Soap bangt um sein Leben, während sein Mentor Price und der russische Widerständler Nikolai versuchen, ihn wieder zusammenzuflicken. Unterdessen ist der russische Terrorist Makarov immer noch voll dabei, die Welt ins Chaos zu stürzen, und hat kurzerhand den Dritten Weltkrieg angezettelt. Mittlerweile wurde nicht nur in die Vereinigten Staaten von Amerika eingedrungen, sondern auch in Frankreich, England und sogar Deutschland. Aber es verschlägt die Helden – je nach Mission Amerikaner und Briten – auch nach Afrika und Prag. Während der Kampagne wird geballert, was das Zeug hält. Wer dachte, dass Call of Duty: Modern Warfare 2 bereits alle Effekt-Geschütze aufgefahren hat, der sollte sich lieber wieder hinsetzen, denn der Abschluss der Modern-Warfare-Trilogie setzt noch einmal einen drauf. Einstürzende Hochhäuser, umprogrammierte russische U-Boote, die ihre eigenen Schiffe angreifen, moralisch fragwürdige Luftangriffe, Verfolgungsjagden durch die Londoner Tube, Kämpfe in einem abstürzenden Flugzeug sowie ein einstürzender Pariser Eiffelturm – und das ist nur ein kleiner Auszug. Garniert wird das Erlebnis mit Musik von Brian Tyler (Final Destination 5, Fast & Furious Five), dessen Stücke leider nicht ganz an die von Hans Zimmer, der den Vorgänger vertonte, heranreichen.

Der große Pluspunkt von Call of Duty: Modern Warfare 3 ist jedoch, dass, anders als im Vorgänger, weniger Zeit für blöde, schlechte Witzchen draufgeht und stattdessen die Ernsthaftigkeit im Vordergrund steht, was vor allem bei der englischen Sprachversion sehr zur Geltung kommt. Die deutsche Synchronisation ist wieder einmal eher dürftig ausgefallen und will trotz prominenter Sprecher wie Kai Taschner (Deutscher Sprecher von Chucky der Mörderpuppe) oder Schauspieler Ben Becker einfach nicht ganz an das Original heranreichen. Läuft dann nach knapp fünf Stunden endlich der Abspann, ist gar nicht daran zu denken, den Controller wegzulegen, denn dann geht das Call-of-Duty-Erlebnis noch einmal richtig los. In zwei weiteren Spielmodi lässt sich zusätzlicher Spielspaß herauskitzeln: der Spec-Ops-Modus und natürlich der Multiplayer-Modus.
Im Spec-Ops-Modus können wir wahlweise alleine oder zu zweit auf unterschiedlichen Karten gegen nahezu endlose Gegnerwellen kämpfen, aufleveln, Waffen aufrüsten und Ausrüstung kaufen. Dazu zählen u. a. auch Geschütztürme, ein computergesteuertes Soldaten-Squad, Luftangriffe, Claymore-Minen und C4‑Sprengladungen. Zu den Gegnern gehören normale Sturmsoldaten, Kampfhunde, Helikopter und starkgepanzerte Juggernaut-Kämpfer, die wir am besten mit einer Predator-Rakete außer Gefecht setzen. Ist uns das ziellose Herumlaufen zu langweilig, dürfen wir uns auch in speziellen Missionen, die gekonnt in die Spielstory eingebunden wurden, auf die Probe stellen. Schlüsselszenen der Kampagne lassen sich so aus einer anderen Perspektive noch einmal neu erleben. Erfrischend anders!

Online geht die Post allerdings erst richtig ab. In zahlreichen Spielmodi hetzen sich zwei Teams über diverse Karten, auf der Jagd nach Abschüssen, die wiederum Erfahrungspunkte bringen. Steigen wir im Level, schalten wir neue, bessere Waffen und sogenannte Perks frei. Mit diesen können wir entweder unser Team unterstützen – UAV-Radar oder Schutzwesten – oder das feindliche dezimieren, beispielsweise mit Luftangriffen. Unsere Waffen verbessern wir, indem wir sie im Kampf einsetzen. Dadurch steigern wir sie in der Stufe und schalten Aufsätze wie Rotpunktvisiere, Granatwerfer, Schalldämpfer oder Ähnliches frei.
Grafisch macht Call of Duty: Modern Warfare 3 immer noch eine solide Figur, obwohl die Engine schon seit dem vierten Teil zum Einsatz kommt und Jahr für Jahr verbessert wird. Klar, an ein spektakuläres BATTLEFIELD 3 kommt es mitnichten heran, aber dafür weiß MW3 wo seine Stärken liegen: in der Inszenierung und dem flüssigen Spielerlebnis. Wie bereits erwähnt macht nämlich auch der Abschluss der Trilogie vor fulminanten, hollywoodreifen Szenen keinen Halt und legt alles in Schutt und Asche, was sich gerade anbietet. Aber seien wir mal ehrlich: Bei dem Design der Levels in Deutschland hätte man etwas besser recherchieren können.

Mit einigen Abstrichen ist Call of Duty: Modern Warfare 3 ein wirklich würdiger Abschluss der Modern-Warfare-Trilogie geworden. Die Story dümpelt stellenweise vor sich hin und so wirklich befriedigend ist es nicht, wie mit den Helden umgesprungen wird, aber dafür stimmt an jeder Ecke der Spielwelt die Action und Inszenierung. Ist die kurze Kampagne bezwungen, darf man sich in zwei weiteren Spielmodi austoben, wodurch ein echter Mehrwert für das Spiel entsteht. Man kann wortwörtlich tausende von Stunden in Call of Duty: Modern Warfare 3 stecken, ohne dass einem langweilig wird. Nicht zuletzt durch den Multiplayer-Modus. Technisch dreht sich die Call-of-Duty-Reihe bereits seit zwei Jahren im Kreis und es wird dringend Zeit für eine brandneue Engine anstatt einer Aufbereitung des mittlerweile fast fünf Jahre alten Motors. Actionfetischisten machen auch mit dem neuen Teil der Serie nichts falsch und dürfen sich auf ein turbulentes, wenn auch altbekanntes Spektakel freuen.
