Terminator: Dark Fate, oder: I'll be back? Muss nicht sein.
© 2019 TWENTIETH CENTURY FOX

Terminator: Dark Fate, oder: I'll be back? Muss nicht sein.

Vielleicht hatte James Cameron einfach genug. Genug davon, mitansehen zu müssen, wie seine Schöpfung – der Terminator – mit jedem weiteren Teil immer weiter ins Absurde gezogen wurde. Nun, zumindest dies hätten er und ich gemeinsam, wenn das der Fall gewesen sein sollte. Für diese Vermutung spräche, dass Terminator: Dark Fate – so viel kann man an dieser Stelle spoilerfrei verraten – die Teile 3, 4 und 5 und somit jede Fortsetzung seit dem sensationellen Terminator 2: Tag der Abrechnung ignoriert. Vielleicht hatte er nach rund 30 Jahren aber auch schlicht und ergreifend mal wieder Bock darauf, sich mit den Killerrobotern aus einer dystopischen Zukunft zu beschäftigen. Kaum einem anderen Film der jüngeren Zeit blickte ich mit derart gemischten Gefühlen entgegen. Einerseits hatte ich als Fan mittlerweile wirklich die Nase voll davon, dass die Filmreihe von Mal zu Mal alberner und der geschaffene Mythos immer mehr in den Dreck gezogen wurde, andererseits stimmten mich die Rückkehr von James Cameron als Produzent und Co-Buchautor doch einigermaßen optimistisch. Ich meine, hey – wenn einer weiß, wie ein Terminator-Film funktioniert, dann doch wohl er. Seit dem 24. Oktober 2019 läuft der Streifen in den deutschen Lichtspielhäusern. Ich ging mit gemischten Gefühlen ins Kino – und kam mit ebensolchen auch wieder heraus.

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Im Vorfeld ist über die Handlung nicht allzu viel bekannt gewesen, um Fans der Serie nicht die Überraschung zu verderben. Auch wenn es mittlerweile zahlreiche Reviews zu Terminator: Dark Fate gibt und auch einige davon leider nicht spoilerfrei, so möchte ich es dennoch an dieser Stelle ähnlich halten und mich bezüglich der Handlung nicht zu sehr äußern. Wie eingangs erwähnt, schert sich dieser Film einen feuchten Kehricht darum, dass in Terminator 3: Rebellion der Maschinen die Erweckung Skynets (der allmächtigen, von Menschenhand geschaffenen KI, die später Terminatoren aus der Zukunft in unsere Gegenwart schicken wird, um etwa zunächst Sarah Connor(Linda Hamilton, damals wie heute) oder später John Connor (hier und in Teil 2: Edward Furlong) über den Haufen zu ballern und so den Widerstand auszulöschen) nicht verhindert werden konnte. Er ignoriert den sich selbst viel zu ernst nehmenden vierten Teil, der zur Abwechslung in der Zukunft angesiedelt war, von der man sonst immer nur in kurzen Ausschnitten erfahren hat. Vor allem aber ignoriert diesen unfassbar dämlichen fünften Teil, bei dem man sich das Hirn gar nicht so sehr verrenken konnte, wie es die behämmerte Story erforderte.

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James Cameron und seine Co-Autoren Charles Eglee, Josh FriedmanDavid S. Goyer und Justin Rhodes lassen ihren neuen Film 27 Jahre nach dem Tag der Abrechnung spielen. Sarah Connor hat zwar die prognostizierte Zukunft – die Beinahe-Auslöschung durch die Maschinen – verhindern können und somit die Zeitlinie verändert, ist aber aufgrund von … nun ja … Gründen immer noch als verbitterte Ein-Frau-Armee draußen unterwegs und macht Jagd auf Terminatoren, die dereinst von Skynet in die Welt geschickt worden sind. Der Fokus liegt aber auf der jungen Mexikanerin Dani Ramos (Natalia Reyes), die mit ihrem Vater und ihrem Bruder unter einem Dach lebt, und ziemlich schnell von einem nigelnagelneuen Super-Terminator (Rev-9, gespielt von Gabriel Luna) terminiert werden soll. Damit das diesem nahezu unaufhaltbaren Terminator, der als ganz besonderes Special Feature offensichtlich auch spontane Zellteilung beherrscht, nicht zu einfach gemacht wird, taucht auch noch die mit allerhand Schnickschnack modifizierte Supersoldatin Grace (Mackenzie Davis) aus der gleichen Zukunft wie der Rev-9 auf, um Danis Leib und Leben zu schützen. Ach so, und dann ist da ja auch noch ein uns nur allzu vertrautes T-800-Modell, das in dem folgenden Action- und Effektgewitter auch noch eine Rolle spielt. Oder spielen möchte.

