Seit ein paar Tagen bin ich wieder zurück in dem Dorf, das nun mein Zuhause ist. Zurück aus einer Stadt, die Nicole und mich buchstäblich offenmündig staunend durch die Straßen hat flanieren lassen – kaltem, grauem, immer wieder auch regnerischem Wetter zum Trotz. Und die so viele Eindrücke ins Hirn brannte, dass noch lange nicht alles komplett eingesunken ist. Die Rede ist von London. Gewiss für viele Menschen ein Sehnsuchtsort, und auch bei uns stand die weltberühmte Stadt an der Themse noch auf der Bucketlist.

Ich war zuletzt 2017 dort, um mir das Musical Lazarus von David Bowie anzuschauen, die letzte Arbeit des viel zu früh verstorbenen Pop-Visionärs. Ist eigentlich mal jemand aufgefallen, dass, seitdem Bowie tot ist, alles irgendwie den Bach runtergeht? Aber das ist eine andere Geschichte. Jedenfalls war mein Besuch dort lange genug her und Nicole, obwohl schon so viel herumgekommen in dieser eigentlich ganz wunderschönen Welt, hat der Heimat von Kings und Queens bisher noch keine Aufwartung gemacht. Zeit, das zu ändern. Und das taten wir unlängst.

Wo fängt man an, wenn man von einer Reise erzählen möchte, und wo hört man auf? Eventuell starte ich mit dem Vorgeplänkel. Es hatte sich nämlich ergeben, dass wir einen Tag mehr Urlaub hatten, als für den Trip nach London ursprünglich geplant war. Wir reden von einem verlängerten Wochenende. Es wäre der Plan gewesen, am Donnerstagabend via easyJet Holidays nach London zu jetten, uns dort in einem Ibis Budget Hotel im Londoner Stadtteil Whitechapel einzuquartieren, ein bisschen durch die Gegend zu pilgern und dann, als krönenden Abschluss, einer Show von ABBA Voyage beizuwohnen. Leider ohne Pailletten an den Klamotten, dafür aber mit Tanz im Schuh.

Ungünstigerweise bietet (oder zumindest: bot zum Zeitpunkt der Buchung) easyJet immer nur einen Flug am Tag nach London an. Entweder das, oder ich bin nicht in der Lage, das Buchungssystem adäquat zu nutzen. Wie dem auch sei, durch den Bonus-Urlaubstag reifte ganz flott der Plan, den Trip um einen Tag zu verlängern und somit quasi fast zwei volle Tage zusätzlich zu gewinnen. Der frühere Abflug bedeutete nämlich, schon morgens gegen 9 Uhr Ortszeit in London-Gatwick zu landen. Ursprünglich wären wir sonst erst gegen 18 Uhr angekommen und hätten vom Tage somit nicht mehr so sonderlich viel gehabt.

Die Schwierigkeit bestand darin, diese Umbuchung vorzunehmen. Per Website oder Mail ging das nicht. Es blieb also nur der Griff zum Telefonhörer, um mit der Hotline zu parlieren. Was ich tat. Ich sag’ mal so: Meiner Omma, der liebe Gott hab sie selig, Klingonisch beizubringen, wäre gewiss einfacher gewesen als dem Menschen in der Hotline mein Ansinnen zu erklären. Eine geschlagene Stunde verging, ehe wir so weit waren, dass ich die Reise nicht stornieren möchte, sondern ganz im Gegenteil verlängern, und ich den bereits bezahlten Reisepreis angerechnet haben möchte. Es folgte im Laufe dieses Telefonats, bei dem mir schon meine halbvulkanischen Öhrchen klingelten, selbst noch eine Weiterleitung zum Backoffice und Verständigung auf Englisch. Prima Übung, um das eingerostete Schulenglisch wieder auf Vordermann zu bringen, fürwahr! Am Ende dieses Austauschs standen also ein um einen Tag verlängerter Aufenthalt in besagtem Hotel sowie der frühere Hinflug. Na also!

