Ein Hoch auf alle Träumer: Zurück in die Zukunft – Bericht vom Musical im Stage Operettenhaus in Hamburg
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Ein Hoch auf alle Träumer: Zurück in die Zukunft – Bericht vom Musical im Stage Operettenhaus in Hamburg

In die Vergangenheit reisen, um dort die Zukunft zugunsten eigener Vorstellungen zu verändern – mal ehrlich, Leute, wer von uns hat diesen Traum nicht schon mindestens einmal geträumt? Heute sind Begriffe wie „Fluxkompensator“, der Ausruf „Great Scott!“ und natürlich der ikonische DeLorean längst fester Bestandteil der Popkultur. Man kann sich gar nicht mehr vorstellen, dass Bob Gale und Robert Zemeckis, die Schöpfer von Zurück in die Zukunft, diesen Traum eine ganze Weile geträumt haben, ja träumen mussten, ehe das Filmprojekt grünes Licht bekommen hatte. Die Trilogie spielte insgesamt fast eine Milliarde Dollar ein. Bis dahin haben sie der Überlieferung nach aber über 40 Absagen kassiert, ehe man bei Steven Spielbergs Produktionsfirma Amblin Entertainment das Potenzial in dem Stoff erkannte. Der Rest ist sozusagen Geschichte. 35 Jahre, nachdem Zurück in die Zukunft seinen Siegeszug durch die Kinos und in die Herzen von Millionen Fans auf der ganzen Welt angetreten hat, folgte 2020 die Umsetzung als Musical. Seit dem 22. März 2026 ist das Stück dank Stage Entertainment auch in Deutschland zu erleben. Nicole und ich haben das Musical kürzlich im Stage Operettenhaus in Hamburg erleben dürfen, und ehe ich zum ausführlicheren Bericht komme, möchte ich das Fazit schon mal direkt an den Anfang stellen: Das war schlicht und ergreifend next Level Musical!

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Es mag unglaublich tönen, aber es gibt ganz offenbar nach wie vor Menschen im mittleren Erwachsenenalter, die keine Ahnung haben, worum es in Zurück in die Zukunft geht. Das ist übrigens eine Beobachtung, die ich höchstselbst am vergangenen Wochenende im Vorfeld der Aufführung machte, während wir uns auf unserem Platz einrichteten. »So richtig weiß ich nicht, was da eigentlich Sache ist, ich lass’ mich mal überraschen!«, höre ich auf einem der Plätze hinter uns jemanden sagen. Für alle, denen es ähnlich geht, zunächst eine kurze Abholung:

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Das Jahr 1985. Held der Geschichte ist der Teenager Marty McFly, Rock’n’-Roll-Fan und angehender Musiker, den eine Freundschaft mit dem etwas exzentrischen Wissenschaftler Doc Emmet Brown verbindet. Doc Brown hat eine Zeitmaschine erfunden – ausgerechnet in einem DeLorean! Ein Auto, dem, gelinde gesagt, kein allzu großer Erfolg beschieden war und von dem ohne Zurück in die Zukunft aufgrund diverser technischer Mängel und Fehlentscheidungen des Managements heute vermutlich niemand mehr Notiz nehmen würde. Bei der ersten Erprobung der Zeitmaschine, die mit Plutonium angetrieben werden muss, kommt Doc Brown ums Leben. Auf der Bühne übrigens durch andere Umstände als im Film, aber dazu später mehr. Um seinen Freund zu retten, reist Marty kurzerhand selbst zurück in die Vergangenheit: ins Jahr 1955 nämlich, in dem Doc Brown die Zeitmaschine erfindet. Allerdings ist 1955 auch das Jahr, in dem sich Martys Eltern kennenlernen und ineinander verlieben. Zumindest sollten sie das. Durch sein Auftauchen in der Vergangenheit allerdings ändert sich der Lauf der Geschichte und Martys eigene Existenz sowie die seiner Geschwister stehen auf dem Spiel! Es beginnt buchstäblich ein Wettlauf gegen die Zeit…

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Der Film von Gale und Zemeckis ist schlicht und ergreifend ein zeitloser (Pun intended) Klassiker. Einer dieser Filme, die man immer und immer wieder kucken kann und die irgendwie glücklich machen. Wie ein Becher voll heißer Trinkschokolade. Wäre ich 1985 nicht gerade mal erst drei Jahre alt gewesen, ich wäre gewiss ganz beseelt und über beide Ohren strahlend aus dem Kino gekommen, so wie zuletzt aus The Fantastic Four: First Steps oder Project Hail Mary. 1985 hatte ich jedoch noch andere Interessen, beispielsweise mit dem Holzlöffel auf Kochtöpfe klopfen. Dafür sind Nicole und ich gut 40 Jahre später beseelt, sehr glücklich und über beide Ohren strahlend aus dem Stage Operettenhaus herausgekommen! So viel Spaß! So eine tolle Show! Man kann über die Spielzeit von rund 2 Stunden und 40 Minuten, verteilt auf 2 Akte, gar nicht aufhören mit Herumwundern, Staunen, Lachen, Ergriffenheit und überhaupt und sowieso!