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Es ist, denke ich, kein allzu großer Spoiler, zu verraten, dass auch dieser sechste Terminator-Teil, der nun quasi zum dritten befördert wurde, im Prinzip die gleiche altbekannte Geschichte erzählt. Wer dem Film unterstellt, es handele sich quasi um einen abermaligen Aufguss, der inzwischen durchaus schal geworden ist, hat nicht Unrecht damit. Zwar haben sich Cameron und seine Kollegen ein paar Kniffe einfallen lassen, die bei eventuellen Fortsetzungen die Möglichkeit bieten, endlich mal was Neues zu erzählen, aber bis dahin muss man zunächst einmal rund zwei Stunden voller Selbstzitate, Anspielungen, Fan-Service und jeder Menge durchaus sehenswerter Action entweder genießen oder ertragen. Mich lässt das ein bisschen an den siebten Teil der Star-Wars-Saga denken, der auch im Wesentlichen die aus Episode 4 bekannte Geschichte noch einmal durchkaute, um dann die Staffelübergabe an eine neue Generation Helden, angeführt von starken Frauen, zu übergeben. Was beim Sternenkrieg gut war, kann für den Maschinenkrieg ja nicht schlecht sein – so scheint eine der Überlegungen im Entstehungsprozess gewesen zu sein. Die Parallelen sind jedenfalls nicht zu übersehen.

Für einen Film, der laut eines Interviews mit Arnold Schwarzenegger in der F.A.Z. kein politisches Statement sein möchte, streift Terminator: Dark Fate erstaunlich viele Themen des aktuellen Zeitgeschehens. Ob das nun diese Grenze da zu Mexiko ist, Migranten, die in Käfige gesperrt werden, oder Jobs, die durch fortschreitende Digitalisierung und technische Automatisierung wegfallen – es sind doch einige Probleme, auf die der Film ein Auge wirft. Allerdings ohne dies zu kommentieren, zu werten oder irgendwie Position dazu zu beziehen. Eine, wie ich finde, unglückliche Entscheidung. Da wird versucht, dem Film eine Tiefe zu verleihen, aber ehe man sich es irgendwie mit irgendeinem politischen Lager verscherzen könnte, bleibt man lieber an der Oberfläche eines hochglanzpolierten Action-Films. Schade. Dann bleibt nämlich die Frage, warum man den Film nicht generell jenseits irgendwelcher Anknüpfungspunkte des Tagesgeschehens inszeniert hat.

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Genauso schade ist übrigens der Umstand, dass manch philosophischer Ansatz kurz angerissen, aber dann auf Kosten eines billigen Szenen-Gags wieder fallengelassen wird. Terminator: Dark Fate wirft nämlich die interessante Frage auf, was eine Tötungsmaschine, wie sie von Arnold Schwarzenegger dargestellt wird, eigentlich macht, wenn sie ihren Zweck erfüllt hat. Bleibt sie einfach stehen, wie ein Götze in der Landschaft? Schaltet sie sich ab, terminiert sie sich selbst oder geht sie anderen Dingen nach? In dieser einen Szene hat der Film schon wieder das Potenzial verschenkt, mehr zu sein als nur ein – wenn auch unterhaltsamer – Aufguss einer alten Geschichte mit jeder Menge Knallpeng.

Für mich hat der Film trotz geringer Erwartung auf erstaunlich vielen Ebenen funktioniert. Aber auf ganz vielen eben auch nicht. Durch die Anspielungen und Selbstzitate fühlte ich mich als jemand, der Terminator 2: Tag der Abrechnung für einen der besten Sci-Fi-Actionfilme aller Zeiten hält, abgeholt und über die Laufzeit von ziemlich straffen 129 Minuten unterhalten. Aber: Die humoristischen Einlagen wirkten auf mich weitgehend eher befremdlich als lustig. Die hätte man gut und gerne auch weglassen können. Oder wenigstens kürzen. Manche Szenen, gerade zu Beginn des Films, wirken unnötig in die Länge gezogen und trugen eigentlich nichts zur eigentlichen Handlung bei.

