Seit sechs Jahren gibt es nun das Blackfield Festival. Von mir gerne auch als das schnuckeligste Festival überhaupt betitelt, da es aufgrund seiner Flächen- und Besucherzahlengröße deutlich zu den kleinen und nicht zuletzt dadurch gemütlichsten Festivals überhaupt gehört. Seit sechs Jahren gurke ich nun Jahr für Jahr nach Gelsenkirchen, und jedes Mal bringe ich für Euch, die Ihr eventuell daheimgeblieben seid, Eindrücke mit. So auch dieses Mal. Genug der einleitenden Worte, es folgt ein gewohnt sehr persönlich gefärbter Bericht vom Blackfield Festival. Viel Spaß!
Es waren die üblichen Verdächtigen, die sich auf den Weg nach Gelsenkirchen machten: meine Wenigkeit sowie der Sideshowmick, quasi der Mann hinter der Kamera. Unterwegs gabelten wir noch Nic ein, um den kurzen Rutsch von etwa 340 Kilometern hinter uns zu bringen. Eine Strecke, die wir theoretisch in überschaubaren drei Stunden schaffen könnten. Könnten. Wir brauchten jedoch etwas länger, da die A2 aufgrund eines Verkehrsunfalls über Stunden komplett gesperrt war. Mein Dank geht an dieser Stelle an meinen Begleiter des letzten Jahres, Markus, der schon vorausgefahren war und uns noch rechtzeitig warnen konnte, ehe wir uns ans Stauende hätten stellen müssen. So wurde unsere Anreise nach Gelsenkirchen zu einem Roadtrip durch Mittelerde (hey, wir sind tatsächlich an einer Straße namens Bruchtal vorbeigekommen!), der dafür sorgte, dass uns irgendwann die Zeit im Nacken saß. Schließlich galt es, Nic zunächst im Hotel einchecken zu lassen und anschließend mit Kollege Neo zusammenzutreffen, um gemeinsam Richtung Gelände zu gurken.
Was lange währt, wird irgendwann gut. Wetter war zunächst mal leider nicht so geil, aber das kennt man ja im Rahmen des Blackfields nicht anders. Irgendwann regnet es immer. Dieses Mal war eben Freitag der wettertechnische Arschlochtag, kannste nix machen. Höchstens Bier trinken und sich nicht die Laune verderben lassen. Haben wir übrigens auch so gemacht. Am Gelände angekommen, guckte sich um, wer schon in den Vorjahren zu Gast war. Irgendwas war anders. Ach richtig: Der Mittelaltermarkt, der im Vorjahr noch auf dem Zeltplatz untergebracht war und einen großen Teil desselben für sich beanspruchte, befand sich nun draußen. Quasi zwischen Gelände und Parkplatz. Da Platz im Nordsternpark, wo das Amphi-Theater beheimatet ist, durchaus zu einem Problem werden kann, eine sehr sinnvolle und begrüßenswerte Entscheidung! Das kann so beibehalten werden. Zumal man sich so nicht erst durch den Eingang schieben muss, wenn einem der Sinn nach totem Tier oder lecker Metchen steht.
Ansonsten hat man sich in diesem Jahr nicht weiter verändert. Vor der Bühne waren wie eh und je die üblichen Fressbuden untergebracht, immer bunt gemixt mit den üblichen Ständen, an denen Konsumwillige ihr Geld für irgendwelchen Nippes verpulvern konnten. Zwischen dem Amphi-Theater und dem Eingang befand sich auch in diesem Jahr wieder die Cocktailbar und der, so ich nenne es mal, Biergarten. Sprich: Tische und Bänke, um in Ruhe speisen zu können oder mal mit dem Kopp auf den Tisch zu knallen, wenn er spontan schwer wurde. Auch das Partyzelt befand sich hier. Die Aufteilung hat sich in den letzten Jahren bewährt und verschafft Wiederkehrern dieses wohlige „wieder zu Hause“-Gefühl.
Ich kann mich nicht erinnern, ob ich es beim Blackfield Festival jemals zur allerersten Band geschafft habe. Irgendwas war bisher immer, das dies verhinderte. So auch dieses Mal. Erfreulicherweise schafften wir es aber zur zweiten Band und konnten noch eine Tasse Gerstensaft konsumieren. Kommen wir nun zur Manöverkritik der gesehenen Bands.
Freitag, 28. Juni 2013
Coppelius

