Durch die Macht von Grayskull: Masters of the Universe ist perfektes Popcorn-Kino!
© Amazon MGM / Sony Pictures

Durch die Macht von Grayskull: Masters of the Universe ist perfektes Popcorn-Kino!

Damals™, in grauer Vorzeit, hat meine Mutter immer zu mir gesagt, Roman hat sie gesagt, und manchmal hat sie es auch anders betont. Und einmal in diesen Tagen, ich war noch ein mäßig motiviertes Grundschulkind, besonders was den Sportunterricht anging, passierte Folgendes: Während irgendeiner Übung, welche genau, das hat die Zeit gefressen, trug es sich bei einer Rolle rückwärts zu, dass ich es irgendwie schaffte, mir derart den Hals zu verrenken, dass ich fortan für eine ganze Weile eine Halskrause tragen musste. Und in meinen Möglichkeiten, mich zu bewegen, hauptsächlich was die Drehung des Kopfes anbelangt, ziemlich eingeschränkt war. Dass das ganz tüchtig wehgetan hat, brauche ich an dieser Stelle sicher nicht zu erwähnen. Mache ich aber trotzdem. Mimimi und so, Ihr wisst schon. Und nachdem meine Mutter in diesem Kontext einmal mehr Roman zu mir sagte, sicher hatte sie es auch wieder anders betont, kaufte sie mir die allererste Action-Figur meines Lebens: eine He-Man-Figur.

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Okay, es war nicht He-Man, sondern so ein Fraggle namens Optikk, dessen Kopp ein großes Auge war und der zur Anfang der 1990er Jahre laufenden Trickfilmserie The New Adventures of He-Man von Mattel in Umlauf gebracht wurde. Das war nicht nur die erste Figur meines Lebens, die quasi den Grundstein für meine Sammelleidenschaft für Figuren entfachte und die bis heute anhält, sondern im Prinzip auch der allererste Kontakt mit Masters of the Universe. Und nach diesem kleinen Schwank aus meiner Jugend komme ich nun endlich auch zum Thema: Das filmische Reboot dieser Spielzeuglinie, das in diesen Tagen bei uns im Kino gestartet ist. Nicole und ich haben uns den Streifen auch unlängst angeschaut. Und dabei, das kann ich schon verraten, so viel Spaß im Kino gehabt wie schon lange nicht mehr!

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Seit geraumer Zeit bemerke ich, wenn ich aus Gründen, die mal nichts mit meiner Sammelleidenschaft zu tun haben, durch die örtlichen Spielzeugläden schleiche, dass He-Man bzw. die Masters-of-the-Universe-Toys wieder stark im Aufwind zu sein scheinen. Dass damals in den 90ern die Regale voll damit waren, überrascht nicht. Schließlich war es dank Trinkfilmserien usw. ein großes Thema. Zudem war die Live-Action-Umsetzung von 1987 mit Dolph Lundgren als schwertschwingendem Blondling und Frank Langella als seinem ewigen Widersacher Skeletor, auch immer noch irgendwie am Horizont, wenn auch nur noch entfernt. Aber in den letzten Jahren habe zumindest ich nicht wirklich viel mitbekommen, dass He-Man von Mattel wieder so gepusht wird. Im Zuge der Vorbereitung auf diesen Artikel habe ich gelesen, dass das schon seit einer ganzen Weile so ist. Inzwischen sind es wieder etliche Regalmeter, die der Prinz von Eternia und dessen Gefährten und Gegner im örtlichen Smyths Toys einnehmen. Und Animationsserien neueren Datums gibt es ebenfalls einige, habe ich gelernt.

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Auch eher zufällig habe ich mitbekommen, dass He-Man eine neue filmische Umsetzung bekommen würde, habe das Thema aber nicht weiter verfolgt. Bis ich im Vorfeld von Project Hail Mary einen Trailer präsentiert bekam – und ganz plötzlich stand fest: Den Film muss ich sehen! Ich weiß, Trailer versprechen immer viel, oft genug halten Filme den dadurch aufgebauten Erwartungen aber nicht stand. Aber trotzdem: Ganz frei von jeglichen Erwartungen ins Kino gehen und berieseln lassen, das war der Plan. Und diesen setzten wir um.

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Direkt am Vorabend zogen wir uns via Amazon Prime noch einmal den wunderbar trashigen Streifen von 1987 rein, der seinerzeit von Gary Goddard inszeniert wurde und in dem neben den bereits erwähnten Dolph Lundgren und Frank Langella auch die damals noch reichlich jungen Courteney Cox (Friends) und Robert Duncan McNeill (Star Trek: Voyager). Die Handlung ist reichlich dünn: He-Man und Konsorten landen auf der Erde, um einen interdimensionalen Schlüssel wiederzubekommen und somit zu verhindern, dass der fiese Skeletor am Ende die Herrschaft über den Planeten Eternia gewinnt, Dauerpacht über Castle Grayskull nebst zugehöriger Parzellen inklusive. Das Magazin Cinema urteilte dereinst mal über den Film: »Doof, aber effektvoll. 80er-Trash, dem man nicht böse sein kann.« Jau, kann man so stehen lassen.

Böse kann man dem von Travis Knight inszenierten Film ebenfalls nicht sein. Ganz im Gegenteil. Die 2026er Version einer Live-Action-Umsetzung von Mattels Spielzeugen ist im allerbesten Sinne Popcornkino – und ganz viel Spaß!

Travis Knight und die beteiligten Drehbuchautoren Chris Butler, Aaron & Adam Nee sowie Dave Callaham haben sich alle Mühe gegeben und den Spagat versucht, sowohl die Fans der Spielzeuge zu bedienen, idealerweise gar die, die in den 80er und 90er Jahren damit aufgewachsen sind, als auch Neueinsteiger zu unterhalten. Und dieser Spagat ist ihnen mit Bravour gelungen.

