„Das ist Beobachtung mit Blattwerk“: Pflanzen mit Haltung von Timo Hörske
© Timo Hörske

„Das ist Beobachtung mit Blattwerk“: Pflanzen mit Haltung von Timo Hörske

Einen Blick auf die Welt zu werfen bzw. auf unsere Gesellschaft und besonders auf die Menschen, die sie mit Leben füllen, das ist bei Leuten, die sich gern schriftlich äußern, keine allzu ungewöhnliche Vorgehensweise. Geschrieben wurde schon so Vieles über zwischenmenschliche Befindlichkeiten, Harmonien, Konflikte und Situationen aller Geschmacksrichtungen. Möchte man hier aus der Masse herausstechen, braucht es jedoch eine besondere Herangehensweise, eine pfiffige, im besten Fall sogar einzigartige Idee.

Es ist ein Glücksfall für uns Konsumenten, dass es immer wieder Autorinnen und Autoren gibt, die derart von der Muse geküsst wurden, dass ihnen ebendiese zündende Idee in den Schoß gefallen ist. Und damit würde ich den Bogen schlagen wollen zu dem Buch, um das es mir im heutigen Beitrag geht: Pflanzen mit Haltung, geschrieben von Timo Hörske. Untertitel: Zwischen Blättern, Blüten und Befindlichkeiten. Klingt irgendwie spannend? Jau, fand ich auch. Deswegen habe ich das Buch für Euch mal gelesen.

Schillernd, skurril, verschroben, liebenswürdig, entspannt, exaltiert … Ach, es ließen sich viele Adjektive finden, um die Figuren von Timo Hörskes Buch zu umschreiben. Figuren, die sich zum Beispiel in ihrer Schönheit baden und an Likes erfreuen, die auf Social Media einkassiert werden, und deren Jagd nach Anerkennung mittlerweile schon zur amtlichen Sucht herangereift ist. Oder Figuren, die zwar im Kern gutmütig, nach außen hin aber ziemlich robust wirken. Die einen bleiben standhaft, während die anderen immer neuen Trends nachlaufen. Und vom Flurfunk, bissige Kommentare inklusive, der tagein, tagaus in Büros abgespielt wird, ganz zu schweigen. Alles soweit normal und bekannt.

Nur: Die Figuren des in Bremerhaven lebenden Autors sind keine Menschen. Es sind Pflanzen.

Eine Pflanze beispielsweise wie das Einblatt, das als Klassenpflanze ins Gewühl der Klasse 2b gerät. Und dort von einem Haufen Halbwüchsiger zwar mit Übereifer, aber eben auch echter Hingabe gepflegt und versorgt wird. Und für die die Ferien, welche das Einblatt in der Wohnung der Klassenlehrerin verbringt, seltsam öde und leer werden.

Anderes Beispiel: Die beiden Vorzimmerdamen in Gestalt einer Kentia-Palme und einer Glücksfeder, die ihre blühende Pracht in die Dienste einer Steuerberatungskanzlei bzw. eines Wahlkreisbüros einer politischen Partei stellen. Wohlfein im Umgang miteinander, verstehen sie es, die jeweils andere Pflanze mit rasiermesserscharfen Kommentaren zu überziehen, die manches Mal mehr als nur hintersinnig sind. Natürlich, durch ihren Job in diesen Einrichtungen haben sie es gelernt, das eine zu sagen, aber das andere zu meinen.

Ein letztes Beispiel: Eine Orchidee, platziert in einer Praxis für Schönheitschirurgie, die über Schönheit philosophiert, über Vergänglichkeit und auch darüber, dass Menschen so viel Geld in die Hand nehmen, um dies oder jenes korrigieren zu lassen, nur damit es hinterher so aussieht, als sei nichts gemacht worden. In diesem quasi schönsten Monolog der Stummfilmgeschichte hört ihr mit stoischer Gelassenheit ein Drachenbaum zu, der alles und jede Ausführung mit den Worten kommentiert: »Ik ben de Drachenboom.« Ich würde beinahe darauf wetten wollen, dass nicht nur ich an das Baumwesen Groot aus Marvels Guardians of the Galaxy denken muss.

Ihr merkt sicher schon: An Figuren mit Charakter mangelt es diesem 236 Seiten starken Buch, randvoll mit sehr fein geschliffenen Sätzen und Dialogen, in denen ich baden möchte, und das als Taschenbuch und auch als E-Book verfügbar ist, nicht. Es sind alltägliche Beobachtungen, es ist Gesellschaftssatire, es ist manchmal überspitzt, manchmal nachdenklich, oft mit hintersinnigem Humor versehen und durchgängig sehr unterhaltsam. 

Die Perspektive der Pflanzen zu übernehmen, wie sie die Menschen um sich herum beobachten und kommentieren oder selbst ebenfalls nur allzu menschliche Verhaltensweisen zeigen, ist, und da wiederhole ich mich gern, ein gelungener Kunstgriff. Es lässt mich an Märchen aus alten Zeiten denken, in denen oftmals Tiere als Vehikel für die Botschaft dienten, die transportiert werden sollte. Und natürlich hat auch Timo Hörske Botschaften in dieses Büchlein gesteckt. Was ist es denn, was am Ende wirklich zählt? Wie weit decken sich Selbst- und Fremdwahrnehmung? Lebt man tatsächlich so, wie man es beispielsweise auf Social Media nach außen transportiert? Ist jeder Konflikt es wert, ausgetragen zu werden? Würde es nicht auch manches Mal einfach ausreichen, (wieder) miteinander klarzukommen?

Es sind mitunter sehr philosophische Überlegungen, die hier eingestreut werden und über die sich, wer mag, nach Zuklappen des Buches ein jeder selbst Gedanken machen kann. Die schriftliche Einladung dafür liegt nun vor. Falls Ihr dieser Einladung folgen möchtet, könnt Ihr das Buch zum Beispiel direkt beim Verlag erwerben, in dem Ihr diesem 🔗Link folgt.

Transparenzhinweis: Diese Rezension erfolgte aufgrund einer Kooperation mit dem Autor via Trusted Blogs und ist daher meinerseits als Werbung zu kennzeichnen, was ich hiermit mache. Eine wie auch immer geartete Einflussnahme hat nicht stattgefunden. Der Text spiegelt meine tatsächliche Meinung zum vorgestellten Buch wider.

© Timo Hörske

Roman Jasiek

Hi, ich bin Roman! Ich bin ein Kind der 80er und schreibe seit Ende der 1990er-Jahre Dinge ins Internetz. Mein Herz schlägt für Musik, Comics, Collectibles, Essen, Reisen, Wandern und meine Lieblingsmenschen. Ich lebe und arbeite in Gardelegen.