Der Wert des Augenblicks: Wie uns Barcelona und Sitges einmal mehr zeigten, dass das Leben gut ist
© Nicole Isensee

Der Wert des Augenblicks: Wie uns Barcelona und Sitges einmal mehr zeigten, dass das Leben gut ist

Wie dicht wir in der Nacht vom 2. auf den 3. April tatsächlich an einem Atomkrieg vorbeigerauscht sind, werden wir vermutlich nie erfahren. War das alles nur ein Bluff von dem orangen Mann im Weißen Haus? Oder waren die Jets (Gerüchte sprechen unter anderem von der Stationierung eines Doomsday Aircraft im Nahen Osten) schon in Habachtstellung? Wissen wir nicht. Vielleicht auch besser so. Aber viele von Euch und so auch ich sind in jener Nacht mit einem mulmigen Gefühl zu Bett gegangen. Was mich zu nachfolgenden Fragen und Überlegungen bringt:

Der Startschuss für die Rallye Potsdam - Sitges - Barcelona ist gefallen. © Roman Jasiek

Die Ereignisse konnten in Echtzeit mitverfolgt werden. Und hätte sich jene Nacht tatsächlich als die letzte erwiesen, die wir miterleben durften – wie und womit habt Ihr den Tag zuvor verbracht?

War irgendetwas davon so gut, so schön, so wichtig oder so aufregend, dass Ihr im Falle eines Falles mit einem guten Gefühl vor Euren Schöpfer getreten wärt?

Ich frage diese melodramatischen Fragen, weil es doch oft heißt: Lebe jeden Tag so, als sei es der letzte. Aber wie oft macht man das tatsächlich? Wie viel Zeit verschwendet man mit Nichtigkeiten, mit unnützem Stress, mit Zank, Steuererklärungen und der täglichen Roboterei, und verliert dabei den Blick für die schönen Dinge im Leben? Denn es gibt sehr wohl diese schönen Dinge, im Großen wie im Kleinen, und ein Anliegen dieses Blogs ist es, das Bewusstsein dafür (wieder?) zu schärfen. Ja, das gilt auch für mich.

Falls Ihr fragt: Jau, ich hatte einen sehr schönen Tag. Ich war auf den Straßen Barcelonas unterwegs und habe den Abend bei einem Gläschen Wein mit meiner Liebsten auf dem Balkon unserer kleinen Unterkunft in Sitges verbracht. Und damit komme ich zum eigentlichen Anliegen meines heutigen Schreibens: Ein Kurztrip in die Mittelmeer-Metropole.

Der Bahnhof von Sitges © Roman Jasiek

Oft kommt es ja erstens anders, als man zweitens gedacht hätte. So auch dieses Mal. Diese Reise hätte ein Geschenk für meine Mutter werden sollen, Barcelona zu besuchen war (und ist) einer ihrer Lebensträume. Aus Gründen, auf die ich hier nicht weiter eingehen werde, war sie jedoch verhindert. Nun ja, aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Für eine Stornierung war es jedoch bereits zu spät bzw. hätte sie derart hohe Stornogebühren verursacht, dass man den Gegenwert in Geldscheinen auch im Osterfeuer hätte verbrennen können. Und auch keines der Dinge, die uns hier im Hintergrund gerade das Leben erschweren, wäre ein Grund für die Reiseversicherung gewesen, die Kosten zu übernehmen. Es blieb also Nicole und mir nichts anderes übrig, als den Kurztrip zu zweit anstatt zu dritt anzutreten. Wie auch an anderer Stelle schon ausgeführt gibt es bei uns derzeit diverse Themen, die viel Kraft erfordern. Daher ist jeder Strohhalm mehr als willkommen. Auch, wenn er vielleicht einen Knick bekommen hat.

Unterwegs in Sitges © Roman Jasiek

Anreise

Unsere Reise traten wir am Morgen des 7. April an. Nicht zuletzt der explodierenden Spritpreise wegen sind wir einmal mehr auf die Bahn als Transportmittel umgestiegen, um den Flughafen BER zu erreichen. Startpunkt war Magdeburg. Leider gibt es derzeit aufgrund von Baumaßnahmen keine direkte Verbindung in die Hauptstadt, also beschlossen Nicole und ich, aus der Not eine Tugend zu machen und über Potsdam zu fahren. Ein Spaziergang durch den Schlosspark von Sanssouci inklusive. Schließlich ist der Run-Germany-Wettbewerb kürzlich gestartet und Ihr wisst ja: Jeder Kilometer zählt!

