Ich kann und will es nicht leugnen: Figuren im Maßstab 1:6 zu sammeln, die aus Film, Funk und Fernsehen bekannt sind, in einer Vitrine aufzustellen und immer wieder andächtig daran vorbeizutigern, verschafft mir inneren Frieden. Am schnellsten wächst dabei seit geraumer Zeit der Anteil der Figuren, die Charakteren aus irgendeiner der zahlreichen Star Trek-Serien nachempfunden sind. Ist vielleicht dem aktuellen Zustand der Welt geschuldet, dass ich mich an diese positive Vision der Zukunft klammere. An das, was die Menschheit hätte werden können… Aber ich schweife ab.
Jedenfalls: Da, wo Admiral Picard, Captain Pike & Co. derzeit bei uns wohnen, bin ich gerade dabei, es in ein Sternenflottenmuseum zu verwandeln. Also nicht nur die Vitrinen mit den Männekens darin, sondern auch Lichtinstallationen und jede Menge Geschrabbel nebenher, das thematisch dazu passt. Da es sich um unseren Flur handelt und wir tagtäglich mehrmals daran vorbeilaufen, ist Nicole schon ganz schön tapfer und auch großmütig, dass sie mich meinen Spleen ausleben lässt.
Um dieses Sternenflottenmuseum aufzupeppen, bin ich neulich irgendwann auf die Raumschiffsammlung von Fanhome aufmerksam geworden. Weder ist das die erste ihrer Art, noch ist das grundsätzliche Prinzip sonderlich neu. Gibt es in ähnlicher Form auch mit Bausätzen. Das funktioniert so: Für einen schmalen Euro schließt man ein Abo ab (wohlgemerkt: nur für das Papierbeiwerk, nicht aber für die Sammelgegenstände wie in diesem Fall die Raumschiffmodelle) und bekommt dann in regelmäßigen Abständen Nachschub. Ein Beispiel: Man könnte Marvels Iron Mark III als Bausatz abonnieren. Da kosten Bauphase 1 und 2 je 50 Cent. Danach kommen zwei Pakete mit je 3 Bauphasen, die ihrerseits jeweils rund 15 Eurotaler kosten. Und die dann folgenden Pakete enthalten 6 Bauphasen, wieder für 15 EUR. Und dann sind wir bei 11 Bauphasen bzw. Ausgaben. Preis habt Ihr inzwischen sicher erraten, oder? Um beim Beispiel Iron Man zu bleiben: Wir sprechen von wenigstens 99 Lieferungen. Könnt Ihr ja mal durchrechnen, wo Ihr dann am Ende landen würdet. Es ist übrigens durchaus möglich, dass sich dieser Beitrag hier im weiteren Verlauf in einen kleinen, aber wirklich nur klitzekleinen Rant verwandelt.

Der launische Marvel-Held ist aber gar nicht mein Thema. Die Raumschiff-Kollektion funktioniert nach einem ähnlichen, wenn auch teureren Prinzip. Das erste Schiff, die U.S.S. Titan NCC-80102-A (gesehen in der dritten Staffel von Star Trek: Picard), kostet 39,99 EUR. Die Schiffe danach 49,99 EUR bzw. 74,99 EUR für die XL-Specials. Bämm! Das macht bei 20 Modellen Investitionskosten von rund 1100 EUR. Die musste heute auch erstmal übrig haben, wa? Aufgepeppt werden soll das Abo durch Schnickschnack, den man bei bestehendem Abo alle x-Ausgaben kostenlos dazu bekommt. So zum Beispiel einen Sammelschuber für die Heftchen oder einen Raktajino-Becher (hey, wer hat hier Kaffeetasse gerufen?!). Schnickschnack eben.
Die Preise, die Fanhome hier aufruft, sind also mehr als sportlich. Aber lohnt sich das? Ich sach ma so: Nö, nicht wirklich.
Auspacken gehört für Sammler wie mich zum Erlebnis dazu, und schon da hat mich Fanhome enttäuscht. Das Paket war irgendwie labberig, so als sei es an irgendeinem Punkt der Lieferkette mal nass oder zumindest feucht geworden. Das muss nicht unbedingt Fanhome verantworten, weiß ich, aber der Inhalt setzt diesen unangenehmen „naja …“-Eindruck leider fort.
Die beiliegenden Heftchen waren zerknickt. Also so gar nicht in einem Zustand, den ein Sammler gerne sieht. Und das Info-Heftchen, also das, wo einem ein paar Backgroundinfos über das Schiff, die Konzeption für die Serie und die Special-Effects-technische Umsetzung beigebogen werden, verdient leider nicht einmal die Bezeichnung Heftchen. Nur eine Handvoll Seiten, keine Farbabbildungen, die Texte gar nicht erst ins Deutsche übersetzt. Lieblos und nur des schnellen Geldes wegen irgendwie hingerotzt. Das ist der Eindruck, der sich direkt manifestiert.

Wer nun dazwischenruft: Ja, Mooooment mal, es geht doch schließlich um das Schiff und nicht um das bedruckte Klopapier – stimmt! Aber auch hier ist der Eindruck leider nicht so geil, dass es den regelmäßigen Aufwand von 50 bzw. 75 EUR rechtfertigen würde. Aus Druckguss, so wie es plakativ beworben wird, ist zumindest bei der Titan leider nur die Untertassensektion. Das fühlt sich durchaus wertig an, weil angenehm schwer für die kleine Größe, aber das war es auch schon. Die Rumpfsektion, die Warpgondeln – alles Plastik! Beim Vorbeigehen im Flur ist das okay, bei näherer Betrachtung fällt der okaye Eindruck ziemlich ab. Und ja, dass Fanhome das auf der Website irgendwo auch so aufgeführt hat, habe ich gesehen.
Gleiches lässt sich auch für das Schiff insgesamt sagen. Zwar wirbt man damit, dass man Zugriff auf die originalen VFX-Dateien gehabt hätte und somit einen ganz neuen Detailgrad erreichen konnte. In Hand bleibt davon aber auch nicht allzu viel übrig. Okay, ich will nicht abstreiten, dass es vielleicht an der überschaubaren Größe der Modelle liegt und da vielleicht einfach nicht mehr drin ist. Wer es originalgetreuer braucht: Es gibt auch Schiffsmodelle aus Star Trek, die sind mehr als einen Meter lang und kosten 16tausend US-Dollar, Anzahlung nur 500 Dollar. Jupp, richtig gelesen. Im Falle von Fanhome reden wir von Größen zwischen 12 und 25 cm. Und ein bisschen aufzuwendendes Milchgeld weniger.

Ich würde mich schon als ziemlich großen Trekkie bezeichnen. Und ich habe kein Problem damit, viel Geld für Devotionalien aller Art für everything Star Trek in die Hand zu nehmen. So wie eben die Figuren von EXO-6, die sich für gewöhnlich im Preisrahmen von 200 bis 250 Euro bewegen und die ich hier im Blog immer mal wieder auch vorstelle. Wenn die Qualität stimmt, wenn der Gesamteindruck passt, wenn ich als Sammler ein Erlebnis habe, das mich glücklich macht und wo das erworbene Produkt in der Lage ist, mich vom Alltag und der Welt da draußen abzulenken. Bei Fanhome war leider nichts davon der Fall. Und somit habe ich das Abo noch vor der zweiten Ausgabe wieder storniert. Schade, schade. Ein paar fetzige Raumschiffe hätten meinem Sternenflottenmuseum to be sicher gut gestanden.
