Wer digital arbeitet, und hier denke ich beispielsweise an Blogger wie mich, kennt vielleicht das Problem: Das Internetz in der eigenen Bude ist zu instabil und/oder langsam und somit ist die Möglichkeit, im Homeoffice zu arbeiten, keine wirkliche Option. Will sagen: Eine externe Lösung muss her! Nun kann man sich ganz cool mit seinem MacBook (oder was auch immer das Arbeitsgerät der Wahl ist) in den nächstgelegenen Starbucks hocken und sich während der Arbeit stundenlang an überteuertem Kaffee festhalten. Oder aber man sucht sich so einen Coworking-Space, der sich wohl in jeder halbwegs größeren Stadt finden lassen sollte.

Auch ich stand schon vor dem Problem, dass ich unterwegs arbeiten wollte und sollte, es aus den eigenen vier Wänden heraus aber nicht möglich war. Und ich aber mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit niemals in der besagten Kaffeerösterei herumhocken und am Blog friemeln werde. Also habe ich mich umgeschaut, welche Coworking-Spaces mir die Stadt Magdeburg, eine meiner Hauptwirkstätten, so bietet. Ein paar habe ich mir angeschaut, ein paar ausprobiert, und von einer möchte ich, zusammen mit einer wärmsten Empfehlung, nun erzählen.
Die Rede ist von der bunten butze, zu finden im schönen Stadtfeld Ost (Hans-Löscher-Str. 21, 39108 Magdeburg). Die bunte butze selbst ist ein Mehrfamilienhaus, das sich CO₂-Neutralität auf die Fahne geschrieben hat. Erreicht werden soll dies durch die Nutzung von Erdwärme und Solarenergie sowie die Verwendung natürlicher Rohstoffe (Holz, Hanf, Lehm, Kalk und so weiter) im Innenausbau. Die bunte butze bietet aber nicht nur den Coworking-Space, sondern auch Betreuung für Kinder zwischen 0 und 6 Jahren durch zwei Tagesmütter.

Und dann ist da auch noch ERNAS LebensMittelPunkt, ein Bio-Bistro und Unverpacktladen. Dort bekommen digitale Nomaden, die sich in der bunten butze zum Arbeiten niedergelassen haben, zum Mittag beispielsweise gestampfte Kartoffeln mit Avocado, Shitake und Sprossen, Falafel-Bowl mit geröstetem Gemüse oder Käsespätzle mit Röstzwiebeln serviert. ERNAS versteht sich aber auch als Treffpunkt. Daher werden hier auch verschiedene Veranstaltungen durchgeführt. Von einem Spieleabend über einen veganen Brunch bis zu einem Endometriose-Stammtisch wird so einiges geboten.
Und auch der zu mietende Arbeitsplatz der bunten butze bietet so einiges: Sich für einen Tag flexibel einbuchen ist genauso möglich wie ein monatlich, fest reservierter Arbeitsplatz oder eine virtuelle Geschäftsadresse. Event- und Meetingräume in 21 Quadratmetern (für bis 10 Personen) bzw. 14 Quadratmetern (für bis zu 8 Personen) sind ebenfalls zu bekommen.

Für mich fiel die Wahl auf den Flex Desk. Und fällt er immer wieder. Die Website dieses Coworking-Spaces hat die Domain lieblingsarbeitsplatz.de und das trifft den Nagel schon ziemlich gut auf den Kopp. Die hell und freundlich eingerichteten Büros, gelegen im ersten Stock eines Altbaus in einem der, wie ich finde, schönsten Teile Magdeburgs, haben alles, was ich zum Arbeiten brauche. Dazu gehören ein 27″-Monitor (nicht an allen Schreibtischen verfügbar), sehr schnelles WLAN, ich könnte auf einen Drucker mit Scan-Funktion zurückgreifen, habe Zugriff auf eine kleine Teeküche (wer Filterkaffee mag, kann auch die hiesige Kaffeemaschine nutzen) und darf die butze in der Zeit von 7 bis 22 Uhr betreten (bei bestehendem Monatsabo auch rund um die Uhr).
Innerhalb der genannten Zeiten ist es möglich, jederzeit zu kommen und zu gehen, da der Zugang über das Web gesteuert wird. Hierfür ist der Erwerb beispielsweise eines Tagespasses erforderlich, der zum Zeitpunkt des Erscheinens dieses Artikels bei 19 EUR netto pro Tag liegt. Würde ich die vollen Stunden ausnutzen, käme ich auf einen Preis pro Stunde von 1,27 EUR. Bei einem regulären Arbeitstag von 8 bis 16 Uhr entspräche das auch nur 2,24 EUR. Nach meinem Preisempfinden auch noch vollkommen in Ordnung. Wer vorab weiß, hier längere Zeit zu verbringen, kann auch eine 10er-Karte (entspricht dann 16,90 EUR netto pro Tag) oder gleich den ganzen Monat in der sogenannten Flex-Desk-Flatrate für 199 EUR netto buchen.