Und so kam es, dass wir mit einem Kaffee in der Hand durch die wunderschöne Parklandschaft flanierten. Hier sammelten wir die nächsten paar Kilometer des Wettbewerbs sowie auch ein paar frische (nicht nur der kühlen Temperaturen wegen) Eindrücke und brachten uns in Stimmung für das bevorstehende Abenteuer.

Unterwegs in Sitges © Nicole Isensee

Vom Potsdamer Hauptbahnhof ging es dann letztlich weiter zum Flughafen BER; unser Abflug war für den Nachmittag angesetzt. Das ging auch alles ganz unproblematisch und wie so oft bei easyJet ziemlich pünktlich. Tatsächlich waren wir bezüglich des Abflugs »ahead of schedule«, wie uns der Kapitän wissen ließ, sodass wir ein paar Minuten früher in der Luft waren.

Nicht so cool fanden wir, dass auf dem dritten Platz, den wir zwar bezahlt, aber aus oben erwähnten Gründen nicht in Anspruch genommen hatten, eine uns fremde Person platziert wurde. Ohne uns zu fragen, ob wir damit einverstanden wären oder so. Und diese Person – sorry, das muss ich so deutlich sagen – hat gestunken bis zum Himmel! Was also ein chilliger Hinflug hätte werden können, wurde dann doch zur Geduldsprobe. Wie wir im Nachgang erfahren haben, darf die Airline das. Also Leute bei freien Plätzen umsetzen. Wir wären dennoch wenigstens gerne gefragt worden. Aber gut, sei es drum, davon ließen wir uns die Laune nicht verderben. Auch nicht davon, dass Nicole seit mindestens Gründonnerstag eine richtig fette Erkältung mit sich herumschleppte, die sich im Landeanflug auch sehr schmerzhaft auf das Gehör auswirkte.

Unterwegs in Sitges © Nicole Isensee

Nach rund zweieinhalb Stunden erreichten wir Barcelona und kaum an der frischen Luft, in den milden, beinahe schon frühsommerlichen Temperaturen, dem blauen Himmel und dem goldenen Sonnenschein, kamen wir wieder zur Erkenntnis: Das Leben ist gut.

Wir hatten seinerzeit den Urlaub komplett über easyJet gebucht. Also neben dem Flug auch ein passendes Hotel. Und auch wenn es hier manchmal anders wirken mag: Wir müssen schon auch kucken, dass wir mit der Kohle zurechtkommen, und somit war es eben eine billige Airline und auch nur ein 1-Sterne-Hotel. Und das auch nicht in Barcelona direkt, sondern in einem kleinen Örtchen namens Sitges (allermeist bekannt geworden womöglich durch die Bilderberg-Konferenz im Jahre 2010), rund eine Stunde Bahnfahrt von der großen Stadt entfernt.

Unterwegs in Sitges © Roman Jasiek

Wenn Barcelona über rund 1,7 Millionen Einwohner verfügt, die sich auf einer Fläche von rund 100 Quadratkilometern verteilen, dann kommt Sitges auf rund 30tausend Einwohner, die auf rund 43 Quadratkilometern leben. Gefühlt verhält sich Sitges zu Barcelona wie Potsdam zu Berlin.

Wir irrten kurz auf dem Flughafengelände und anschließend auf dem Bahnhof umher, um einerseits die richtige Linie zu finden, die uns nach Sitges bringen würde, und andererseits, um einen Fahrkartenautomaten zu erspähen, der das richtige Ticket zum Verkauf anbot. Wir kauften das sogenannte T-casual-Ticket für drei Zonen. Das reicht, um von Barcelona bis in dieses entlegene Städtchen zu kommen. Eine Zehnerkarte für rund 35 EUR pro Person – dagegen kann man wohl kaum etwas sagen. Einmal mehr konnten wir dem Versuch, möglichst budgetfreundlich durch die Welt zu kommen, einen Punkt auf dem Habenkonto einräumen. Überhaupt, so war es unser Eindruck in jenen rund drei Tagen, ist der öffentliche Nahverkehr in Barcelona gut ausgebaut und selbst eher kleinere Regionen sind gut zu erreichen. Ein Satz, der sich so kaum auf Deutschland übertragen lässt.