Abflug war für uns vom Flughafen Berlin-Brandenburg, oder kurz: BER, dem garantiert charmebefreitesten Flughafen, den man sich vorstellen kann. Altbacken ist ein Wort, das mir in den Sinn kommt, wenn ich durch die heiligen Hallen schleiche. Letztlich spielt das aber auch keine Rolle, wir wollten ja schließlich nicht auf dem Flughafen urlauben, sondern nach London fliegen, wa? Der frühe Abflug brachte es mit sich, dass wir gegen 2:30 Uhr im Auto saßen und die A2 in Richtung Berlin runterknatterten. Zum Glück hatten sich Wind und Wetter insofern beruhigt, dass es zwar immer noch Stuhlgang kalt war, aber eben kein Schneetreiben herrschte und die Straßen frei waren. Füchsin, die sie nun mal ist, hatte Nicole nahe des Flughafens einen Parkplatz inklusive Shuttle-Service gebucht, wo unser Auto in den kommenden Tagen sicher, wenn auch nicht trocken und überwindig, untergebracht war. Ein hervorragender Service, von der Buchung bis zur pünktlichen Abfahrt, sowohl bei der Abreise als auch bei der Ankunft – wir können und wollen dein-stellplatz.de an dieser Stelle wärmstens empfehlen.

Der Flug gestaltete sich unaufgeregt und sehr kurzweilig. Gerade mal rund anderthalb Stunden dauert es, bis man von BER nach London-Gatwick geflogen ist. Und dann steht man dort in diesem Flughafengebäude, das um einiges größer scheint als das Pendant im Brandenburgischen, gönnt sich im Supermarkt das erste Döschen des Tages, wagt einen Schritt hinaus – und wird von bestem englischen Wetter begrüßt. Will sagen: Es schiffte wie aus Eimern!

Mit dem Gatwicker Flughafen verhält es sich ähnlich wie mit BER – dat Ding ist quasi am Arsch der Heide! Jedenfalls dann, wenn dein Ziel irgendwo in Whitechapel liegt. Iiirgendwie ist das an mir vorbeigegangen, als ich das gebucht habe. Na, wie dem auch sei: Da wir das frühzeitig genug bemerkt hatten, wurde dementsprechend auch im Vorfeld ein Busticket gebucht. Wir entschieden uns für National Express. Inklusive Sitzplatzreservierung ganz vorne für rund 15 Euro für zwei Personen – da machste nicht viel verkehrt, sag’ ich mal so. Da kann man auch mal anderthalb Stunden (auf dem Rückweg sogar zwei) durch die Gegend gurken. Denn je näher man sich dem Kern Londons – Ziel war die Victoria Station, ziemlich zentral gelegen – näherte, umso mehr konnte man kucken und glotzen und staunen. Reihenfolge variabel.

Das Wetter, das uns bei der Landung begrüßte, sollte sich im Prinzip die ganze Zeit über halten: Regen, kein Regen, Regen, kein Regen und so weiter – wechselnd mitunter im Minutentakt. Die Londoner, das stellten wir irgendwann fest, hatten es offenbar längst aufgegeben, sich mit so profanen Dingen wie einem Regenschirm abzugeben. Der Regen kommt, der Regen geht. Die Fahrt in die Stadt rein war genauso flauschig wie der Flug – mit der Ausnahme, dass es auf unserem reservierten Premiumplatz mit Blick vorne raus zog wie Hechtsuppe. Der Fahrer des Vehikels hatte das Fenster offen und machte auch keine Anstalten, an diesem Zustand etwas zu ändern. Also verzogen wir uns beim nächsten Halt ganz nach hinten. Immerhin konnten wir so ungestört ein weiteres Döschen konsumieren. Habe ich schon erwähnt, dass dieser Gin Tonic, den man in den W & S‑Stores bekommen kann, echt Schmackofatz ist? Nee? Habe ich hiermit nachgeholt.