Es gibt so Bands, da wirste irgendwie nie so richtig Fan von, freust Dich aber dennoch, wenn sie irgendwann irgendwo aufspielen, und nimmst sie mit. Coppelius ist eine dieser Bands. Die mag ich live echt total gerne, würde auch spontan zu einem Konzert anreisen, wenn eines in meiner Gegend stattfände. Von CD aber, da kicken mich Coppelius irgendwie nicht. Das ist für mich eine dieser Bands, die ich unter „geborene Live-Band“ verbuche. Die Meinung diesbezüglich wurde von den Herren von Coppelius hier einmal mehr untermauert. Spielfreudig wie immer kämpften sie gegen das gar nicht mal so gute Wetter an und schafften es, dem anwesenden Publikum Bewegung, wenigstens aber ein zufriedenes Lächeln zu entlocken. Meine Herren, ihr dürft gerne wieder nach Gelsenkirchen reisen, vielleicht dann mit einer dankbareren Platzierung im Spielplan.
Nach diesem vorzüglichen Auftritt machte sich bei mir und meiner Reisegruppe so langsam richtig Festivalstimmung breit. Gestärkt mit einer neuerlichen Hopfenkaltschale warteten wir gespannt auf die nächste Band.
Spetsnaz

Ach du liebe Zeit, ist es wirklich schon sechs Jahre her, dass ich Spetsnaz zuletzt in Gelsenkirchen gesehen habe? Dann wurde es aber wirklich wieder mal Zeit, oder? Pontus Stålberg und Stefan Nilsson hatten vor gar nicht so langer Zeit ein sensationelles Album (For Generations To Come) veröffentlicht, und daher war es auch nicht so richtig verwunderlich, dass sich die Setlist an Titeln aus ebendiesem bediente. Nun hatten Spetsnaz an diesem verregneten Freitagabend um 18 Uhr auch eine denkbar schlechte Position im Spielplan. Aber spätestens mit Apathy wurde es spontan um einige Grad Celsius in diesem Winkel Gelsenkirchens heißer. Mit ihrer auf das Wesentliche reduzierten Show schaffte es das Duo spielend, den tapfereren, bereits anwesenden Gästen ordentlich einzuheizen. Eine große Bühnenshow werden wir von Spetsnaz wohl nie zu sehen bekommen, ist aber auch gar nicht nötig. Körperbetonter Minimalismus mit einer ordentlichen Portion Pfeffer dahinter, um die Leute in Bewegung zu versetzen. Das war, das ist und das wird Spetsnaz immer gewesen sein. Meiner Reisegruppe und mir hat dieser Auftritt gut gefallen, wir kamen kurz sogar ins Schwitzen.
In Strict Confidence

Noch länger als das letzte Spetsnaz-Konzert lag mein letzter Besuch von In Strict Confidence zurück. Ich erinnere mich dunkel, sie irgendwann mal im Rahmen einer Rabenschwarzen Nacht im Braunschweiger Jolly Joker gesehen zu haben. Beides gibt es seit geraumer Zeit nicht mehr. Deshalb und aufgrund der Tatsache, dass mir die letzten beiden Alben aus dem Hause Ostermann richtig gut gefallen haben, war In Strict Confidence im Vorfeld eines der Highlights, auf das ich mich am meisten freute. Zufrieden kann ich Euch berichten: Ich wurde nicht enttäuscht, dieses Konzert gehörte in der Nachbetrachtung zu den Highlights des Festivals.
Dass sich Dennis Ostermann gerne mit schönen Frauen umgibt, ist ja offensichtlich. Gerade Haydee Sparks an der E-Gitarre (und später mit Flügelsfächern) und vor allem Nina de Lianin waren die definitiven Blickfänge des Festivals. Ab dem Moment, ab dem Nina auch auf die Bühne kam, um beispielsweise Morpheus vom aktuellen Album Utopia zu intonieren, schlugen zumindest direkt vor der Bühne etliche Herzen höher. Nina verdrehte in ihrem Latexdress wohl nicht nur mir und meinen Begleitern den Kopf. Ich würde einen Kasten Bier darauf verwetten, dass sie zu den meistfotografierten Motiven dieses Festivals gehörte. Da machte es auch nicht ganz so viel, dass bei der Show, die einen guten Überblick über das bisherige Schaffen bot, der Sound auf den Rängen nur noch verwaschen ankam. Soweit jedenfalls die Überlieferung, direkt vor der Bühne empfanden wir das als ganz angenehm. Fauxpas am Rande: Wir sind uns sicher, Nina wollte etwas Nettes sagen, als sie den Gästen erklärte, sie seien die schwarze Sonne für ISC. Ihr könnt Euch vorstellen, dass das für verblüffte Gesichter sorgte. Auch bei Twitter wurde das munter diskutiert. Kann halt im Eifer des Gefechts mal passieren. Unterm Strich: ein gelungenes Blackfield-Debüt, auch euch würden wir uns in Gelsenkirchen gerne wieder anschauen.
Deathstars