Unterwegs in Sitges © Roman Jasiek

Sitges

Die Fahrt von Barcelona nach Sitges dauert, wie weiter oben schon angeführt, ziemlich genau eine Stunde. Dort angekommen erwartet Besucher eine wunderbare, sehr charmante Kleinstadt, die auf uns wirkte, wie Barcelona in kleinerem Maßstab. Mit viel weniger Menschen auf den Straßen, dafür entsprechend ruhiger, entspannter und irgendwie auch entzückender. Kleine Gässchen mit zahlreichen kleinen Geschäftchen aller Art hier, noch zahlreichere, verlockende Restaurants, Tapas-Bars, Bäckereien und Cafés da. Dazu das mediterrane Flair, eine entspannte, lockere Stimmung, angenehme Temperaturen, … man kommt an und fühlt sich auch direkt angekommen.

Unterwegs in Sitges © Roman Jasiek

Voller Entzücken können wir auch von unserem Hotel, dem Hotel Medium Renaixença, berichten. Ein wunderbarer Altbau mit hohen Decken, vielen süßen Details und ganz viel Flair. Dazu in Teilen auf charmante Weise abgerockt. Ein Haus mit Geschichte, so scheint es. Das Medium Renaixença gehört zum Hotel Medium Romàntic, das sich buchstäblich umme Ecke befand. Dort war auch die Rezeption untergebracht, wo wir stets von außerordentlich freundlichem und hilfsbereitem Personal empfangen wurden. Irgendwann im Verlaufe des Aufenthalts durften wir uns dort auch einen Flaschenöffner bzw. Korkenzieher borgen, da wir den günstig im Supermarkt erworbenen, spanischen Wein sonst nicht hätten öffnen können. Lange Rede, kurzer Sinn: Sowohl Sitges als auch das Hotel erwiesen sich für uns als absoluter Volltreffer. Sehr gut vorstellbar, dass ein möglicher, zukünftiger Ausflug nach Spanien uns direkt nach Sitges führen wird. Denn das Hotel und auch der Ort bieten unserer Meinung nach alles, was es braucht, um eine gute Zeit zu verleben. Und sei es nur, weil das Meer und eine wunderbare Strandpromenade keine fünf Minuten Fußweg entfernt sind.

Kaum, dass wir unser Handgepäck, denn mit mehr waren wir nicht unterwegs, abgelegt hatten, machten wir uns auf, noch ein paar Kilometer zu sammeln und uns mit der Nahrungsaufnahme zu beschäftigen. Apropos Nahrungsaufnahme: Bis auf ein paar sehr vereinzelte Aufnahmen bestand unsere kulinarische Versorgung dieses Mal aus geretteten Lebensmitteln, die wir via TooGoodToGo erstanden hatten. Falls Ihr das nicht kennen solltet: Über die entsprechende App könnt Ihr nachkucken, welcher Anbieter in Eurer Nähe Lebensmittel zum Superschnäppchenpreis anbietet. Lebensmittel, die ansonsten im Abfall gelandet wären, weil unter anderem Backwaren nicht noch an einem zweiten Tag angeboten werden.

In Deutschlands Ballungszentren werden es immer mehr Anbieter (Restaurants, Bäckereien, Supermärkte), die entsprechende Tütchen mit allerhand Leckereien anbieten. In Barcelona ist die Auswahl hingegen bereits riesig! Für maximal 5 Euro pro Bestellung erhielten wir jedes Mal ein richtig dickes Paket aus Schmackofazien, die unseren Hunger stillten und den Bedarf, irgendwo einzukehren und teuer Geld auszugeben, unterdrückten. Neben einer Pizzaria gehörten diverse Bäckereien, aber auch Ketten wie Dunkin’ Donuts zu den Anbietern, deren überschüssige Lebensmittel wir durch unseren Erwerb „retteten“.

Unterwegs in Barcelona © Nicole Isensee

Zum Abschluss dieses langen Tages, wir waren immerhin schon um 4:45 Uhr aus dem Bette gekrabbelt, drehten wir noch eine längere Runde über den Strand und bestaunten Sitges Schönheit, ließen uns die frische Meeresbrise um die Nase wehen und konsumierten im Schatten der Kirche des heiligen Bartholomäus und der heiligen Thekla eine leckere Salami, ein paar Chips und eine Büchse spanisches Dosenbier aus dem Supermarkt. Kein 5-Gänge-Menü, trotzdem unbezahlbar.