Kaum hatten wir Victoria Station erreicht, hörte das Bestaunen dieser Stadt, die einen gekonnten und sehr charmanten Spagat hinlegte und viktorianischen Shabby-Chick sowie moderne, futuristische Turmungetüme aus Glas und Stahl auf unbeschreibliche Weise vereinte, nicht mehr auf. Da wir bekanntlich gut zu Fuß sind und außer jeweils einem Rucksack kein weiteres Gepäck zu wuchten hatten, beschlossen wir, den Weg von Victoria zum Hotel zu Fuß hinzulegen. Laut Karte rund 7 Kilometer. Also kaum mehr als die nahezu täglichen Hunderunden hier im Dorf. Also trabten wir los.

Direkt schon auf dem Weg zum Hotel kamen wir an diversen touristischen Hotspots vorbei, die wir buchstäblich im Vorbeigehen abhakten: Buckingham Palace, Big Ben, Westminster Abbey … Überall konnten wir einen Haken hintermachen. Außerdem kamen wir entlang der Themse auch am London Eye vorbei, am New Scotland Yard sowie dem Büro von M. Beinahe hätten wir mal gelinst, ob entweder Sherlock oder James Bond zu Hause sind. Ulkig übrigens, dass ausgerechnet kurz nach unserer Rückkehr das erste Collectible des Jahres die James-Bond-Figur von Hot Toys ist, die heute eintrudelte. Davon aber werde ich an anderer Stelle berichten. Der Nerd in mir freute sich während des Aufenthalts aber sehr darüber, dass Collectibles und Comics drüben auf der Insel einen ganz anderen Stellenwert einnehmen, als es hierzulande der Fall ist. Während man in Schland damit immer noch eher belächelt wird, gibt es Läden dafür in London teilweise an den vornehmsten Plätzen – und so schick, fancy und aufgeräumt, da könnte sich manche Buchhandlung oder dergleichen direkt mehrere Scheiben abschneiden!

In der Nähe der St. James’s Park Station überkam uns dann aber doch ein leichtes Hüngerchen. Immer nur Stülleken und Döseken macht halt auch nicht wirklich satt, ne. Vor allem dann nicht, wenn man gegen Wind und Wetter ankämpfend durch die Weltgeschichte latscht. Wir kehrten in unser erstes Pub dieser Reise ein, konsumierten das erste Bier (Name vergessen) und schnabulierten durchaus leckere Sandwiches. Vor allem aber waren wir erschlagen von den Preisen! Nicht, dass es unser Anliegen gewesen wäre, aber das nur mal festgehalten: Sauftourismus kannste in London definitiv nicht betreiben! Für zwei große Bier wurden jedes Mal irgendwas zwischen 14 und 17 Euro fällig! Das lässt man dann auch mal ein paar Sekunden länger in der Gusche Schaum schlagen!

Nachdem wir gut gestärkt wieder hinaus ins Tageslicht getreten waren, setzten wir unseren Fußmarsch in Richtung Whitechapel fort. Der immer wieder auftretende Regen, der Umstand, dass der Wind einen unserer Regenschirme in die ewigen Jagdgründe geschickt hatte, und die Tatsache, dass sich eine leichte Mauligkeit bei den Reiseteilnehmern Eurer Herzen eingeschlichen hatte, sorgten dafür, dass wir noch einmal in ein ziemlich uriges Pub einkehrten. Logisch, es gab Bier (Name schon wieder vergessen). Hier hockten wir also nun in dieser Gastlichkeit, und während wir unsere Klamotten trocknen ließen, beobachteten wir das rege Treiben. Schon am frühen Nachmittag war die Bude voll, es war wunderbar lebhaft. Überhaupt waren die Pubs stets zu jeder Tageszeit, zu der wir einkehrten, gut besucht. Von Locals, nicht von Touris wie uns. Zur Zeit des gepflegten Feierabendbierchens herrschte selbst draußen vor den Pubs teilweise dichter Andrang! Dass drinnen nicht geraucht werden durfte, hatte daran sicher einen Anteil.

