Double-Crosser Tour: Seabound live am 05.10.2007 im Jolly Joker in Braunschweig
© Dependent Records

Double-Crosser Tour: Seabound live am 05.10.2007 im Jolly Joker in Braunschweig

Letzte Nacht gab sich das Electro-Duo Seabound nach langer, langer Abstinenz von der Löwenstadt im Braunschweiger Jolly Joker die Ehre. Mitsamt der geschmacklich ähnlich gelagerten Leipziger Combo Liquid Divine im Schlepptau schickten sich Frank Spinath und Martin Vorbrodt an, das Rolling Stone des Jolly Joker zum Beben zu bringen. Seabound haben gerufen und wir sind gefolgt.

Das Rolling Stone des Jolly Joker ist nicht eben die größte Location für Konzerte. Bei einem gefühlten Fassungsvermögen von gerade mal etwa höchstens 70 Leuten eine reichlich kuschelige Angelegenheit. Angesichts der Temperaturen gestern Abend in dem Bunker erst recht. Man möchte sagen, es war gut geheizt. Davon ließ sich die versammelte Menge aber nicht weiter irritieren, sondern bekämpfte eventuell aufkommenden Durst mit den dargebotenen Getränken an der Bar.

Pünktlich gegen 22 Uhr gingen dann die Showlichter für die Leipziger Liquid Divine an, die das anwesende Publikum zunächst mit einem fröhlichen „Hallo Leipzig“ begrüßten. In ungefähr einer Dreiviertelstunde boten die Herren einen Querschnitt ihres bisherigen Schaffens, so unter anderem das Stück Technocrazy. Es war jedoch ziemlich auffällig, dass der überwiegende Teil der Gäste definitiv wegen Seabound gekommen war und das Gebotene nicht notwendigerweise auf überschwängliche Gegenliebe stieß. Zumal Sprüche wie „(...) Lied Nummer 5 auf dem Album, für alle Downloader“ auch nicht unbedingt hätten sein müssen.

Wie auch immer. Nach einer guten Dreiviertelstunde verließen Liquid Divine die Bühne und selbige wurde für die Helden des Abends vorbereitet. Gegen 23 Uhr hatte das lange Warten endlich ein Ende und die ersten Klänge von Scorch The Ground, den Opener des Auftritts, ertönten. Als Sänger Frank Spinath dann die Bühne (nach Musikus Martin Vorbrodt und Live-Drummer Daniel Wehmeier) betrat, kannte die Menge kein Halten mehr. Tanzend und singend wurde die energische Performance des Frontmanns gefeiert. Wie ein Derwisch fetzte er über die kleine Bühne, deutlich energischer als noch auf dem WGT dieses Jahr.

In der genialen Setlist des Konzerts jagte ein Highlight das nächste; kein Fan-Favorit wurde ausgelassen: Ob nun Contact, Poisonous Friend, Castaway, Hooked oder Watching Over You“ – gespielt wurde alles, was das Fanherz höher schlagen ließ. Die, wie Oberkapellmeister Frank mitteilte, sogar aus den USA angereisten Fans dankten es der Band durch begeisterten Beifall und Mitsingen. Apropos Mitsingen: Ein sich mit mir den Platz unmittelbar vor der Bühne teilender Kumpel und meine Wenigkeit stimmten in freudiger Erwartung der Zugabe schon mal Watching Over You an – und bekamen prompt von Frank das Mikro hingehalten! Szenenapplaus der Gäste folgte.

Irgendwann ist allerdings auch das tollste Konzert zu Ende und nach zwei Zugaben verließen Seabound endgültig die Bühne. Und hinterließen ein verschwitztes, zufriedenes, wenn nicht sogar glückliches Publikum. Seabound schienen während des Auftritts richtig Spaß gehabt zu haben – die Gäste hatten ihn auf jeden Fall. Dies war eines dieser Konzerte, an das man sich auch in Jahren noch erinnern wird, wenn man bei geselliger Runde Seabound hört, und wird sagen: „Weißt du noch, damals...?“.

Danke, Seabound.

© Dependent Records

Roman Jasiek

Hi, ich bin Roman! Ich bin ein Kind der 80er und schreibe seit Ende der 1990er-Jahre Dinge ins Internetz. Mein Herz schlägt für Musik, Comics, Collectibles, Essen, Reisen, Wandern und meine Lieblingsmenschen.