Günstiger, aber leckerer Wein aus dem Supermarkt, mitgebrachte Weingläser zum Zusammenstecken aus Plastik, Pizza via TooGoodToGo und ein unschlagbares Plätzchen in der Sonne: Man kann sich durchaus sehr günstig in Barcelona verköstigen. © Nicole Isensee

Barcelona

Frühaufsteher, die wir nun mal sind, standen wir bereits um halb 9 gestriegelt und gescheitelt auf dem kleinen Bahnhof von Sitges und warteten auf den Zug, der uns zurück nach Barcelona bringen sollte. Zuvor waren wir bei einem kleinen Bäcker eingekehrt und hatten uns für die Reise ein Angebot mitgenommen: zwei große Kaffees und zwei Baguettestangen mit Ibérico-Schinken für einen knappen Zehner. Insgesamt haben wir die Erfahrung gemacht, dass die Preise in Barcelona weniger hoch angesetzt waren, als wir es beispielsweise im Januar in London erlebt hatten. Tatsächlich haben wir hier so manches Mal gedacht: Och, das ist ja günstig! Allerdings ist diese Aussage relativ, denn ein richtiges Restaurant haben wir dieses Mal nie betreten, auch nirgendwo einen Aperol Spritz getrunken oder dergleichen. Dennoch bleibt es bei der gefühlten Wahrheit, dass sich ein Aufenthalt in Barcelona und Umgebung recht günstig gestalten lassen kann.

Unterwegs in Barcelona © Nicole Isensee

Das Glück der vergleichsweise frühen Anreise hatte zur Folge, dass wir in Barcelona durch das Barri Gòtic, den ältesten Teil der Stadt mit seinen vielen, höchst entzückenden kleinen Gässchen rund um die Kathedrale von Barcelona (oder genauer: die Kathedrale Heilig Kreuz und St. Eulalia zu Barcelona, auf Katalanisch Catedral de la Santa Creu i Santa Eulàlia de Barcelona) flanieren konnten, ohne schon auf die Massen von Touristen zu stoßen. Menschen wie wir, die sich dem Reiz und Charme der von dem leider viel zu früh verstorbenen Schriftsteller Carlos Ruiz Zafón schon so wunderbar und treffend beschriebenen Stadt nicht widersetzen können. Oder gar wollen.

Unterwegs in Barcelona © Nicole Isensee

Natürlich standen an unserem ersten von zwei Tagen in Barcelona zunächst mal diverse touristische Hotspots auf dem Plan, die man einfach gesehen haben muss, wenn man das erste Mal zugegen ist. Trifft auch mich nicht zu, sehr wohl aber auf Nicole. Und daher wuselten wir nicht nur durch das gotische Viertel, auch entlang der Rambla (derzeit leider eine einzige, sehr große und sehr nervige Baustelle!) waren wir unterwegs, sowie auch im Bereich des Hafens, wo wir an Dekadenz kaum noch zu überbietende Mega-Jachten bestaunten. Und natürlich liefen wir auch eine Runde um die Sagrada Familia (vollständige katalanische Bezeichnung: Basílica i Temple Expiatori de la Sagrada Família, auf Deutsch: Basilika und Sühnetempel der Heiligen Familie) herum, jener von Antoni Gaudí entworfenen Kirche, an der seit 1882 gebaut wird. Derzeit geht man von einer Fertigstellung im Jahr 2035 aus. Allerdings ohne Gewähr.

Unterwegs in Barcelona © Nicole Isensee

Auch zum Park Güell verschlug es uns. Nur um auf der Anhöhung angekommen festzustellen, dass wir im Vorfeld ein Ticket zwecks Einlass hätten erwerben müssen und nun vor jeder Menge Schildern mit der Aufschrift »Sold out!« standen. Tja. Künstlerpech. Wir stiegen noch ein bisschen weiter den Berg hinauf und genossen auf einer Parkbank ganz in der Nähe dennoch eine fantastische Aussicht über diese enorm große Stadt. Unsere Wege innerhalb Barcelonas erledigten wir durchgängig zu Fuß. Weil wir, Ihr ahnt es bereits, Kilometer sammeln wollten. Am Stück Strecke zu machen, war uns dennoch nicht möglich; immer wieder mussten wir stehenbleiben und dies fotografieren, das bestaunen und alles mit jeder Menge Ooohs, Aaahs und »Ach, kucke mal!« zu kommentieren. Wer gerne in der Weltgeschichte unterwegs ist und seine Freude am Herumwundern hat, wird mit Barcelona mehr als nur gut bedient.