Irgendwann erreichten wir das Hotel dann aber doch. Und das möchte ich direkt mal mit auf den Weg geben, für den Fall, dass Ihr auf unseren Spuren wandeln wollt: Das Ibis Budget heißt so, weil es sich um ein sehr günstiges 2-Sterne-Hotel handelt. Insgesamt waren wir zufrieden damit, haben aber Anmerkungen.

Durch die Umbuchung hatten wir ein anderes Zimmer bekommen. Eines, das offensichtlich für Menschen mit Behinderungen gedacht war. Dagegen wäre grundsätzlich nichts zu sagen gewesen, wenn es denn richtig sauber gewesen wäre. Spoiler: War es nicht. Im Bad lag eine Zahnbürste, die offenbar benutzt war, der Wasserhahn hatte auch länger keine Reinigung gesehen, unter dem Bett lagen weiße Krümel, deren Herkunft ich nicht hätte bestimmen wollen, und überhaupt – schön war anders. Aber auch damit hätte man sich zur Not noch arrangieren können. Den Vorel, wie man in Magdeburg sagt, abgeschossen hat aber die Klimaanlage. Unsere Rettung eigentlich, die unsere Klamotten und durchgefrorenen Körper hätte trocknen bzw. wärmen sollen, war offenbar defekt. Sie lief zwar, machte aber derart Rabatz, dass an Schlaf in der Nacht nicht zu denken gewesen wäre. Über die Dauer einer heißen Dusche konnten wir das ertragen, danach ging uns dieses penetrante Geräusch auf den Sack. Somit wurden wir bei der Rezeption vorstellig. Long story short: Nach einer höflich und freundlich vorgetragenen Reklamation bekamen wir ein neues Zimmer. Ein reguläres, sauberes, mit ordnungsgemäß funktionierender Klimaanlage. Wir waren zufrieden und dankbar.

Was man zudem ebenfalls wissen muss: Es gibt ein Frühstücksbuffet, das man für 9 Pfund pro Person dazubuchen kann. Das entspricht in etwa 10 Euro und ein paar Zerquetschte. Was für ein Frühstücksbuffet in einem Hotel, noch dazu in London, eigentlich ein recht okayer Preis ist. Allerdings ist die Auswahl dementsprechend überschaubar: zwei Sorten Wurstaufschnitt (Ham und Turkey), vier Sorten Käse (eine davon vegan), bisschen Marmelade, Butter bzw. Margarine, bisschen Müsli. Und einen Automaten für Pancakes. Keine Eier, kein geschnibbeltes Obst oder Gemüse. Manchmal stand ein Schüsselchen herum mit Orangen oder Äpfeln. Da die Bude offensichtlich keine Küche hatte, verwundert die Auswahl aber kaum. Wir wurden satt, zumal es ordentlichen Kaffee und Tee gab, und konnten somit immer gestärkt unseren Erkundungsstreifzug durch London antreten. Wer ein üppiges Büfett mit allem Pipapo und Schickimicki zum Frühstück braucht, sollte irgendwas auswärts anpeilen. Ob einem das Gebotene den Preis wert ist, muss aber letztlich jeder für sich entscheiden. Auswärts hätte man jedoch mit Sicherheit mehr in den Klingelbeutel einwerfen müssen.

Nachdem das mit dem Zimmer geklärt war, machten wir noch mal einen Ausflug zur und über die Tower Bridge, vorbei am London Tower, landeten schon wieder in irgendeinem Pub und beschlossen, unser Abendessen im nahegelegenen Supermarkt zu erwerben. Dann geh’ doch zu Netto! Wären wir, aber mangels Verfügbarkeit wurde es ein Tesco. Mit den Spardeals (ein Prime, ein Snack und ein Drink) wurden wir für rund 10 Euro satt. Geschmeckt hat es auch. So günstig wären wir im Restaurant nicht davongekommen, schätze ich.

