Suche nach Wasser, etliche Xenomorphs und eine Schwangere: Alien – Tauwetter ist ein eiskalter Albtraum
© Panini Comics

Suche nach Wasser, etliche Xenomorphs und eine Schwangere: Alien – Tauwetter ist ein eiskalter Albtraum

Bis August 2024 wird es wohl noch dauern, bis die nächste Installation in der Alien-Saga ins Kino kommt. Alien: Romulus wird der nächste Teil dann wahrscheinlich heißen, der von Ridley Scott, dem Schöpfer des ersten Alien-Films, produziert und von Fede Alvarez (Evil Dead, Don’t Breathe) inszeniert wird. Den bisherigen, nach wie vor eher dürftigen Informationen zufolge wird dieser neue Film sich zeitlich zwischen Scotts Alien und James Camerons Aliens positionieren. Man darf gespannt sein. So lange wie sie Ellen Ripley dabei nicht wieder aus dem wohlverdienten Ruhestand holen, soll mir das nur recht sein. Wobei … im genannten Zeitfenster trieb Ripley im Kälteschlaf durch das Weltall, sollte also aus dem Rennen sein. Das hat in Hollywood nichts zu sagen, weiß ich, aber hoffen kann man ja.

Darben muss man als Fan der bissigen Viecher mit Säureblut dennoch nicht bis dahin. Zum Beispiel kann man sich, sofern man zum zockenden Teil der Gesellschaft gehört und einigermaßen frustresistent ist, mit Aliens: Dark Descent befassen. Ein wirklich großartiges Taktikspiel, angesiedelt in Welten, wie sie James Cameron für Aliens entwarf. Oder man kann schlicht und ergreifend zum Comicdealer seines Vertrauens wandern und sich Alien – Tauwetter mitnehmen, sobald verfügbar. Es ist dies der bereits 4. Band in der aktuellen Alien-Reihe von Panini. Schauen wir uns die Sache doch mal an.

Autor Declan Shalvey und Zeichner Andrea Broccardo entführen ihre Leserschaft in dieser brandneuen Geschichte auf den unwirtlichen Eisplaneten LV-695. Die Wissenschaftlerin Batya Zahn nebst Tochter Zasha und Lebensgefährten Dayton sind auf diesem Planeten unterwegs, um eine seit Anbeginn der Menschheitsgeschichte wichtige Ressource zu finden: Wasser. Das sollte auf einem Planeten, der vorwiegend aus eisigen Oberflächen besteht, tendenziell nicht so schwierig sein. Allerdings wäre es wohl kein Comic im Alien-Universum geworden, wenn Batya und ihre kleine Gruppe einfach eine Trinkwasserquelle erschließen, anschließend ihre Siebensachen packen und dann vom Hof reiten. Denn selbstverständlich schlummern da im ewigen Eis nur allzu bekannte, sabbernde Kreaturen. Selbstredend wird ein Facehugger mit in die Forschungsstation geschleppt. Und naaatüüürlich erfährt auch umgehend Weyland-Yutani, die Firma, die aus den Xenomorphs gerne Waffen und Geld machen möchte, umgehend von dem neuen Fund. Soweit, so vorhersehbar. Dass im Verlaufe der Handlung zu reichlich vielen Toten, teilweise fachkundig zersplattert durch die wenig zimperlichen Aliens, kommt, überrascht auch nicht wirklich. Dennoch hat sich Shalvey ein paar pfiffige Kniffe einfallen lassen, um Interesse und Aufmerksamkeit auf einem konstant hohen Niveau zu halten. Zwei Beispiele: Die Wissenschaftlerin Batya wusste offenbar schon vor dem Fund ihrer Tochter von den außerirdischen Nachbarn. Und: Sie ist schwanger … Den Rest müsst Ihr nun aber selbst lesen, mehr möchte ich dazu nicht verraten.

Ähnlich wie schon in Predator – Tag des Jägers wird die Stimmung und die Kälte dieses ungemütlichen Eisplaneten von Zeichner Broccardo hervorragend eingefangen. Er zeichnet mit sehr klaren, sehr schnörkellosen Linien und verzichtet auf übermäßige Schattierungen. Das hat den Effekt, dass die Bilder zwar sehr flach wirken, man dafür aber sofort den Inhalt eines Panels erfasst. Was insgesamt dem Lesefluss sehr zugutekommt. Ich würde die Zeichnungen, die Aufteilung der Panels zusammen mit den kalten, aber passenden Farben als dynamisch und filmhaft bezeichnen, auch wenn mir die Gesichter der Charaktere manchmal eine Spur zu sehr nach Anime/Manga und damit latent zu kindlich wirken. Die Zeichnungen der Monster hingegen gleichen es als krasser Kontrast wieder raus.

Mir ist nach der Lektüre dieses Comics allerdings noch nicht so richtig klar, ob die in diesem Band versammelten fünf US-Hefte schon alles sind, was die Handlung hergibt – hergeben sollte – oder ob da noch mehr kommt. Denn, wie so oft bei Alien, werden hier mehr Fragen offengelassen als beantwortet. Leider in diesem Fall auf einem Level, das eher unbefriedigend ist und, sollte das alles gewesen sein, das spannende und rasante Lesevergnügen wieder mit einem Makel versehen würde. Wäre es der Auftakt zu mehr: super, Daumen hoch! Wäre dies allerdings schon alles, verbliebe der Daumen in der Horizontalen. In der Hoffnung auf mehr schließe ich diesen Beitrag mit einer vorsichtigen Empfehlung für Fans, zumal allein die schicke Optik viele Punkte auf der Habenseite einkassiert.

© Panini Comics

Roman Jasiek

Hi, ich bin Roman! Ich bin ein Kind der 80er und schreibe seit Ende der 1990er-Jahre Dinge ins Internetz. Mein Herz schlägt für Musik, Comics, Collectibles, Essen, Reisen, Wandern und meine Lieblingsmenschen. Ich lebe und arbeite in Gardelegen.