Ich komme gerade zurück von meiner ersten Wanderung des neuen Jahres. Der Wintermarsch mit Nicole (oder wie wir in der Gang früher zu sagen pflegten: Windamarsch), quer durch die Winterwunderlandschaft des verschneiten (und ziemlich kalten) Magdeburgs. Gepflegte 15 Kilometer und im Prinzip der halbe Ultra-Walk in leicht abgewandelter Marschrichtung. Kalte, klare Luft, gegen Ende auch ein bisschen Sonne. Schön war’s. Und kalt. Schön kalt. Die heiße Dusche, nachdem wir wieder in die eigenen vier Wände eingekehrt waren, war selten so gut wie heute. Gleich geht es noch los, lecker Schnabulieren in Magdeburg. Eventuell tut sich nach Astería und Metaxa ein neuer Grieche auf, wer weiß?
Vorher möchte ich aber noch ein weiteres schönes Bild posten, das in jeder Hinsicht in Kontrast zum heutigen Ausflug durch die Schneelandschaft steht.
Aufgenommen wurde das Foto in Agadir, Marokko am 22. Oktober 2016, und wieder möchte ich es als Einladung verstanden wissen, Eure Gedanken auf Reisen zu schicken. Seinerzeit war ich mit drei weiteren Freunden auf einer Kreuzfahrt, die uns vom Mittelmeer zu den Kanaren und wieder zurück führte. 11 Tage waren wir damals unterwegs, zu viert in einer Balkonkabine. Ging besser, als es sich fernschriftlich vielleicht anhören mag. Falls Ihr Euch genauer zu diesem Abenteuer belesen möchtet – yours truly hat sich dazu geäußert.
Agadir hat mich auf ganz besondere Weise beeindruckt. Nicht nur, dass ich damals das erste Mal einen Fuß auf afrikanischen Boden gesetzt hatte, nö, auch die Stadt selbst verfügte über einen Charme, dem ich mich nur schwer widersetzen konnte.
Gegründet wurde Agadir 1505 von portugiesischen Seefahrern und erlebte seitdem eine wechselhafte, mitunter dramatische Geschichte. Am 29. Februar 1960 wurde die Stadt durch ein Erdbeben zu weiten Teilen zerstört, lediglich die historische Festungsanlage Kasbah blieb verschont – im Gegensatz zum 1. November 1755, als ebendiese ebenfalls durch ein Erdbeben verwüstet wurde. Viele Nationen haben in den 60ern beim Wiederaufbau geholfen, und irgendwie wirkt Agadir heute so, als sei mit dem Wiederaufbau der Stadt auch die Zeit stehengeblieben.
Plattenbauten, die direkt wie die in Magdeburg wirken, eine prunkvolle Moschee, ein noch in weiter Ferne sichtbares Riesenrad, ein gefühlt endlos langer Strand und das Motto Marokkos, „Gott, Vaterland, König“, das als leuchtende Inschrift auf einem Hügel über der Stadt den Nachthimmel erleuchtet. Alles passt irgendwie nicht zusammen und fasziniert vielleicht gerade auch deshalb.
Ich mag dieses Foto, weil es irgendwie das Gefühl, das Agadir mir vermittelte, ausdrückt. Stillstand in der Zeit, gleichzeitig Aufbruch, Moderne und der mit Worten kaum zu umschreibende Widerspruch aus Fremde und Vertrautheit. Wir hatten leider nur ein paar wenige Stunden in Agadir, aber seitdem hoffe ich, eines Tages dorthin zurückkehren und meine Gedanken und Eindrücke vertiefen zu können.