Die schwedischen Gothic-Metaller waren hier nicht zum ersten Mal in Gelsenkirchen zu Gast. Entsprechend souverän brachten sie ihren Auftritt auch über die Bühne. Es besteht kein Zweifel daran, dass die Deathstars ein extrem spielfreudiger Haufen Rampensäue sind, die stets mit 110 % Action nach vorn gehen. So war es auch dieses Mal. Einziger Haken an der Geschichte: Gerade mal drei Alben plus eine Best-of-Scheibe sind irgendwann nicht mehr so ergiebig. Sicherlich, andere Bands spielen auch oft nur eine Auswahl ihrer Publikumslieblinge, aber zumindest für mich war der Abnutzungseffekt hier schon relativ deutlich. Zurückblickend kann ich mich nur noch mit Mühe an dieses an Highlights irgendwie arme Konzert zurückerinnern. Und ich bin mir sicher, der gestiegene Bierkonsum hatte daran auf gar keinen Fall irgendeinen Anteil. Liebe Deathstars, kommt ihr dereinst erneut nach Gelsenkirchen, dann bringt doch mal bitte ein paar neue Lieder mit. Danke sehr.
Blutengel

Ich dachte ja, ich wäre meiner einstigen Einstiegsdroge in die Welt der Düstermucke inzwischen entwachsen. Was der Mann aus Berlin und seine immer weniger werdenden Damen zuletzt so ablieferten, kickte mich irgendwie wenig bis gar nicht. Doch dann kam Monument, das ich ziemlich gelungen fand, wie Ihr meiner Review entnehmen könnt. Und da man sich beim Blackfield ja nicht entscheiden muss, ob man sich nu diese oder jene Band anguckt, war die Entscheidung für Blutengel nicht so schwer zu treffen. Und irgendwie freute ich mich ja auch darauf. Leider war das Konzert, was Chris Pohl, Ulrike Goldmann und Gefolge präsentierten, gar nicht mal so gut. Meine Begleiter und ich, wir hatten alle das Gefühl, die Blutengel hätten keine sonderlich gute Laune gehabt.
Ebenfalls gar nicht mal so gut war der Umstand, dass ein Großteil der Setlist aus Stücken des aktuellen Albums Monument bestand. Das ist für ein Konzert im Rahmen einer entsprechenden Tour durchaus ok, auf einem Festival darf da aber gerne mehr geboten werden. Zumal Blutengel einige Kracher im Programm haben, die bei einer Live-Darbietung für gute Laune sorgen. Das einzige Highlight dieses Vortrages, an das ich mich bewusst erinnern kann, ist die klassisch dargebotene Version von Die With You. Hallo, Gothic meets Klassik. Allerdings, und das muss auch der letzte Neider zugeben, war das schon ziemlich kuhl. Die Zwischenansagen aus dem Hause Pohl hingegen sind ziemlich in die Hose gegangen. Vor allem den Gelsenkirchenern wird wohl die Frage, ob es sich bei Gelsenkirchen um ein Dorf oder eine Stadt handelt, länger im Gedächtnis bleiben. Lange Rede, gar kein Sinn: Blutengel haben wir, gerade und ganz besonders auf dem Blackfield, schon besser gesehen. Das war irgendwie nix.
Damit hatten wir den ersten Festivaltag hinter uns gebracht. Selbstverständlich ist nach der letzten Band des Tages natürlich noch lange nicht Schluss. Zur Aftershow-Party latschen und noch ein wenig herumzappeln, das war das Motto. Was wir auch taten, nicht jedoch ohne einen ausführlichen Umweg über den Parkplatz zu machen. Schließlich bunkerte im Kofferraum gutes Braunschweiger Büchsenbier in zahlreicher Darreichungsform. Und irgendwann muss man ja auch mal einen Schluck trinken, woll? Die Aftershow-Party selbst fand übrigens wie gehabt im Zelt statt und war dank der guten Arbeiten der verpflichteten DJs ein schöner Ausklang des ersten Tages.
Samstag, 29. Juni 2013
Genauso wenig wie ich es schaffe, pünktlich zur ersten Band des ersten Tages vor Ort und Stelle zu sein, schaffe ich es auch am zweiten oder dritten Tag nicht rechtzeitig hin. Selbst wenn ich zelte, ist das ein Phänomen, das sich alle Jahre wiederholt. Festivalberichterstattung fordert ihren Tribut. Wir haben den Vormittag genutzt, die ersten Fotos zu sichten und schon mal ins Netz zu pusten, daher konnten wir an den Konzerten der ersten drei Bands leider nicht partizipieren. Vor allem um Noyce™ und Formalin tut es mir leid. Solltet Ihr zugegen gewesen sein, könnt ihr ja in den Kommentaren erzählen, was wir verpasst haben.
Lord of the Lost