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Außerdem: Die Darsteller rangierten auf meiner persönlichen Skala irgendwo zwischen ganz okay und geht so. Richtig überzeugt hat mich vor allem Gabriel Luna, der sich in seiner Darstellung des Rev-9 an dem dereinst von Robert Patrick gespielten T-1000 orientiert, allerdings ohne dabei zu einer bloßen Kopie zu verkommen. Linda Hamilton dagegen ging mir über weite Strecken des Films auf den Keks. Dass sie sich mit Arnold Schwarzenegger, der im Wesentlichen einfach nur da war, anzickte wie ein altes Ehepaar, war zwar einerseits aus Gründen verständlich, andererseits war das im Verlaufe des Films so sehr drüber, dass ich in meinem Kinosessel saß und dachte: Ist gut jetzt, Sarah, wir haben es ja verstanden!
Natalia Reyes, deren Figur Dani nun also eine wichtige Rolle im Terminator-Universum nach Cameron zugedacht wurde, war mir zu oberflächlich gezeichnet. Auch wenn sie quasi das 2019er Äquivalent zur 1984er Sarah Connor war – so richtig abgenommen habe ich ihr die tragischen Verluste sowie die Veränderung von der eingeschüchterten Fabrikarbeiterin zur resoluten, kampflustigen Lady nicht. Hier offenbarte das Skript einmal mehr seine Schwächen. Wenn auch für besonders tiefgreifende Charakterstudien die Filmreihe ohnehin bisher nicht bekannt war, so war das in Camerons erstem Terminator doch besser herausgearbeitet. Auch Mackenzie Davis, die mir in Blade Runner 2049 noch gut gefallen hatte, überzeugte mich nicht. Vielleicht sollten die Figuren und deren Dialoge starker Frauen lieber von Frauen als von Männern geschrieben werden. Dann würde das vielleicht auch authentischer herüberkommen als das hier zu sehende Macho-Gehabe, das den Eindruck erweckt, man habe die Figur eigentlich für einen Mann geschrieben, sich dann aber doch dazu entschieden, halbherzig den Feminismus zu unterstützen.

2019 hat man dafür scheinbar keine Zeit, Regisseur Tim Miller (Deadpool) hetzt seine Cast lieber durch sehenswerte und unterhaltsame, leider aber manchmal zu dunkel und zu hektisch geschnittene Actionsequenzen. Wirklich gut gefallen hat mir am neuen Terminator der Score von Tom Holkenborg (a. k. a. Junkie XL), der sich in seinem Tun ganz wunderbar an dem sensationellen, unerreichten Original von Brad Fiedel orientiert.

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Man muss kein Orakel sein, um zu erahnen, dass Terminator: Dark Fate für die Entscheidungsträger in Hollywood die Türe für weitere Teile aufstoßen soll. Ob das gelingt, entscheiden wohl die Besucher mit ihrem Erwerb eines Kinotickets. Insgesamt lässt sich festhalten, dass dieser sechste Terminator-Film als sehr solider und durchaus unterhaltsamer Actionstreifen keine Offenbarung ist - dafür aber der Reihe auch keinen weiteren Schaden zufügt. Und das ist ja auch schon mehr, als man zuletzt noch zu hoffen wagte.

Rückblickend betrachtet wird klar, dass man die Geschichte rund um diese mörderischen Kampfroboter mit Terminator 3: Rebellion der Maschinen eigentlich ganz wunderbar zu einem Ende gebracht hatte. Auch wenn Teil 3 als Film kein übermäßig großer Wurf war, so war es dennoch ein konsequenter Abschluss. Mit Terminator: Dark Fate wird nun also das Hamsterrad einmal mehr angeworfen. Ich habe im Kino festgestellt, dass mich das mehr als 30 Jahre alte Grundkonzept inzwischen ermüdet. Wenn es keine weitere Fortsetzung gäbe, wäre die Welt für mich in Ordnung. Film Nummer 6 ist in Teilen durchaus charmanter Fan-Service und bietet ansonsten unterhaltsame Action-Kost. Über die ganzen Dinge wie die Zeitlinien, die nun stattgefunden haben oder auch nicht, darf man schlicht beim Kinobesuch nicht nachdenken. Am besten ist ohnehin, man lässt das Hirn einfach zuhause. Alles in allem ist Terminator: Dark Fate kein schlechter Film, aber eben auch kein so richtig guter, und er ließ mich mit dem Wunsch zurück, Arnold Schwarzenegger möge seine in diesem Film getätigte Aussage, nicht mehr zurückzukommen, in ein gehaltenes Versprechen umwandeln. Irgendwann ist auch mal gut.

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Roman Jasiek

Hi, ich bin Roman! Ich bin ein Kind der 80er und schreibe seit Ende der 1990er-Jahre Dinge ins Internetz. Mein Herz schlägt für Musik, Comics, Collectibles, Essen, Reisen, Wandern und meine Lieblingsmenschen. Ich lebe und arbeite in Gardelegen.