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# What If …? Was wäre, wenn …? Dunkle Parallelen, oder: Schlechte Ideen, mangelhaft ausgeführt. Der Aufreger der Woche.
- URL: https://www.romanjasiek.de/what-if-was-ware-wenn-dunkle-parallelen-oder-schlechte-ideen-mangelhaft-ausgefuhrt-der-aufreger-der-woche/
- Published: 2024-06-16T12:20:00.000Z
- Updated: 2026-09-05T08:36:21.000Z
- Author: Roman Jasiek
- Tags: Comics, #Marvel, #MCU, #WhatIf, #Dracula, #Spider-Man, #Venom, #TheFantasticFour, #Loki, #Thor, #arweave-txid-YRcuCg8CiDDpM83PQxs1dxXZ7ogSSGmzNoTwtZ_EgXI, #arweave-hash-84d4a367687ca223

Was wäre, wenn …? Ich gehe jede Wette ein, dass diese Frage zu den häufigsten Gedankenspielen überhaupt gehört. Darüber nachzudenken, was wohl gewesen wäre, wenn das Leben sich in diese oder jene Richtung entwickelt hätte, man diese anstelle jener Entscheidung getroffen hätte – all das ist mal mehr, mal weniger befriedigend.

Zumal: Wenn und hätte und so weiter … der amerikanische Comicverlag **Marvel**, auch Haus der Ideen genannt, geht dieser Frage scheinbar in schöner Regelmäßigkeit nach. Und zwar so sehr, dass es inzwischen sogar schon für zwei Staffeln einer **What if…?** genannten Animationsserie bei **Disney+** gereicht hat. Aber auch in gedruckter Form wird dieser Frage nachgegangen. Heute möchte ich wieder einen Comic aus meinem Backlog abarbeiten und mit Euch einen Blick auf **What if? Was wäre, wenn … Dunkle Parallelen**, erschienen im Mai 2024 im **Panini Verlag**, werfen. Die Frage „Ist das Kunst oder kann das weg“ könnte ich eigentlich jetzt schon beantworten.

Wie Ihr vermutlich schon angenommen habt, ist dieser rund 200 Seiten umfassende Comic eine Sammlung von in sich geschlossenen Geschichten. Weder haben sie irgendeine Auswirkung auf irgendeine Kontinuität oder irgendeinen Kanon, noch – und damit kommt schon die erste Klatsche – haben sie das Zeug, längerfristig im Gedächtnis zu bleiben. Doch was geht ab?

In einer der Storys gelingt es dem ewigen Trickser **Loki**, seinen Halbbruder **Thor** zu töten und dessen Hammer an sich zu reißen. Im weiteren Verlauf der Handlung versucht der Trickser, jetzt mit unfassbarer Macht ausgestattet, seinem Göttervater **Odin** das Licht auszuknipsen. Gelingt ihm auch. Aber anstatt nun siegestaumelnd über Asgard und alle weiteren Welten zu herrschen, hat die Blitzbirne eine Reihe von Ereignissen in Gang gesetzt, die er nicht mehr kontrollieren kann. Und an deren Ende nicht weniger passiert als das Ende von allem. Alle Lichter aus, quasi.

In einer anderen Story lässt sich **Ben Grimm** von den **Fanstastic Four** von dem außerirdischen Symbionten verführen, den wir als **Venom** sonst meist in Personalunion mit **Eddie Brock** durch die Straßenschluchten New Yorks hetzen sehen. Hier aber ist es **Grimm**, der sich einlullen lässt – nur um sich dann vom **Lizard** in eine Falle locken zu lassen. Was bedeutet, dass der Symbiont einmal mehr seinen Wirt wechselt. Hat ein bisschen was von einer **Venomverse-Geschicht**e, diese ganze Bude, ist aber so haarsträubend, dass ich manchmal denke, das hätte auch ein Sechstklässler geschrieben haben können. Leider ein Eindruck, den ich während der Lektüre dieses Comics so manches Mal gewonnen habe.

Gut gefallen hat mir die Geschichte mit **Gwen Stacy**, der ersten großen Liebe von **Spider-Man Peter Parker**. Nur dass es ihm in der bekannten Fassung nicht gelungen ist, **Gwen** vor dem **Grünen Kobold** zu retten und er mit ansehen muss, wie sie in den Tod stürzt. Hier ist es andersherum. **Peter** kann **Gwen** retten, zahlt diesen Einsatz aber mit seinem Leben. Getrieben von dem Wunsch nach Rache, lockt **Gwen**, unterstützt von **Harry Osborne**, im Verlauf der Handlung den **Kobold** in eine Falle. Und sie muss auf dramatische Weise lernen, dass nichts Gutes entstehen kann, wenn man von blinder Wut und der Gier nach Vergeltung getrieben ist.

Leider war diese Story das einzige Highlight. Die abschließende Geschichte, in welcher sich **Dracula** und der Vampirjäger **Blade** gegenüberstehen, ist auch eher zum Fremdschämen. Eindimensionale Charakterzeichnungen, überhaupt keine Logik und eine Handlung so löchrig, dass Schweizer Käse im Vergleich dazu bestens geeignet wäre, als Vorhang Räume abzudunkeln.

Bedauerlicherweise trösten auch die Zeichnungen in den meisten Geschichten nicht über den schwachen Inhalt hinweg. Wenn ihr schon doof seid, so seid doch bitte wenigstens schön. Kann man über den Großteil der inkludierten US-Hefte enttäuschenderweise nicht behaupten.

Hm. Nee, das war nix. Von den dünnen Handlungen und den überschaubar schönen Zeichnungen abgesehen, gab es noch einen ganz anderen, ganz wesentlichen Punkt, der mir während des Lesens auf den Saque gegangen ist. Außer Mord, Totschlag, das Ende allen Seins (oder die knappe, letzte Vorstufe) davon ist allen Beteiligten nichts eingefallen, wie man die Frage „was wäre, wenn“ beantworten könnte. Und das ist irgendwie gleichermaßen schwach wie tragisch. Dabei hat doch der kürzlich im Rahmen von **Paninis** **Marvel Must-Have**\-Reihe neu aufgelegte Band **Spider-Men** gezeigt, wie man dieser Frage innerhalb einer berührenden, glaubwürdigen Geschichte erzählen kann, ohne gleich ganz groß auf die Kacke hauen zu müssen.

Lange Rede, kurzer Sinn: So sehr **Marvel-Fan** kann man gar nicht sein, dass man sich dieses Machwerk zwingend ins Regal stellen müsste.

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© Panini Comics