Für uns ging es los mit Lord of the Lost. Allerdings zugegebenermaßen nur so am Rande. Auch wenn der Auftritt von Chris Harms und seinen Gefolgsleuten durchaus fetzig war und die Rockerbande da auf der Bühne sympathisch herüberkam – der letzte Abend steckte irgendwie doch noch in den Knochen. Daher haben wir vor allem zunächst gegessen und getrunken und Lord of the Lost „so nebenbei“ mitgenommen. Die Leute vor der Bühne, die teilweise abgingen wie Zäpfchen, hatten jedoch sichtlich Spaß. Von dem, was wir so mitbekamen, ausgehend, hätten Lord of the Lost durchaus einen späteren Spielplatz bekommen dürfen und nicht so unmittelbar nach dem Aufstehen.
Merciful Nuns

Zugegeben: Die Merciful Nuns waren eine dieser Bands, die ich trotz exzessiven Musikkonsums bisher so überhaupt gar nicht auf dem Schirm hatte. Allein aber die Ansage von Blackfield-Stammmoderator Jens (X-Divide), die Band würde im Vorprogramm der kommenden Fields Of The Nephilim Tour aufspielen, machte mich neugierig. Zunächst betraten nur Nils Herbig an der Gitarre und Jawa Seth am Bass, beide mit Sonnenbrille und langen, schwarzen Mänteln bekleidet, die Bühne. Die Drums wurden eingespielt. Auf der Bühne befand sich ein Monitor, über den der komplette Gesangsbeitrag von Artaud Seth abgewickelt wurde.
Dieser kam erst beim zweiten Song auf die Bühne. Auch komplett in Schwarz, auch mit Sonnenbrille. Das ganze Gehabe, der komplette in puncto Action sehr fein dosierte Auftritt war so dermaßen cool, dass sich schnell das Gefühl einstellte, es würde in Kürze hinter dem Trio zu schneien anfangen. Der mächtige, drückend düstere Gothic Rock, den die Truppe hier ablieferte, besorgte den Rest. Hat mir sehr gut gefallen, dieser Auftritt hier, und war nicht nur für mich eine der großen Überraschungen dieses Festivals. Merciful Nuns? Gerne wieder. Und falls es Euch so geht wie mir: Nehmt sie mal mit auf den Schirm, wenn Ihr Euch für Düsterrock begeistern könnt. Lohnt sich.
[:SITD:]

