Wenn man von seinen Erfahrungen bezüglich einer (zumindest für uns) neuen Veranstaltung in Sachen Extremwandern berichten möchte, kann man da eigentlich direkt mit dem Fazit einsteigen? Ja, oder? Machen wir auch direkt mal: Wunderschöne, abwechslungsreiche Strecke, tipptopp Verpflegung, hervorragende Organisation, spitzenmäßig motivierte und motivierende Volunteers … die Liste ist lang. Um diesem Textgerippe etwas mehr Fleisch (lies: Inhalt) zu verleihen, werden wir nachfolgend ausführlicher darauf eingehen, warum der Heldenmarsch in Wismar am 08.08.2026 eine rundherum gelungene Veranstaltung war.

Wenn Ihr hier regelmäßig zuschaltet (was zumindest Abonnenten des Newsletters in sehr erfreulicher Regelmäßigkeit tun. Ihr gehört noch nicht dazu? Hier könnt Ihr das kostenfrei nachholen), dann wisst Ihr sicher, dass Nicole und ich gerne wandern. Manchmal pilgern wir durch den Harz, um die nächsten Stempel und somit irgendwann die nächsten Abzeichen der Harzer Wandernadel einzuheimsen. Oft genug folgen wir den Routen, die im Rahmen des Mammutmarsches angeboten werden, so zum Beispiel Hamburg oder Leipzig. Da wir unsere Wanderaktivitäten aber immer so legen müssen, dass sie nicht mit diesem sogenannten Real Life, von dem Ihr sicher auch schon viel gehört habt, kollidieren, sind wir immer auch auf der Suche nach derartigen Events, die in das zur Verfügung stehende Zeitfenster passen. Und da Social-Media-Dienste wie Instagram sehr genau aufpassen, was man so treibt und wofür man sich interessiert, sind unsere Feeds nicht nur voller Werbeanzeigen für Wanderrucksäcke und neue Sportschuhe, sondern auch für Veranstaltungen, die in unser Raster passen. Und so wurden wir auf den Heldenmarsch aufmerksam. Nach einer kurzen Recherche, womit wir es hier zu tun haben und welche Strecken angeboten werden, stand sehr schnell fest: Wismar, das ist die beste Gelegenheit, diese noch eher kleine Alternative zu Großveranstaltungen wie Mammut- oder Megamarsch einmal auszuprobieren.

Nun muss man wissen: Zur Hansestadt Wismar, einer rund 43tausend Einwohner beherbergenden Hafenstadt in Nordwestmecklenburg, habe ich eine ganz besondere Beziehung. Aus familiären Gründen habe ich nämlich einen großen Teil meiner Kindheit dort verbracht. So ziemlich alle Ferien mindestens der Grundschulzeit habe ich dort verbracht, und auch heute zieht es mich aus nostalgischen Gründen in den Norden. Die Gelegenheit, Kindheitserinnerungen aufleben zu lassen und gleichzeitig der Leidenschaft fürs (Extrem-)Wandern nachzugehen, die konnten wir nicht ungenutzt verstreichen lassen und somit buchten wir unser Ticket. Der Preis von rund 60 Euro bewegt sich in etwa auf dem Niveau der Mitbewerber, auf ein zusätzlich bepreistes Event-T-Shirt verzichteten wir. Was uns schon direkt am Anfang gut gefiel: Ein Teil des Erlöses wird gespendet. Für jeden Teilnehmer, der die Ziellinie durchschreitet, spenden die Veranstalter 5 Euro an einen gemeinnützigen Verein.

30 Kilometer sind mittlerweile eine Distanz, die wir nach einigen erfolgreich absolvierten Märschen auch als Sonntagnachmittagsspaziergang machen, um in der Nachbarstadt ein Eis zu essen. Um also persönliche Grenzen zu verschieben, dafür sind diese Märsche mittlerweile zumindest für uns nicht mehr geeignet. Wenn sie aber durch eine tolle Streckenführung bzw. eine interessante Stadt zu begeistern wissen, sind wir nach wie vor gerne mit dabei. So wie im Falle Wismar. Die 30 Kilometer absolvierten wir abzüglich der kurzen Pausen an den drei Verpflegungspunkten in rund 6 Stunden. Genauer: Meine Apple Watch zeigte mir am Ende 32,32 Kilometer in 6 Stunden und 49 Sekunden an.

Da vor dem ersten Schritt immer für uns in den allermeisten Fällen eine Anreise steht, setzten wir uns am Morgen des 8. August gegen 5:30 Uhr ins Auto, um die rund 200 Kilometer von unserem Standpunkt abzureißen. Da wir für die Anreise viel über Land fahren mussten und Google Maps irgendwas von einer dreistündigen Autofahrt anzeigte, entschieden wir uns für die frühe Abfahrt, um einen großzügigen Puffer von rund einer Stunde vor Anpfiff in der Hinterhand zu haben. Wir waren in der vierten von vier Startgruppen. Für uns erfolgte der Startschuss um 9:30 Uhr. Und wir freuen uns, berichten zu dürfen, dass unser Plan aufgegangen ist.

