Mit Fug und Recht im Guiness-Buch: Batman Arkham Asylum
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Mit Fug und Recht im Guiness-Buch: Batman Arkham Asylum

Wie oft schon wurden Comichelden im Allgemeinen und Batman im Besonderen in oftmals allenfalls mittelprächtigen PC- und Videospielen verwurstelt? Leider so oft, dass wohl nur noch die Hardcore-Fans die Arme hochreißen und „Hurra!“ schreien, sobald eine neue Superheldenversoftung ins Haus steht. Das zu Eidos gehörige Entwicklerteam Rocksteady hat sich ebenfalls der theoretisch sehr ergiebigen Lizenz angenommen und verfrachtet Gothams dunklen Ritter in die Irrenanstalt Arkham Asylum. Und bringt quasi wie nebenbei das Kunststück fertig, nicht nur die Reputation von Superheldenumsetzungen enorm aufzupolieren, sondern eines der großartigsten Spiele in diesem Jahr abzuliefern.

Batman Arkham Asylum basiert lose auf dem gleichnamigen Comic von Grant Morrison und Dave McKean. Während der Comic eine verstörende Reise tief in die kaputte Psyche des maskierten Rächers liefert, spielt dies im Spiel eine eher untergeordnete Rolle. Demnach ist die Rahmenhandlung des Spiels auch schnell erzählt: Viel zu leicht ist es Batman gelungen, seinen Erzfeind Joker zu schnappen. Höchstselbst bringt er den Chaosclownprinzen in die Elizabeth-Arkham-Anstalt für kriminelle Geisteskranke, wo sich so ziemlich alle Feinde Batmans auf einer durchaus unfreiwilligen Kur befinden. Batman, von Haus aus immer schon altes Spitz- und Schlitzohr, kommt es natürlich merkwürdig vor, dass sich der Joker so leicht hat einbuchten lassen. Und richtig – kaum dass der Fledermausmann den Clown abgeliefert hat, schnappt die von langer Hand vorbereitete Falle zu. Der Joker entkommt, um seinen perfiden Plan (über den hier aus Spoilergründen nichts Näheres erzählt werden soll) in die Tat umzusetzen, und für Batman beginnt eine sehr lange Nacht im Arkham Asylum.

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Soweit so gut. Die sehr stimmigen, übrigens komplett mit der Spielengine erzählten Zwischensequenzen stimmen aufgrund der schicken Optik, der tollen Musikuntermalung und der großartigen Synchronisation schon einmal perfekt auf das bevorstehende, locker 15 Stunden andauernde Abenteuer ein. Wer sich einigermaßen mit der Figur Batman auskennt, wird wissen, dass er in diesem Spiel zwar ziemlich massig und wuchtig wirken mag, aber dennoch alles andere ist als ein grobmotorischer Schlächter. Viel mehr macht Batman in Arkham Asylum seinem Ruf als „bester Detektiv der Welt“ einmal mehr alle Ehre. Tür aufmachen, reinstürmen und alles über den Haufen ballern, was sich nicht bei 3 auf Bäumen befindet, ist also nicht. Ganz im Gegenteil: Vielmehr muss der fledermausbegeisterte Spieler durch die Schatten schleichen und eines der vielen Spielzeuge zur Weg- und Lösungsfindung verwenden, die von den Programmierern eingebaut wurden.

Zum einen steht dem Flattermann als elementarste Unterstützung der sogenannte Detektiv-Modus zur Verfügung, eine Art gepimpter Nachtsichtmodus, bei dem nicht nur beeinflussbare Dinge in der (übrigens ziemlich stylischen!) Levelarchitektur hervorgehoben werden, sondern Gegner auch durch einige Wände hindurch als Skelett angezeigt werden. Dabei lässt sich auch erkennen, ob es die Fledermaus hinter der nächsten Tür mit bewaffneten Gegnern zu tun hat. Was wiederum zur Folge hat, dass die Spielweise noch mal überdacht und deutlich taktischeres Vorgehen forciert werden muss – denn Batman reagiert höchst empfindlich auf Beschuss. Zur Hilfe kommen ihm da seine Gadgets wie der obligatorische Enterhaken (sowie diverse Abwandlungen desselbigen), Explosiv-Gel oder ein mobiles Hacking-Gerät.

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Natürlich ist Batman nicht die ganze Spieldauer über ein Schattenparker. Wäre bei der Masse, mit der er sich so durch das Geschehen wuchtet, auch irgendwie albern. Oft genug kommt es vor, dass (teilweise) ganze Scharen an Gegner vermöbelt werden wollen – was dank des intuitiven und sehr gelungenen Kampfsystems sehr flott und sehr stylisch inszeniert von der Hand geht. Ein „Finishing Move“ als Nahaufnahme inklusive. Ab und zu passiert es auch, dass der Flattermann gegen einen oder mehrere Bossgegner antreten darf, die nicht nur einiges mehr an Schaden austeilen und einstecken als Batman, sondern auch nur mittels einer speziellen (aber dennoch offensichtlichen) Taktik ausgeschaltet werden müssen. So wirklich Gehirnschmalz ist hier also nicht gefordert. Überhaupt erfordern die ins Spiel integrierten Rätsel kein Diplom. Die größte Knobelei wird dem Spieler abverlangt, wenn sich Batman durch einen Raum der Anstalt bewegen muss, der von bewaffneten Goons bewacht wird. Hier werden viele Leute wohl so manches Mal den hämischen, als Game-Over-Bildschirm getarnten Joker zu Gesicht bekommen haben, bis der bzw. ein richtige/r Weg gefunden wurde. Frust kommt dabei aber nicht auf, denn kurzes Überlegen und eine Spur Geduld und die Sache ist geritzt.