Carsten, Tom und Francesco habe ich inzwischen gefühlt auch schon 100 Mal irgendwo live gesehen. Und auch wenn man argumentieren könnte, dass sich doch so langsam eine Sättigung eingestellt haben müsste, wie es etwa bei den Deathstars der Fall ist, so zieht es mich doch immer wieder zu einem [:SITD:]-Konzert hin. Warum? Aus dem einfachen Grunde, weil es das Trio versteht, ein Konzert zu einer fetten Party werden zu lassen. Vor allem dann, wenn es sich wie in diesem Fall wieder um ein Heimspiel handelt. Es war sehr deutlich zu sehen, dass erst mit dem Auftritt von [:SITD:] die Müdigkeit des Vortages aus den Knochen der Besucher geschüttelt wurde. Vorher (und selten danach) wurde hier richtig gefeiert, selbst auf den Rängen war endlich überwiegend Bewegung zu verzeichnen. [:SITD:] hatten Spaß, das Publikum auch. Klar, wenn man die Leute gleich mit dem Klassiker Snuff Machinery empfängt, kann man ja auch nur noch gewinnen. Und eine hübsche Überraschung gab es auch noch. Normalerweise ist es ja so, dass Tom Stücke wie Suffering in Solitude anstimmt, sobald ihm von Carsten das Mikro und die Bühne überlassen wird. Dieses Mal jedoch war es eine schicke Live-Coverversion des Editors-Klassikers Papillon Boah, das hat gesessen! Heilige Magendarmendmoräne, war das geil! Herrschaften, Eure Version zum Mitnehmen für zu Hause, das wäre es noch. Geht das? Ja? Ja?
Abschließend kann ich hier nur einmal mehr attestieren: [:SITD:] sind ein sicherer Garant für eine tolle Party und nach wie vor das beste Mittel gegen Festival-Hangover. Bis zum nächsten Mal, Jungs.
Zeromancer
Leider gehörten die Norweger, die hier ebenfalls nicht zum ersten Mal aufspielten, auch zu den Bands, die wir nur aus der Entfernung gehört haben. Mick, Neo und ich waren in der Zeit mehr damit beschäftigt, mit Marc von The Saint Paul (sehr, sehr empfehlenswerte Band übrigens!) Bierchen zu trinken und über Musik zu philosophieren. Jeder, der schon mal auf einem Festival unterwegs war, wird bestätigen können, dass die Bands irgendwann zu einer Nebensache mutieren. Stattdessen rücken das Wiedersehen von Freunden und Bekannten sowie das Kennenlernen neuer Menschen in den Vordergrund. Und das ist hier geschehen. Das war mein persönliches, stilles Highlight dieses Festivals. Irgendwann zog es uns jedoch zurück zur Bühne, wo Samsas Traum gerade dabei waren, die Massen zu mobilisieren.
Samsas Traum

Ich muss gestehen, mit dem Tun Alex Kaschtes verbindet mich so eine Art Hassliebe. Musikalisch bin ich Fan seiner früheren Werke (bis zu Tineoidea, A.ura gerade noch so), live war das noch nie so meine Baustelle. Aber Vorurteile sollen ja gepflegt werden, daher fand ich mich dann doch vor der Bühne wieder. Es bekam dem Konzert sehr gut, dass sich auch so manch älteres Stück in der Setlist wiederfand. Noch besser jedoch war der Umstand, dass Kaschte nicht nur das Publikum im Griff hatte (spontane Polonaise inbegriffen) wie keine andere Band dieses Festivals, sondern er auch nicht zu knapp mit selbstironischen Ansagen gespart hatte. Unvergessen bleiben wird wohl das Hochhalten des T-Shirts mit der Aufschrift „Ich hasse Alexander Kaschte. Der Typ labert nur Scheiße“.
Erwähnenswert ist noch das Duett mit Vic Anselmo, die hier schon wie auf dem Album Asen'ka ihre Stimme als Unterstützung zur Verfügung stellte. Die Summe aller Bestandteile lässt mich zurückblicken und denken: Jepp, das war sensationell, Herr Kaschte. Respekt. Zudem war es die einzige Band, bei der ich Rufe nach Zugabe mitbekommen habe.
Project Pitchfork