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Das Stück stammt aus der Feder von Bob Gale, dem Co-Autor der Filmtrilogie. Und dieser hat sich für die Bühnenfassung die Freiheit genommen, ein paar kleinere Abänderungen in der Handlung vorzunehmen, die angesichts des überschaubaren Platzangebots auf einer Theaterbühne Sinn ergeben. Für den spoilerfreien Theaterbesuch nenne ich nachfolgend nur ein Beispiel. Die Umstände, die auf der Bühne zum Ableben von Doc Brown führen, haben nichts mit irgendwelchen Terroristen zu tun, die den Doc über den Haufen ballern, sondern mit einem alten und kaputten Strahlenanzug, der, wie der Doc sagt, »noch von Oppenheimer« übrig geblieben ist. Abgesehen von diesen kleinen Änderungen hält sich das Musical wirklich sehr eng an die Vorlage. Wir hatten uns zur Vorbereitung den Film am Vorabend unseres Theaterbesuchs noch einmal angeschaut. Selbst viele Dialoge und Aussprüche des Films wurden übernommen (»Klopf, klopf, jemand zu Hause, McFly?!«), gleichzeitig jedoch auch dort, wo es sinnvoll erschien, angepasst. Quasi den Staub aus dem Scheitel geklopft. Das führt dazu, dass man sich als Fan des Films sofort in einer vertrauten Umgebung wähnt, während es gleichzeitig auch so viel Neues zu entdecken gibt. Gleichzeitig erlaubt man sich aber auch aber kleine gesellschaftskritische Seitenhiebe (»Blei in unserem Benziiin macht die Umwelt so grüüün!«). Und vor allem aber stecken sie viel Zuversicht in dieses Stück. »Wer will, der kann« und niemals sollte die Macht von Träumen und damit einhergehend der Hoffnung unterschätzt werden. »Ein Hoch auf alle Träumer«!

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Für die Musik des Stückes war Emmy- und Grammy-Preisträger Alan Silvestri verantwortlich, der nicht nur die Songs komponierte, sondern auch die (Original-)Texte schrieb. Das ist nur konsequent und folgerichtig, schließlich hatte Silvestri dereinst auch den Score des Films mit seinem inzwischen ikonischen Titelthema erschaffen, dem ich popkulturell eine ähnliche Relevanz einräumen würde wie die des Titelthemas eines Sternenkriegmärchens von John Williams. Insgesamt hält das Stück eine sehr ausgewogene Balance aus vielen gesprochenen Passagen und den Gesangs- und Tanzeinlagen. Logisch, ohne diese wäre es ja auch kein Musical geworden. Ich empfand es als sehr angenehm, dass die Story nicht nur durch Musik erzählt wird, wie beispielsweise in West Side Story, aber eben auch nicht mit einer zu starken Gewichtung auf Dialoge wie etwa in der Magdeburger Inszenierung von Catch Me If You Can. Und ja, natürlich fanden auch Huey Lewis & The News und deren Power of Love ihren Weg in das Stück.

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Es ist einfach ein riesiges Vergnügen, Raphael Groß (Marty McFly), Jan Kersjes (Doc Brown), Sandra Leitner (Lorraine Baines) und Terence van der Loo (George McFly) und Florian Sigmund (Biff Tannen) bei ihrem Spiel auf der Bühne zu beobachten. Alle von ihnen machten einen ganz hervorragenden Job, ganz besonders aber Lorraine und George McFly waren auf den Punkt getroffen. Nailed it, wie man so sagt! Die Regie führte im Original der Tony-Award-Gewinner Rohn Rando, und ich nehme an, die deutsche Fassung weicht hier keinen Deut vom Original ab. Rando hatte ein untrügliches Gespür für seine Figuren und zusammen mit der Choreografie von Chris Baily ergibt sich ein stimmiges Bild in Bezug auf die Performance. Schön zu sehen, dass die Choreografie den jeweiligen Aktionsort berücksichtigt und die Gesten und Bewegungen etwa dem Umstand, dass gerade der DeLorean zentrales Handlungselement ist, Rechnung tragen. Eine Lenkrad-Geste würde natürlich auch bei dem Tänzchentee, bei dem sich Martys Eltern ja ineinander verlieben sollen, keinen Sinn machen.

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Mehr noch ins Staunen, Wundern und Freuen versetzt hat mich jedoch das Bühnenbild, allen voran natürlich der Nachbau des DeLorean. Maximal detailverliebt reist man hier als Zuschauer zunächst zurück ins Jahr 1985 und dann weiter ins Jahr 1955. Am meisten beeindruckt hat mich die Tricktechnik. Dass es im Film möglich ist, herüberzubringen, dass die Blechkiste gerade mit 88 Meilen pro Stunde durch die Straßen donnert, um den Blitz mit einer Leistung von 1.21 Gigawatt einzusammeln und somit den Fluxkompensator anzutreiben, um zurück in die Zukunft zu reisen, ist klar. Dass man das aber auch auf einer Theaterbühne schaffen kann, einfach durch den geschickten Einsatz von Videoprojektionen, Licht und einer Drehbühne – Wahnsinn! In dem Moment, als der DeLorean das erste Mal auf die Bühne geschossen kam, gab es sehr deutlichen Szenenapplaus allein dafür und ich habe mich dabei ertappt, wieder wie ein Kind zu staunen. Ein wirklich tolles Gefühl, das kann ich Euch sagen!

Um mit den Ausführungen so langsam zu einem Ende zu kommen: Zurück in die Zukunft – Das Musical, das derzeit im Stage Operettenhaus in Hamburg zu erleben ist, ist ein großer Spaß für die ganze Familie. Eine nostalgische Zeitreise für Fans, perfektes Entertainment für alle. Die Kombination aus dem wunderbaren Bühnenbild, der tollen Performance des Ensembles, dem unsterblichen Titelthema, und der beeindruckenden Tricktechnik ergibt ein rundherum stimmiges Gesamtpaket, das mich wieder zum eingangs schon erwähnten Fazit zurückbringt: Das ist next Level Musical!

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Roman Jasiek

Hi, ich bin Roman! Ich bin ein Kind der 80er und schreibe seit Ende der 1990er-Jahre Dinge ins Internetz. Mein Herz schlägt für Musik, Comics, Collectibles, Essen, Reisen, Wandern und meine Lieblingsmenschen. Ich lebe und arbeite in Gardelegen.