> ## Content Index
> Fetch the complete content index at: https://www.romanjasiek.de/llms.txt
> Use this file to discover other available public pages before exploring further.

# „Wir liefern etwas, in dem man sich aufhalten kann“: Geister von GLORIA
- URL: https://www.romanjasiek.de/wir-liefern-etwas-in-dem-man-sich-aufhalten-kann-geister-von-gloria/
- Published: 2015-08-03T09:00:00.000Z
- Updated: 2026-09-05T08:41:18.000Z
- Author: Roman Jasiek
- Tags: Musik, #GLORIA, #GrönlandRecords, #arweave-txid-MOo8HJ0Fg3ZBJ69MEnhWm1PVRjm6J0b-b59LABrh-rA, #arweave-hash-c5e92a45076a8735

Jetzt mal ehrlich: Als im Jahre 2013 bekannt wurde, dass sich **Wir sind Helden-Gitarrist Mark Tavassol** mit Fernsehclown **Klaas Heufer-Umlauf** zusammengetan hatte, um gemeinsam Musik zu machen – wer hätte denn da vermutet, dass mit [**GLORIA**](https://www.romanjasiek.de/bodenstandig-und-ehrlich-gloria-klaas-heufer-umlauf-mark-tavassol/) so eine Wucht in Tüten auf die Musikwelt losgelassen werden würde? Dass in **Klaas** ein solch begnadeter Texter und Sänger steckt und er sich mit **Mark** musikalisch so gut ergänzt? Dass das gleichnamige Debütalbum **GLORIAs** zu einem Top-Album des Jahres 2013 avanciert und von Presse und Konsumierenden gleichermaßen umjubelt wird?

Ich gebe zu: Ich hätte das damals nie und nimmer nicht vermutet, war dann aber umso angenehmer überrascht. Knapp zwei Jahre später veröffentlicht das Duo mit **Geister** sein mit höchster Spannung erwartetes Nachfolgewerk. Erwartungen, Leistungsdruck – scheinbar alles kein Problem für **GLORIA**, die ganz spielend noch eins obendraufsetzen. Vorhang auf für **GLORIAs** **Geister**!

Kaum dass die ersten Töne vom Opener **Heilige und Hunde** das Ohr erreichen, einem Stück, das sich mit blindem Gehorsam befasst, wird eines schnell sehr klar: Die Welt von **GLORIA** hat sich weiterbewegt. Über dem ganzen Album liegt eine Ernsthaftigkeit, eine Schwere, die **Geister** wie ein deutliches Kontrastprogramm zum Debütalbum wirken lässt. Das Unbeschwerte, das Leichtfüßige – es ist ernsteren Themen, noch eindringlicherem und gefühlvollerem Gesang und weitgehend ruhigeren, melancholischer wirkenden Arrangements gewichen. Ohne dabei erdrückend schwer geworden zu sein. Tanzten **GLORIA** auf dem Debüt noch auf den Dächern, so sind sie nun wie Beobachter, die Leute beim Tanz auf dem Dach skizzieren. Mit der milden Güte der Lebenserfahrung, die es einfach überflüssig macht, manches noch selbst ausleben zu müssen. Ohne die Notwendigkeit, ihre Beobachtungen mit erhobenem Zeigefinger hinausposaunen zu müssen.

**Stolpersteine** beispielsweise positioniert das Duo als behutsame Ballade gegen das Vergessen und Leugnen. Sie ummanteln ihre Botschaften mit bildhaften Metaphern, doch: Wer wachen Geistes durch das Leben wandert, wird sie empfangen. Wer nicht… Nun, diese Person wird sich vom Titelstück **Geister** vermutlich auch nicht ertappt fühlen, wenn **GLORIA** unreflektiertes Denken und Handeln sowie das Nacheifern falscher Ideale thematisieren.

**John Lennon** wird das Zitat zugeordnet, Leben sei das, was passiert, während man sich mit anderen Plänen beschäftigt. **GLORIA** machten einen Song aus diesem Sinnspruch. **Das, was passiert**. Und genau so ist es doch. Wie oft rennen wir diesem oder jenem hinterher und das Schicksal macht einen Strich durch die Rechnung? Stets dann, wenn man es am wenigsten erwartet. Ganz gleich, ob das nun gut oder schlecht ist. Oh, und haben wir nicht alle schon mal davon geträumt, neu anfangen zu können? Entweder irgendwo, wo uns niemand kennt? Oder vielleicht gleich das ganze Leben rebooten? Welchen Preis wäre man bereit, dafür zu zahlen? Eine der vielen Fragen dieses Albums, die in **Neu beginnen** gestellt werden. Wie gesagt – Metaphern. Das Album ist voll damit, was es theoretisch ermöglicht, die vorgegebenen Pfade auch mal zu verlassen und den eigenen Gedankenwegen zu folgen.