So langsam wurde es dann aber auch mal Zeit für den ersten Headliner des heutigen Tages: Project Pitchfork. Peter Spilles, Scheubi und Co. waren gerade erst von einer Tour durch die Vereinigten Staaten zurückgekehrt, um nun ohne große Pause einmal mehr das Blackfield Festival zu beschallen. Wer mich kennt, weiß, dass Pitchfork wohl nicht mehr zu meinen Lieblingsbands gehören wird, auch wenn ich die letzten Alben durchaus gefällig und die Konzerte jedes Mal mächtig finde. Mächtig ist in diesem Fall übrigens auch das Wort der Stunde, denn für ihren Auftritt hier haben sich gleich mal 3 Drumsets auf die Bühne gekachelt. Schalldruck ist Macht!
Gut gelaunt spielten sie einen Mix aus alten und neuen Stücken. Neben Klassikern wie Timekiller oder Steelrose waren es auch und vor allem die neueren Sachen wie Endless Infinity, The Queen Of Time And Spac“ und natürlich das sensationell gute Rain, die die Menschen hier mobilisierten und es zu einer fetzigen Party in der untergehenden Abendsonne werden ließen. Wie gesagt, meine Lieblingsband wird Pitchfork nicht mehr, eine immer wieder gerne gesehene Live-Band sind sie inzwischen aber durchaus geworden. Das war ein ziemlich cooles Konzert. Rückblickend betrachtet waren Project Pitchfork der eigentliche Headliner dieses Tages. Vielleicht sogar des gesamten Festivals.
Uns zog es nach einigem Getümmel über das Gelände wieder ins Partyzelt. Hier war deutlich zu sehen, dass wir es bereits mit dem zweiten Abend zu tun hatten, die Anzahl der Gäste war im Vergleich zum Vorabend doch deutlich überschaubarer. Ehrlich gesagt hielten wir aber auch nicht mehr allzu lange aus. Man wird halt nicht jünger.
Sonntag, 30. Juni 2013
Es überrascht Euch nicht, dass wir es auch am Sonntag nicht pünktlich zu den ersten Bands schafften, oder? Tatsächlich waren es an diesem Sonntag gleich die ersten vier, die aus … äh … Gründen dem Rotstift zum Opfer fielen.
Neuroticfish

Pünktlich zu Neuroticfish jedoch waren wir vor Ort, um uns mit dieser geschmeidigen FuturePop-Mucke wachmachen zu lassen. Für den Bochumer Sascha Mario Klein, die Musik und die Stimme von Neuroticfish, war es ja quasi auch beinahe ein Heimspiel. Eines, das er sichtlich genossen hat, auch wenn sein Lieblingswort in den Zwischenansagen immer irgendwie „Scheiß“ oder „Scheiße“ gewesen zu sein scheint. Na ja, kann man mal machen. Musikalisch wurden natürlich vorwiegend olle Kamellen geboten. Die allerdings funktionieren auch heute noch erstaunlich gut. Bei Stücken wie The Bomb oder Suffocation Right muss man einfach zappeln. Genauso übrigens wie bei dem neuen Stück Illusion Of Home“ Lange Rede, gar kein Sinn: Neuroticfish war cool, hoffentlich sieht man euch jetzt wieder öfter.
Fixmer/McCarthy

Irgendwo früher in diesem wie gewohnt kurz gefassten Festivalbericht habe ich schon mal Marc von The Saint Paul erwähnt, der mir im Vorfeld erklärte, Fixmer/McCarthy seien für ihn das eigentliche Highlight dieses Festivals. Ich kann mich erinnern, Terence Fixmer und Douglas McCarthy irgendwann irgendwo schon mal gesehen zu haben, hatte jedoch keine wirkliche Erinnerung mehr daran. Nach der Show auf dem diesjährigen Blackfield ist mir aber sehr klar, warum das vom The Saint Paul-Musiker im Vorfeld so angehimmelt wurde. Meine Fresse, war das ein heftig geiles Konzert! Die minimalistischen, elektronischen Beats von Fixmer, der Gesang bzw. das Geshoute und die Bühnenpräsenz von McCarthy – das war nicht weniger als episch und im Hinblick auf die Konzerte dieses Festivals der ganz klare Gewinner.
Ob nu Got Plenty, Destroy, Banging Down Your Door oder You Want It – mir fallen spontan keine Superlative mehr ein, um dieses Ereignis zu beschreiben. Schade nur, dass die Besucherzahl vor allem auch vor der Bühne irgendwie ziemlich überschaubar ausgefallen ist. Sollten Fixmer und McCarthy mal in Eurer Nähe Station machen – unbedingt angucken! So geht EBM.
Rotersand