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Auch im Reboot muss He-Man alias Prinz Adam (hervorragend besetzt mit Nicholas Galitzine) seine Welt vor den finsteren Eroberungsplänen von Skeletor (nicht zu erkennen, aber angeblich trotzdem unter der Maske: Jared Leto) bewahren. Auch hier landet Adam auf der Erde in der aktuellen Zeit und versucht, das ihm abhanden gekommene Schwert der Macht zurückzubekommen. Damit er eines Tages in den Himmel brüllen kann: BEI DER MACHT VON GRAYSKULL, ICH HABE DIE KRAFT!!111!Einself!!

Allerdings landet Adam als Kind auf der Erde, wächst heran und arbeitet in einem Job in einem Großraumbüro. Ganz der Moderne verpflichtet, ist sein Anliegen die gewaltfreie Konfliktlösung. Über all die Zeit sucht er jedoch nach seinem Schwert. Und als er es endlich findet und in einer sehr komischen Szene wieder in seinen Besitz bringt, taucht seine Freundin aus Kindertagen, Teela (Camila Mendes), auf – und ein haariges Monster, das beiden ans Leder möchte. Und schon ist man mittendrin in einer sehr rasanten, sehr unterhaltsamen Sci-Fi-Actionkomödie, die, und hier wiederhole ich mich vielleicht, aber das sehr gerne, unheimlich viel Spaß und gute Laune macht!

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Nun könnte man annehmen, dass dieser neue He-Man-Streifen ähnlich strunzendoof ist wie die Variante von 1987. Oder sich ausschließlich in Fanservice ergeht und sonst nicht viel zu bieten hat. Aber soll ich Euch was sagen, Leute? Nüscht davon trifft zu. An Gags mangelt es nicht. Und selbst die, die eine Spur zu platt geraten sind, sind es auf eine derart dumpfe, aber charmante Weise, dass sie trotzdem zünden. Zudem ist der Film wunderbar selbstironisch und nimmt sich zu keiner Sekunde selbst zu ernst. Allein die Szene im Fitness-Studio, als eine nur allzu bekannte Person mit klugen Sprüchen um die Ecke kommt (aus Spoiler-Gründen hier keine weiteren Details). Oder, als man gegen Ende des Films, Adams wenig kreativen Heldennamen He-Man auseinandernimmt. Auf dieser Ebene macht der Film einfach alles richtig. Die Laufzeit von 140 Minuten mag lang erscheinen, der Streifen ist aufgrund der hohen Gag-Dichte, des rasanten Tempos und des fast durchgängigen Action-Feuerwerks, dessen Effekte sich durchaus sehen lassen können, nicht eine Minute langatmig.

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Und als wäre das noch nicht genug, versucht man auch, die ein oder andere positive Botschaft einzubauen. So versucht He-Man zunächst stets, eine gewaltfreie Lösung zu finden, quasi Brücken zu bauen, ehe es auf die Mütze gibt. Dass nun einer wie Skeletor daran wenig Interesse hat – ja, nun. Aber versuchen konnte man es doch wenigstens mal. Überhaupt ist entgegen aller Erwartungen dieser He-Man ein sehr moderner und überraschend untoxisches Mannsbild. Und das trotz der geölten und gebräunten Muskelberge.

Habe ich eigentlich schon den hervorragenden Score von Daniel Pemberton und in Teilen Queens Brian May erwähnt? Die ganze Zeit hab ich erwartet, dass sich die Musik in Hair Metal der 80er Jahre wandelt. Und überhaupt Musik – auch die Auswahl der Songs war mehr als treffsicher. Im Leben nicht hätte ich erwartet, Boys Don’t Cry von The Cure in diesem Testoreron-Kontext zu hören. Oder What’s Up von den 4 Non Blondes zu hören. Die für die Musikauswahl zuständige(n) Person(en) haben den Nagel auf den Kopp getroffen. Durchgängig. Und allein schon dafür wären zwei erhobene Daumen angebracht!

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Nicole und ich kamen mit einem sehr breiten Grinsen, ich zusätzlich noch mit der Idee, die Figuren aus dem Hause Hot Toys bei uns zuhause einziehen zu lassen, aus dem Kino und waren uns umgehend darüber einig, dass Masters of the Universe, zusammen mit Der Astronaut - Project Hail Mary, bisher zu den absoluten Highlights des Kinojahres 2026 gehören. Freilich, einige große Toptitel stehen uns noch bevor (der letzte Teil von Dune, der nächste Spider-Man, Christopher Nolans Odysee oder Avengers: Doomsday, um nur ein paar zu nennen), und somit bleibt abzuwarten, auf welchem Platz Masters of the Universe letztlich landen wird. Freilich: Weder die Handlung noch die schauspielerische Leistung sind auch nur im Ansatz eines Oscars würdig. Da frage ich aber auch: Muss das immer sein? Oder darf ein Film auch einfach nur Spaß machen und über die ganze Laufzeit gut unterhalten bzw. für eine kurze Weile aus der Wirklichkeit entführen? Eben. Somit schließe ich diesen Beitrag mit einem Zitat aus einer Eigenwerbung, in Kombination mit einer ganz fetten Empfehlung, diesen Film zu kucken: Dafür wird Kino gemacht. Chapeau!

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Roman Jasiek

Hi, ich bin Roman! Ich bin ein Kind der 80er und schreibe seit Ende der 1990er-Jahre Dinge ins Internetz. Mein Herz schlägt für Musik, Comics, Collectibles, Essen, Reisen, Wandern und meine Lieblingsmenschen. Ich lebe und arbeite in Gardelegen.