Unser Plan war eigentlich, irgendwo Fish & Chips zu essen, wenn wir schon mal in London sind. Aber weder fanden wir eine Möglichkeit, das standesgemäß in ollem Zeitungspapier eingewickelt zu erwerben, noch waren wir sonderlich gewillt, dafür in einem Restaurant irgendwas zwischen 21 und 25 Pfund zu bezahlen. Dass London ein eher teures Pflaster ist, hab’ ich hier schon mal irgendwo anklingen lassen, oder?

Das eigentliche Ziel unseres Aufenthalts war der Besuch bei ABBA Voyage. Die Zeit bis dahin verbrachten wir mit sehr ausführlichen Spaziergängen durch die Stadt. Dass es mega unkompliziert ist, beispielsweise die U-Bahn zu benutzen, wenn man Apple Pay eingerichtet hat, haben wir erst herausgefunden, als wir aus Zeitgründen ziemlich fix vom Camden Market wieder zurück zum Hotel wollten.

Ein ums andere Mal entschieden wir uns, entlang der Hauptstraßen und Hotspots auf Entdeckungsreise zu gehen. Viele wichtige Sehenswürdigkeiten hatten wir ja schon am ersten Tag erledigt, und ganz ehrlich: So richtig aus den Latschen gekickt hat uns das gar nicht. Vermutlich standen wir schon einmal zu oft vor alterwürdigen Gemäuern, als dass uns so was noch wirklich in Verzückung versetzen würde. Oder wir hatten Dinge wie den Big Ben oder Westminster Abbey einfach schon zu oft in Medien aller Art zu Gesicht bekommen, wer weiß.

London hat uns immer dann umgehauen, wenn die Kontraste aus altem Gemäuer und modernen Wolkenkratzern förmlich auf uns hereinzustürzen schienen. Oder wenn wir beispielsweise spontan in einem Viertel gelandet sind, das Banglatown hieß und genauso aussah, wie es der Name vermuten lässt. Unfassbar viele Graffiti und Aufkleber an den Hausfassaden inklusive. Wir naschten uns in Chinatown durch eine chinesische Bäckerei, entdeckten einen ganz wunderbaren Plattenladen, der sogar über eine kleine Bühne mit bereits aufgebautem Schlagzeug verfügte, kauften Tee und eine Pfeife im Sherlock Holmes Museum in der Baker Street 221B, bekamen unterwegs ein Matcha-Gesöff und einen Donut geschenkt, latschten durch eine fetzige Kunstinstallation aus Licht und Klang, und schoben uns in Camden Market durch dichtes Gedränge.

Was uns wirklich gut gefallen hat: Im Gegensatz zu Wien oder ganz besonders Prag, die Städte, die wir im Herbst des letzten Jahres erkundeten, ist das Gefühl, das uns London vermittelt hat, das Folgende: Die Stadt und ihre Einwohner geben einen Scheiß auf Tourismus. Im Gegensatz zu anderen Städten wird man nicht an allen Ecken und Enden mit Souvenirläden konfrontiert, keiner pöbelt einen an, um irgendwas zu verkaufen oder, wie auf Bali, ein „you want a massaaaaass?!“ entgegen zu plärren. Man ist einfach Teil des Geschehens. Unsere Erfahrung war: ein willkommener Teil. Sei einfach dabei, passt schon. Im Übrigen haben wir die Menschen Londons durch die Bank weg als sehr freundlich, höflich und rücksichtsvoll wahrgenommen.