Ha, endlich hat es mal geklappt, Rotersand zu gucken. Die Musik der Band höre und schätze ich schon eine ganze Weile, in Bezug auf ein Konzert kam immer irgendwas dazwischen. Sei es nun, dass ich ihren Auftritt auf dem Blackfield 2009 meine Kontaktlinse suchend vom Zeltplatz aus gehört habe oder die Auftritte der Band aufgrund gesundheitlicher Probleme von Sänger Rascal ausgefallen oder verschoben wurden. Krischan und Rasc taten gar nicht erst so, als würde irgendwas von der Musik live eingespielt werden. Vielmehr betätigte sich Krischan vornehmlich als DJ, während Rasc mit tollem Gesang seine Qualitäten als Entertainer unter Beweis stellte. Rotersand hatten ganz offensichtlich mehr als Bock, für die Gäste zu spielen. Es war ihnen deutlich anzusehen, dass es für sie die reinste Wohltat war, hier in Gelsenkirchen auf der Bühne zu stehen und mit dem Publikum zu feiern. So kam es immer wieder zu magischen Momenten.
Dieses Rotersand-Konzert war auch das einzige, das mir eine wohlige Gänsehaut bescherte. Dass sich Künstler auf der Bühne Bier hinter die Binde kippen oder wie im Falle Krischans mal eben ’ne Kippe durchziehen, ist ja nichts Ungewöhnliches. Aber wie Rasc einfach mal eine Banane zu futtern, das ist neu. Auch, wenn es möglicherweise der Regulierung des Blutzuckers wegen passierte, ein bemerkenswerter Anblick war es dennoch. Jepp, jepp, jepp, das war definitiv ein richtig gutes Konzert. Sehr gerne wieder, dann vielleicht auch mit neuem Material?
Staubkind

Die Berliner Rockband um Louis Manke war ebenfalls eine der Bands, auf die ich mich im Vorfeld am meisten freute. Auch wenn die Truppe inzwischen große Spielstädten füllt, haben sie es doch geschafft, authentisch und, viel wichtiger, sympathisch zu bleiben. 12 Songs spielten sie, darunter unter anderem Nur ein Tag, Dein Engel schweigt oder Königin, stets eingeleitet von ein paar Worten von Louis. Um eine lange Rede kurz zu machen: Wer sich für ehrliche, gefühlvolle und handgemachte Rockmusik begeistern kann, kommt um die Staubkinder nicht herum. Live schon gar nicht. Und so war auch der zweite Auftritt der Berliner auf einem Blackfield Festival ein tolles Erlebnis, das die vorherige Vorfreude rechtfertigte. Danke, Louis und Co., das war schön.
Mono Inc.