Ob das hier alles so gewollt war oder ob sich die ernstere Ausrichtung einfach so ergeben hat, bedingt durch Erfahrung und Entwicklung, entzieht sich meiner Kenntnis. Musikalisch zollen **GLORIA** dieser Entwicklung indes durch sanftere, gefühlvollere und liebevollere Arrangements Tribut. Im direkten Vergleich ist das Erstlingswerk das Album, das man beschwingt tagsüber hört. Die **Geister** hingegen, die kommen besser in den Abendstunden zur Geltung. Wenn man Zeit und Möglichkeit hat, über verschiedenste Dinge zu sinnieren. Erstaunlich, wie gut sich die beiden Alben ergänzen. Erstaunlicher, wie ganz hervorragend **GLORIA** die Abendgarderobe steht.

Im Zuge der Veröffentlichung von **Geister** wird **Klaas** wie folgt zitiert: „Wir liefern etwas, in dem man sich aufhalten kann. Ein Lied sollte einem das Gefühl geben, für seine Dauer ganz darin eintauchen zu können. So etwas wollen wir den Leuten bringen.“

Und wie sie liefern. Oh ja!

Elf Songs sind es, in denen man versinken kann. Ja, eigentlich sogar zwingend möchte, nur um die Gefühle zu bewahren. Immer und immer wieder. Ohne dass dabei auch nur ein einziger Song übersprungen werden müsste. Jeder einzelne Titel dieses Albums ist von solch herausragender Güte, dass man fast ein bisschen weinen möchte vor Glück, etwas derart Schönes hören zu dürfen. Alleine diese vielschichtigen Arrangements, die dank der luftigen Produktion viel Raum zum Atmen haben. In einer Welt, wo alles dank Loudness immer gleichförmiger wird, ein wahrer Segen.

Wer bezüglich **Gloria** einschlägige Suchmaschinen bemüht, findet oftmals zunächst einen Feuerlöscherhersteller. Oder einen Anbieter von Essen auf Rädern. Deshalb ergänzt **Mark Klaas’** Aussage folgendermaßen: „Musik ist aber keine Dienstleistung und muss selbstbewusst ihren Platz behaupten können … Ein Feuerlöscher ist im Ernstfall immer wichtiger als ein Song. Trotzdem scheinen die Menschen Musik für ihr Leben zu brauchen.“

Wie sehr er damit ins Schwarze getroffen hat, wird einem bewusst, wenn die letzten Töne dieses Albums verklungen sind und man noch in Gedanken beim Gehörten und dessen gemalten Bildern verweilt. Musik, wie sie **GLORIA** hier geschaffen haben, ist vielleicht nicht lebensnotwendig. Jedenfalls nicht so wie Essen, Trinken und Atmen. Aber sie wertet das Leben durch die erzeugten Gedanken und Gefühle, als Begleiter in verschiedensten Momenten, zweifellos auf. Macht es vielleicht sogar ein kleines Stück lebenswerter, da Musik immer auch eine gute Freundin sein kann, die da ist, wenn sie gebraucht wird. **GLORIA** kann fortan immer da sein. Von mir aus als Feuerlöscher, von mir aus auch als Essen auf Rädern. Aber bitte ganz unbedingt als ständiger Gefährte auf der steinigen Straße des Lebens. Ein größeres, dankbareres Kompliment kann ich einer Band oder einem Album gegenüber nicht machen.

Um **Geister** abschließend wirklich gut beschreiben zu können, müssen wir uns kurz mit dem Wort **Geister** selbst beschäftigen. Es leitet sich vom mittelhochdeutschen geist ab und meint in seiner ursprünglichen Bedeutung so viel wie Erregung. Oder Ergriffenheit. Und das, liebe Leute, passt wie die Faust aufs Auge. Beim ersten Hören war ich so ergriffen von diesen Geistern, dass ich es kaum in Worte fassen kann – und ich bin echt selten um Buchstaben verlegen. Was **Klaas Heufer-Umlauf** und **Mark Tavassol** mit ihrem Zweitalbum geschaffen haben, ist nicht einfach „nur“ ein weiteres Album, das auf den Markt geschmissen wird in der Hoffnung auf ein paar Taler Umsatz. Es gehört zu den absolut schönsten Alben, die ich jemals hören durfte. Die Wirkung aus Musik, Text und transportierter Stimmung wird wohl nicht nur mich so manches Mal ergriffen innehalten lassen … **Geister** gehört zu den größten Highlights des Jahres 2015! Zwar ist das Jahr noch nicht vorbei und ein paar potentielle Knüller stehen uns noch bevor. Irgendwie beschleicht mich aber dennoch das Gefühl, dass die Krone womöglich schon vergeben wurde.

![](https://storage.ghost.io/c/90/34/9034555f-2939-4c04-8b42-89dcff4387d3/content/images/2025/10/gloriasgeister.jpg)

© Grönland Records