Unterm Strich haben wir so viele spannende Dinge gesehen, die ich hier unmöglich alle auflisten kann. Ich wäre morgen noch nicht fertig mit Schreiben und ihr übermorgen noch nicht mit Lesen! Dass London eine ganz tolle, ganz wunderbare Stadt ist, die unheimlich viel bietet, wenn man mit Interesse durch die Straßen zieht, ist hoffentlich deutlich geworden. Immer wieder haben wir uns versichert, dass dies nicht unser letzter Besuch hier war. Handschlag drauf, dass wir eines Tages wieder nach London reisen werden. Wir haben beschlossen, das nächste Mal in den Sommermonaten anzulanden. Mein Kumpel Casi hat einen Beitrag von mir bei Facebook sinngemäß mit den Worten kommentiert, bei London handele es sich um seine liebste Lieblingsstadt für immer. Inzwischen verstehen wir sehr gut, warum.

Und ABBA Voyage? Das war wirklich ein spezialgelagerter Sonderfall und ein mega, mega cooles Erlebnis! Als ABBA im September 2021 nach rund 40 Jahren ihre Rückkehr mit einem neuen Album ankündigten, war die weltweite Resonanz und damit einhergehend Euphorie gigantisch! Doch war es mit dem Album Voyage noch nicht getan. Zusammen mit der Veröffentlichung des Albums kündigten ABBA ein ganz besonderes Konzert an. Eines, bei dem nicht sie selbst auf der Bühne stehen würden, sondern digitale Abbilder ihrerselbst, genannt ABBAtare. Zusammen mit einer Live-Band wurde ein knapp zweistündiges Konzert gespielt und die größten Hits zum Besten gegeben.

Nun, die ABBA Voyage genannte Show wird bis heute aufgeführt, und zwar in einer eigens errichteten ABBA Arena. Es lässt mich ein bisschen an Starlight Express denken, das seit gefühlten 250 Jahren in Bochum aufgeführt wird und wo Spielstätte und Hotel auch eine Einheit ergeben. Wie ich im Nachhinein erfahren habe, gibt es wohl im Umfeld der Arena ebenfalls Schlafkabinen. Falls das Bier vielleicht doch mal zu gut geschmeckt hat oder so.
Ich möchte im Zusammenhang mit ABBA Voyage einmal Morpheus aus dem ersten Matrix-Film zitieren: Leider kann man nicht erklären, was ABBA Voyage ist – man muss es selbst erleben! Fotografieren oder Filmen ist übrigens strengstens verboten und Missachtung wird von der Security auch strengstens mit umgehenden Platzverweis geahndet. Gar nicht mal so sehr geht es dabei um die Wahrung von Urheberrechten, sondern darum, all jenen, die die Show noch nicht gesehen haben, die Überraschung nicht zu verderben. Nachdem wir daran teilgenommen haben, kann ich bestätigen: Gute Sache, das so handzuhaben. A concert like no other, so wird es beworben. Dem ist nichts hinzuzufügen. Seid Ihr in London, habt Ihr auch nur im Entferntesten eine Affinität für die Popmusik der vier Schweden – gönnt Euch und geht unbedingt zu ABBA Voyage! Ich gehe jede Wette ein, dass es ein Erlebnis ist, das nicht nur viel Spaß macht – so ausgelassen getanzt haben wir lange nicht, das Grinsen war uns fortwährend ins Gesicht gezimmert! – sondern vermutlich für immer in Erinnerung bleiben wird. Jede. Wette. Grund dafür ist nicht nur die megacoole Show, sondern auch der Umstand, dass sooo viele Menschen sich in entsprechenden Outfits zur Party begeben und einfach ausgelassen getanzt, gesungen und gefeiert haben, als gäbe es kein Morgen. Ein anderthalbstündiger, großartigster Ausflug in die 70er!

Dass ich hier so langsam schon wieder den Umfang des Telefonbuchs von Wanne-Eickel erreiche, merke ich gerade selbst, daher komme ich zum Ende meiner Ausführungen. Es ist gut möglich, dass sich London ganz still und heimlich in unser Herz geschlichen hat und wir schon jetzt eine kleine Portion Vorfreude auf den nächsten Besuch, wann auch immer dieser sein mag, in uns tragen.