Unterwegs in Barcelona © Roman Jasiek

Am Vorabend traten wir die Rückreise an, immerhin wartete wieder eine einstündige Zugfahrt auf uns. Hier wurden wir Zeuge davon, dass auch beim ÖPNV in Barcelona Dinge aus den Fugen geraten konnten. Noch als wir den Bahnsteig erreichten, stieg uns ein Geruch von verbranntem Gummi in die Nase. Und tatsächlich: Auf unserem Gleis stand der eigentlich vorausfahrende Zug, aus dem dichter, grauer Qualm herausquoll. Wie diese Situation letztlich gelöst wurde, vermögen wir nicht zu sagen, da wir den Ort des Geschehens zügigst verließen, um weiter oben die Anzeigetafeln im Auge zu behalten. Auf Rauchvergiftungen aller Art hatten wir schlicht keine Lust.

Am Ende saßen wir eine gute Stunde später in einem ziemlich überfüllten Zug in Richtung Sitges, hatten aber eine via TooGoodToGo erstandene Tüte mit süßen Gebäckteilchen im Handgepäck, insofern alles gut. Den Abend in Sitges verbrachten wir, wie schon zuvor, mit einem neuerlichen Spaziergang, der bei uns daheim einer gemütlichen Hunderunde entsprochen hätte.

Unterwegs in Barcelona © Roman Jasiek

Barcelona, Tag 2

Den zweiten und leider auch schon wieder letzten Tag starteten wir damit, in einer der zahlreichen kleinen Gaststuben in Sitges eine dieser Baguette-Stangen mit Schinken zu frühstücken. Das ist einfach zu lecker gewesen! Anschließend machten wir eine ausgedehnte Spazierrunde durch Sitges. Und schon wieder haben wir es irgendwie geschafft, in ein Filmset hineinzulatschen. Ob das wohl irgendwie ein Zeichen ist, wa? Weiß man nicht so genau, aber in jedem Fall hatten wir die ersten zwei Stunden und rund 7 Kilometer auf den Beinen verbracht, ehe wir am späten Vormittag mit der Bahn in Richtung Barcelona aufbrachen.

Unterwegs in Sitges © Roman Jasiek

Unser Plan für den Tag sah vor, noch ein bisschen durch das gotische Viertel zu flanieren. Zu reizvoll sind einfach diese engen, schmalen und sehr hohen Gassen, die eine ganz eigene (Licht-)Stimmung verbreiten. Bisschen wie eine Welt innerhalb einer Welt, quasi. Außerdem auf unserer Marschroute: der Mercat de la Boquerìa (Mercat de Sant Josep), wo wir schon am Vortag einmal hindurchgeschlendert sind und einen frisch gepressten Obstsaft getrunken hatten. Austern für Nicole standen heute ganz weit oben auf der Wunschliste. Außerdem konnten wir beim nahegelegenen Dunkin’ Donuts unsere TooGoodToGo-Tüte abholen.

Unterwegs in Barcelona © Roman Jasiek

Auch ein bisschen Chillen am Strand, die Füße in den Sand stecken und die Seele für eine kleine Weile baumeln lassen, stand auf dem Zettel. Und so geschah es auch. Von den Austern (plus dem Seeigel) weiß Nicole zu berichten, dass sie nicht nur zu den größten, sondern auch zu den leckersten gehörten, die sie je probiert hat! Zwei Austern, der Seeigel, ein Becherchen Sekt und das alles für 12 Euro. Ich kann es nicht beurteilen, Nicoles Aussage nach aber war das ein gutes Angebot. Noch dazu inmitten eines der Touri-Hotspots von Barcelona überhaupt. Ich hatte im Nachgang jedenfalls eine sehr glückliche Genießerin an meiner Seite, die noch heute von diesem kulinarischen Erlebnis schwärmt.

Unterwegs in Barcelona © Nicole Isensee

Der Strand war sehr gut besucht. Das soll als wohlwollende Umschreibung dafür dienen, dass es proppevoll war! Dennoch fanden wir ein Plätzchen, wo wir uns niederlassen und einen Schluck mitgebrachten, spanischen Weißwein aus unseren bewährten Plastikweingläsern konsumieren konnten. Hach, das hat gut getan! Auf unserer Fußreise durch Barcelona machten wir ungeplant auch noch Halt im Parc de la Ciutadella, einer kleinen, grünen Oase inmitten der Betonwüste, die Barcelona manchmal sein kann.