Die Buchung erfolgt ebenfalls bequem über ein Web-Interface. Man benötigt zweierlei Dinge: den jeweils gewünschten Tarif (zum Beispiel einen Tagespass) und eine Reservierung bzw. Blockierung im Kalender. Dieser Artikel hier wurde in der bunten butze geschrieben, während ich parallel damit beschäftigt war, weitere Blogbeiträge aus dem Archiv in diesen Blog zurückzubringen. Der Raum mit den Flex Desks verfügt über sechs Sitzgelegenheiten, verteilt auf vier Schreibtische, zwei davon mit Monitor. Geprüft habe ich es nicht, gehe aber davon aus, dass nicht mehr Buchungen bzw. Reservierungen möglich sind, als es Plätze gibt. Mehr als vier Personen, verteilt auf die vier Tische, habe ich hier aber auch noch nicht erlebt. Wer auf einen externen Monitor angewiesen ist, sollte sich wohl aber möglichst frühzeitig hier einfinden und einen entsprechenden Platz sichern.
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich hier gut und konzentriert arbeiten kann und mich in der bunten butze schlicht wohlfühle. Alleine schon, dass ich nur mal eine Treppe tiefer steigen muss, um mir bei ERNAS etwas zu trinken oder zu schnabulieren zu holen, das lecker und gesund ist, bietet mir schon einen echten Mehrwert. Zudem bin ich kein großer Freund von Großraumbüros oder ähnlichen Örtlichkeiten, da das allgegenwärtige Gemurmel und die immer wieder auftretenden Unterbrechungen meine Gedanken übertünchen.

Dennoch möchte ich auch auf ein paar Dinge hinweisen, die Ihr möglicherweise als Malus betrachtet. Als da wären: Wer sich an gelegentlichem Straßenlärm und/oder dem Rabatz spielender Kinder stört (wie gesagt, Tagesmütter sind mit im Haus, Kopfsteinpflaster auf der Straße vor der Tür), arbeitet hier entweder mit Kopfhörern – oder eben gar nicht. Zudem sind die Wände zu den Nachbarbüros recht hellhörig. Wer also Video-Calls abhalten und dabei über sensible Daten schnacken möchte, sollte vorher sichergehen, dass sonst niemand direkt nebenan sitzt. Dass die Bearbeitung von sensiblen Themen nicht in einen Coworking-Space gehören, nicht zuletzt aus Datenschutz- und oft auch Compliance-Gründen, steht freilich auf einem anderen Blatt.
Zudem sind die Tische nicht höhenverstellbar (zumindest die Flex Desks nicht), die Sitze nicht wirklich ergonomisch und generell ist die bunte butze auch nicht barrierefrei. Erster Stock Altbau und kein Fahrstuhl. Wenn das für Dich relevante Themen sind, dann ist die bunte butze allem Charme zum Trotz nicht der richtige Ort zum Arbeiten.
Digitale Nomaden, Blogger, Freelancer, Influencer, Studenten, Kreative oder Web-Designer bzw. -Entwickler ohne Einschränkungen, die einen (relativ) ruhigen, fast schon gemütlich zu nennenden Ort zum entspannten Arbeiten suchen, finden mit der bunten butze möglicherweise genau das, was die Domain verspricht: einen neuen Lieblingsarbeitsort.