Ankommen und Staunen
Trotz einer sehr kurzen Frühstückspause, die dazu diente, einen Kaffee zum Gehen und ein Knüllbrötchen zu erwerben, erreichten wir das Eventgelände ziemlich genau um 9 Uhr. Ganz angetan waren wir davon, bei allerschönster Morgensonne über das ehemalige Gelände der Bundesgartenschau zum Check-in und Start zu wandern. Nur um dort das nächste Mal von der hübschen Kulisse und der tollen Organisation begeistert zu werden. Die Vergabe des kleinen Starterkits (das neben dem Teilnahmebändchen auch ein Päckchen Elektrolyse beinhaltete sowie ein Bonbon und einen „Nett hier, aber waren sie schon mal…“-Sticker) war ratzfatz erledigt. Es reichte anschließend noch die Zeit, eines der leckeren Toastbrote mit Marmelade zu schnabulieren, ein Wässerchen zu trinken und die Thermoskanne mit schwarzem Tee aufzufüllen. Schon zum Start hatte die Verpflegung mitunter mehr zu bieten, als so manch andere Veranstaltung zur besten Sendezeit!

Gegen 9:30 Uhr wurde die letzte Startgruppe, die aus – grob geschätzt – vielleicht rund 100 Wanderern bestand, von dem Veranstaltungsteam begrüßt. Ein paar erklärende und vor allem motivierende Worte, und schon setzte sich der Tross in Bewegung.
Über Stock und Stein, Asphalt und Sandstrand
Die etwas mehr als 30 zu absolvierenden Kilometer führen uns vom Buga-Gelände, das neben dem Tierpark in Wismar gelegen ist, in Richtung Wendorf und dann weiter nach Zierow, einer kleinen Gemeinde knapp außerhalb Wismars. In anderen Dimensionen gedacht verhält sich Zierow zu Wismar wohl wie Potsdam zu Berlin. Kurz nach Zierow folgte der erste Verpflegungspunkt. Hier gab es neben weiteren, lecker belegten Toasts/Sandwiches auch gekochte Eier, Trinkpäckchen, frisches Gemüse und viele weitere Leckereien, um das erste, latent aufgekommene Hüngerchen zu befriedigen. Und natürlich wieder Wasser, Tee und Softdrinks aller Art (Cola, Fanta, Apfelschorle). Danach führte uns der Weg zunächst direkt am Strand entlang. Einige Wanderer nutzten die Gelegenheit, um den Abschnitt mit den Füßen in der Ostsee zu absolvieren, dann durch fast schon dichtes Unterholz zurück nach Wendorf.

In Wendorf passierten wir die rund 300 Meter lange Seebrücke eigentlich nur im Vorbeigehen. Eigentlich. Aber als Menschen mit einem ganz großen Herz für Wismar konnten wir die Gelegenheit nicht ungenutzt verstreichen lassen und drehten hier quasi eine Extrameile. Einmal rauf auf die Brücke, runter bis zum Ende, Selfie machen, und wieder zurück auf die Route.

Diese führte uns anschließend weiter durch diese oder jene Kleingartensiedlung (am Ende des Tages kannten wir vermutlich jede davon mit Vornamen), vorbei an der gigantischen Werfthalle, wo anno dazumal ein paar der ersten AIDA-Kreuzfahrtschiffe gebaut wurden, dann ein wenig durch die Stadt. Dort über den Marktplatz, vorbei an Rathaus und Wasserkunst, nur um im letzten Abschnitt um den Mühlenteich und in Teilen den Viereggenhöfer Teich zu laufen. Zwischendrin gab es noch zwei weitere Verpflegungspunkte. Einen in der Stadthalle, der ebenfalls ein sehr üppiges Angebot an Leckereien zu bieten hatte. Allen voran sei hier der leckere Milchreis genannt. Und einen, rund 3 Kilometer vor der Ziellinie, wo es noch einmal Leckereien wie Kuchen oder Gummibärchen gab. An allen Verpflegungspunkten: tipptopp motivierte und motivierende Volunteers, die offenkundig viel Bock an ihrem Tun hatten! Danke auch an Euch, wir wissen aus eigener Erfahrung, was für ein anspruchsvoller Job diese freiwillige Unterstützung einer solchen Veranstaltung sein kann!

Es mag komisch tönen, aber das Ende dieses Marsches kam dieses Mal für mich viel zu früh. Normalerweise jammere ich immer, dass die letzten drei bis fünf Kilometer einer Wanderung echte Arschlöcher sind, die sich ziehen wie Kaugummi. Hier war es aber nicht so. Viel zu abwechslungsreich, viel zu schön war die Route. Ob nun über Asphalt und durch die Stadt, über Sandstrand mit Ostseewellen, die uns um die Schuhe spülten, vorbei an Feldern und Wiesen, durch Unterholz, mittenmang hoher Disteln und Brennnesseln … – die Route hätte kaum abwechslungsreicher ausfallen können! Dass wir einen wunderbaren Sonne-Wolken-Mix am Himmel hatten, bei angenehmen 21 bis 23 Grad und somit allerbestem Wanderwetter, trug natürlich viel zu dem guten Eindruck bei. Und ja, den Nostalgiebonus kann ich natürlich auch nicht ganz herausrechnen. Schließlich führte die Route zu nicht unwesentlichen Teilen durch meine alte Hood. Aber auch, wenn ich das abziehe, bleibt eine ganz tolle Veranstaltung, wo einfach alles gestimmt hat, siehe dazu auch noch einmal den einleitenden Satz.

Auf der Rückfahrt haben Nicole und ich sehr angeregt und begeistert darüber geschnattert, wie gut uns diese erste Teilnahme an einem Heldenmarsch gefallen hat. Und dass wir, wenn wir es einrichten können, sehr gerne wieder den Weg der Legenden beschreiten werden. Sollten Extremwanderungen Eure Tasse Tee sein und die angebotenen Touren in Eurer Reichweite, dann nehmt gerne die wärmste Empfehlung unsererseits entgegen. Beide Daumen ganz, ganz weit nach oben!










© Nicole Isensee, Roman Jasiek