Unterwegs in Barcelona © Nicole Isensee

Wir gestatteten uns einen Abstecher in die dortigen Gewächshäuser, erfreuten uns an dem vielen Grün und auch an der Tatsache, dass es durchaus Parkanlagen gibt, die schön und besuchenswert sind und kein Ticket bzw. Eintritt erfordern. Hier kann man es machen, wie ein Passant, an dem wir vorbeikamen, und sich mit einem Buch auf eine Bank inmitten des Gewächshauses niederlassen, und die Ruhe und das angenehm kühl-feuchte Klima genießen. Es war dies wieder eine dieser feinen, kleinen Entdeckungen, die wir schon so manches Mal machen konnten, einfach weil wir uns treiben ließen und noch ein paar Meter weiter, eine Straße später als ursprünglich intendiert, abgebogen waren. Möglichkeiten dafür gibt es in Barcelona unzählige.

Unterwegs in Barcelona © Nicole Isensee

Aufgrund der Erfahrung vom Vortag beschlossen wir, an diesem Tag ein wenig früher in das wunderschöne Sitges zurückzukehren und den Tag dort in aller Ruhe ausklingen zu lassen. Was wir auch taten, nicht jedoch ohne weitere Kilometer für Run Germany einzusammeln. Am Ende sind wir jeden Tag zwischen 20 und 30 Kilometer marschiert. Was in etwa unseren selbst gesetzten Zielen entsprach. Die Rückreise gestaltete sich ähnlich entspannt wie die Anreise, nur dass dieses Mal der Platz neben uns frei blieb. Enttäuschend war allenfalls, dass das Wetter in Deutschland noch immer nicht allzu viel mit Frühling zu tun hatte. Jedenfalls dann nicht, wenn man kürzlich den Vergleich zu Spanien ziehen konnte. Unter uns: Nicht nur das Wetter in Spanien hat uns besser gefallen. Auswandern kam uns als Tagträumerei ganz reizvoll vor.

Unterwegs in Sitges © Roman Jasiek

Abschließende Worte

Na, wie dem auch sei. Was wir mitgenommen haben, sind die Erinnerungen an zwei wundervolle Tage in zwei großartigen Städt(ch)en. Und damit möchte ich noch einmal die Schleife zurückdrehen zu der Eingangsfrage: Wenn Ihr wüsstet, dass der letzte Tag bevorsteht – wie würdet Ihr diesen verbringen? Und auch, wenn Ihr es nicht wüsstet: Könntet Ihr behaupten, die gegebene Zeit gut genutzt zu haben?

Unterwegs in Barcelona © Roman Jasiek

Mir und uns ist natürlich vollkommen klar, dass so eine Auszeit in einem anderen Land oft nicht möglich ist. Das soll auch gar nicht zur Untermauerung meiner Aussage dienen. Denn am vorangegangenen Wochenende haben wir eine gute Zeit mit lieben Menschen um uns herum an verschiedenen Osterfeuern verbringen dürfen. Oder, nach unserer Rückkehr, an einer Weinverkostung im Nachbardorf teilgenommen. Beides keine großen Sachen, eigentlich, und doch kostbar, wertvoll und sehr schön. Und damit möchte ich diesen Beitrag beenden.

Unterwegs in Barcelona © Nicole Isensee

Geht raus und füllt den Tag mit Dingen, die Euch Freude bereiten könn(t)en. Je dichter man an die Dinge heranzoomt, umso mehr kommen die schönen Dinge zum Vorschein und all der Quatsch, der in der Welt passiert, gerät dabei aus dem Fokus. Und noch etwas in diesem Zusammenhang: Streicht das Wörtchen »irgendwann« aus Eurem Wortschatz. Denn irgendwann ist irgendwann nur noch ein anderes Wort für nie (mehr).

Unterwegs in Barcelona © Nicole Isensee

Roman Jasiek

Hi, ich bin Roman! Ich bin ein Kind der 80er und schreibe seit Ende der 1990er-Jahre Dinge ins Internetz. Mein Herz schlägt für Musik, Comics, Collectibles, Essen, Reisen, Wandern und meine Lieblingsmenschen. Ich lebe und arbeite in Gardelegen.