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Die spielerische Mischung aus Splinter Cell und Street Fighter gefällt und kann über die komplette Spieldauer begeistern. Einen großen Anteil daran hat aber auch die totschicke Präsentation. Batman Arkham Asylum hat die aktuelle Unreal Engine unter der Haube. Das ermöglicht nicht nur ausufernde, beeindruckende Architektur, sondern auch schicke Spielfiguren und stimmige Licht- und Schatteneffekte. In Bezug auf das Charakterdesign orientierten sich die Entwickler eher an den Comics, sodass der Joker, Harley Quinn und alle anderen, wieder einmal aus Spoilergründen nicht erwähnten Protagonisten einen leicht überdrehten, unwirklichen, also quasi comichaften Look haben. Aber hey, das Spiel basiert auf einem Comic, also ist das durchaus ok und eigentlich auch wünschenswert. Bemerkenswert ist auch die Liebe zum Detail, mit der hier vorgegangen wurde. Wird in einer Zwischensequenz Batmans Anzug lädiert, so bleibt der Schaden auch nach dieser Zwischensequenz erhalten. Reißt im Verlaufe der Handlung Batmans Cape, so wuselt der dunkle Ritter fortan mit zerfleddertem Umhang durch die Anstalt. Und der immer stärker werdende 5-Uhr-Schatten, quasi der erste Ansatz des Drei-Tage-Barts, zeigt auf, dass es echt eine verdammt lange Nacht für den maskierten Rächer ist.

Auch akustisch macht Batman Arkham Asylum eine verdammt gute Figur: Der Score orientiert sich an der Arbeit von James Newton Howard und Hans Zimmer, die für die letzten beiden Batman-Filme mit Christian Bale in der Hauptrolle die Musik lieferten. Apropos Christian Bale: Auch wenn Batmans digitale Reinkarnation in diesem Fall optisch keine Ähnlichkeit mit dem Mime hat, so kann das Spiel bezüglich Synchronisation noch einmal fette Extrapunkte kassieren. Denn für die Rolle des Batman wurde einmal mehr David Nathan gewonnen, der ja quasi Herrn Bales Haus- und Hofsynchronsprecher ist. Mit anderen Worten: Der Batman im Spiel klingt demnach genauso wie der in den letzten beiden Filmen, was natürlich noch mal zusätzlich zur ohnehin schon gelungenen Atmosphäre beiträgt! Bei aller Begeisterung über David Nathan soll aber nicht unerwähnt bleiben, dass auch alle anderen Sprecher einen richtig guten Job gemacht haben.

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Kurzum: Rocksteady macht bei der Umsetzung der Batman-Thematik so viel richtig und erlaubt sich dabei so wenig Fehler, dass man schon passionierter Erbsenzähler sein müsste, um in diesem grandiosen Spiel welche zu finden. Die Xbox 360- und die Playstation 3‑Fassung tun sich übrigens wenig, lediglich PC‑Spieler genießen aufgrund der Verwendung der aktuellen Physx-Engine eine lebhaftere, weil interaktive Umgebung. Ungeachtet dessen ist Batman Arkham Asylum hier wie da Pflichtkauf.

Für mich als langjährigem Batman-Fan, der die Abenteuer der Fledermaus quasi seit frühen Jugendtagen verfolgt, hat Rocksteady mit dieser genialen Umsetzung natürlich ohnehin gewonnen. Aber ich stimme gerne in die Lobgesänge mit ein, die Batman Arkham Asylum attestieren, dass es auch ohne die prestigeträchtige Lizenz ein großartiges und stimmiges Spielerlebnis geworden wäre. Inzwischen ist Batman Arkham Asylum ja auch in das Guinness-Buch der Rekorde als bestbewertetes Superheldenspiel aller Zeiten eingezogen. Aber auch in der allgemeinen Ruhmeshalle der absoluten Top-Wertungsabräumer wird sich dieses Spiel wohl weit, weit oben einreihen. Sehr zu Recht! Für mich mit weitem Abstand das Spiel des Jahres.

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Roman Jasiek

Hi, ich bin Roman! Ich bin ein Kind der 80er und schreibe seit Ende der 1990er-Jahre Dinge ins Internetz. Mein Herz schlägt für Musik, Comics, Collectibles, Essen, Reisen, Wandern und meine Lieblingsmenschen. Ich lebe und arbeite in Gardelegen.