Schon während des Staubkind-Konzertes machte sich bemerkbar, dass die Festivaltage in Bezug auf die eigene Fitness so langsam ihren Tribut forderten. So saßen meine Begleiter und ich irgendwann am oberen Rand der Tribüne herum, um uns das folgende Spektakel – Mono Inc. – in einiger Entfernung, dafür aber endlich sitzend anzugucken. Mono Inc., das dürfte sich inzwischen herumgesprochen haben, sind auch eine sichere Bank für unterhaltsame Konzerte mit Partyfaktor. So auch dieses Mal. Die Hamburger verstehen es einfach, das Publikum nach ihren Wünschen zu lenken.
Neben Symphony Of Pain oder dem fiesen, fiesen Ohrwurm Voices Of Doom befand sich auch das neue Stück Heile, Heile Segen in der Setlist. Das und die Weltpremiere von Kein Weg zu weit, das ein Duett mit Joachim Witt darstellt. Um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, war ebendieser als Gastmusiker auch in Gelsenkirchen zugegen! Als Witt zusammen mit einem Mädchenchor die Bühne betrat, um mit Martin Engler um die Wette zu trällern, war das so ein wenig der Wow-Moment dieses Festivals.
Mit dem Ende des Mono Inc.-Vortrags ging für mich auch das Blackfield Festival zu Ende. An Eisbrecher hatte ich nach wie vor kein Interesse, daher hieß es, noch ein letztes Mal beim Currywurst-Männ einzukehren, noch ein bisschen Taschengeld für T-Shirts und CDs auf den Kopp zu hauen und anschließend todmüde, aber ansonsten rundherum zufrieden die Heimreise anzutreten.
Abschließende Worte
Ich glaube, ich habe es irgendwo in diesem Artikel schon einmal erwähnt: von Anfang an bin ich Stammgast auf dem Blackfield. Auch 2013 gab es so viele tolle, manchmal fast schon magische Momente, dass mein Entschluss für 2014 nur sein kann: jeppa, auch nächstes Jahr bin ich wieder dabei. Übrigens: Das Genörgel bezüglich der Getränke- und Speisepreise, das ich vor allem bei Facebook gelesen habe, kann ich nicht so richtig nachvollziehen. 3,50 € für einen Becher Bier plus Pfand finde ich zwar nicht günstig, aber eben auch nicht übermäßig teuer. In diesem Punkt bewegt sich das Blackfield in meinen Augen im Mittelfeld. Über die Auswahl der dargebotenen Speisen dürfte es wohl auch nichts zu meckern geben, wobei ich aber ehrlich gestehen muss, dass ich nicht beurteilen kann, wie die Auswahl für Vegetarier usw. aussieht. Da habe ich nicht so sonderlich drauf geachtet, da ich vor allem am Currywurst-Stand hängen geblieben bin. Hey, ich bin Berliner, ich MUSS da hin, das seht Ihr doch wohl ein?
Einziges Dilemma ist einmal mehr die Toilettensituation. Liebes Blackfield-Team, da müsst Ihr dringend nachbessern! Nicht nur, dass ich in diesem Jahr nur wenige Dixies (von Euch liebevoll Donnerbalken genannt) erspäht habe, jedenfalls dann, wenn man nicht Zugang zum Zeltplatz hat, nö, größtes No-Go sind die VIP-Klos. Ich habe auf dem Herrenklo gerade mal 4 befestige Schüsseln gezählt, auf denen irgendwann wohl mehr Frauen als Männer unterwegs waren. Ganz unter uns: VIP werden, nur damit man den Darm entleeren kann? Hallo? Erde an Blackfield? Wenigstens der Schacht, liebe Freunde, soll, kann und darf kein VIP-Luxus sein! Von mir aus stellt Münzautomaten hin, um die Reinigung selbiger zu refinanzieren, mir egal. Aber wenn mich Montezumas Rache trifft, dann möchte ich nicht verknoteten Beines vor einer der vier Schüsseln warten und schwitzen müssen, weil 5 von 7 Leuten vor mir in der Schlange dem oppositionellen Geschlecht angehören und hier herumstehen, weil die Situation auf dem Damenklo keine bessere ist.
Ebenfalls nicht so richtig nachvollziehen kann ich das mancherorts gehörte Genörgel bezüglich des Line-ups. Ich würde jetzt spontan unterstellen wollen, dass viele von Euch nicht das erste Mal auf ein Konzert oder ein Festival gurken und somit viele Bands schon mehrmals gesehen haben. Stellt sich da nicht automatisch eine Art „Sättigungsgefühl“ ein? Ist nicht das große Plus des Blackfields, aufgrund nur einer Bühne sich mal entspannt mit dem Hintern auf die Stufen des Amphi-Theaters zu hocken und einfach mal Neues zu entdecken? Dass wir irgendwann, vor allem bei mehrmaliger Anreise, die immer gleichen Bands zu sehen bekommen, liegt wohl in der Natur der Sache. Wie kaum ein zweites ist für mich das Blackfield DAS Festival, zu dem ich fahre, um entspannt zu feiern und neue Bands kennenzulernen, die ich bis dahin so gar nicht auf dem Schirm hatte. 2013 gab es erneut genug Überraschungsmomente, auch 2014 wird es nicht anders sein.
Daher ist mein abschließender Kommentar zum Blackfield: Seid Ihr schon einmal vor Ort gewesen, dann lasst Euch vor allem von der extrem entspannten und familiären Atmosphäre zur Rückkehr bewegen und nicht so sehr von den Fraggles, die sich auf der Bühne die Seele aus dem Leibe spielen. Seid Ihr hingegen noch niemals auf dem Blackfield gewesen: Leute, gebt Gelsenkirchen eine Chance! Ich habe in diesem Jahr wieder beobachten können, wie dieses kleine, schnuckelige Festival die Herzen von Erstbesuchern für sich im Sturm erobert hat. In diesem Sinne: Wir sehen uns 2014 auf Schalke, wa?