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# Erwachsenwerden tut weh: Spider-Man: Brand New Day
- URL: https://www.romanjasiek.de/spider-man-brand-new-day-review/
- Published: 2026-07-31T06:50:55.000Z
- Updated: 2026-09-07T03:17:54.000Z
- Description: Kein Tony Stark, keine Avengers, kein Multiversum-Spektakel – Spider-Man: Brand New Day zeigt Peter Parker beim Erwachsenwerden. Warmherzig, emotional und eine längst überfällige Verbeugung vor Steve Ditko.
- Author: Roman Jasiek
- Tags: Filme, #Spider-Man, #Marvel, #MCU, #arweave-txid-j2TccQ7bOJpP2GtFpx-lTSVVCXdbGJpSMC4-zGJmbDU, #arweave-hash-2361b2fed90a4152, #review, #award-story, #award-schauspiel, #award-bild, #award-sound, #herzensempfehlung

Erwachsen zu werden ist eine Erfahrung, die nicht immer leicht ist, ja oftmals sogar schmerzt. Manchmal körperlich, weil sie physische Veränderungen mit sich bringt. Manchmal aber vor allem auch seelisch, weil sich Menschen, Zustände, Einstellungen usw. auf eine Weise verändern, die klar macht: Ab jetzt ist alles anders. Zurück geht es nicht mehr und was die Zukunft bringen wird, ist noch ungewiss. Eben diese Ungewissheit macht die Zeit des Erwachsenwerdens oft zusätzlich schwierig. Dazu gesellt sich der unangenehme Eindruck, mit seinen Gefühlen ganz alleine zu sein. **Peter Parker**, unterwegs als **Spider-Man,** der **freundlichen Spinne aus der Nachbarschaft**, steckt mittendrin in dieser Phase des Umbruchs. Mit allen Freuden, Sorgen und Nöten, die diese Phase im Leben eben mitbringt. Im Prinzip wäre hiermit inhaltlich schon alles gesagt, was man über **Spider-Man: Brand New Day** spoilerfrei erzählen kann. Ein paar Dinge möchte ich aber dennoch ergänzen.

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Wir erinnern uns: Am Ende von **Spider-Man: No Way Home** war unser beliebter Wandkrabbler gezwungen, durch die Unterstützung von **Doctor Strange** dafür zu sorgen, dass alle, die ihn bis dahin kannten, seine Geheimidentität vergessen. Jeder Mensch hatte daraufhin aber nicht nur vergessen, dass **Peter Parker** die Spinne ist, sondern alle, die ihn kannten und mochten, hatten vergessen, dass er bis dato eine wie auch immer geartete Rolle in ihrem Leben spielte. So auch seine Lieblingsmenschen **Ned** und natürlich **MJ**. **Brand New Day** setzt einige Zeit später ein und zeigt uns **Peter**, der mit seinem Doppelleben als Student und Superheld irgendwie zurechtkommt. Zurechtkommen muss. Anstatt mit den **Avengers** durch die unendlichen Weiten zu ziehen und Bedrohungen intergalaktischen Ausmaßes zu bekämpfen, unterstützt **Peter** quasi als Freund und Helfer die **New Yorker Einsatzkräfte**, allen voran die Polizei. Es ist ein einsames Leben, das er führt, denn bislang hat er es nicht übers Herz gebracht, sich seinen Freunden zu offenbaren. Dinge geraten ziemlich ins Wanken, als ein neuer Spieler das Spielfeld betritt. Eine Person, die nicht nur andere, meist unschuldige Personen quasi übernehmen und somit kontrollieren kann, sondern die auch direkt in **Spideys Verstand** und Erinnerungen herumwühlen kann. Und damit fangen die Probleme erst an.

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So. Mehr möchte ich zur wunderbar warmherzigen, teilweise sehr emotionalen Handlung nicht erzählen. Natürlich treffen wir auf bekannte Figuren, neue werden eingeführt und an mancher Überraschung der Marke „Ach kucke, diese Figur hat es auch in den Film geschafft!“ wird natürlich auch nicht gespart. Regisseur **Destin Daniel Cretton** (inszenierte für **Marvel** auch schon **Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings**) und sein Drehbuchteam **Chris McKenna**, **Erik Sommers** und **Justin Kuritzkes** gelingt es auf ganz wunderbare Weise, einen spannenden, manchmal humorvollen, oftmals sehr emotionalen und in jeder Sekunde mitreißenden Film auf die Leinwand zu bringen, bei dem man lacht, mitfiebert und manchmal auch mit einem Tränchen im Knopfloch im Kinosaal sitzt. Und obwohl der Film natürlich nicht an spektakulären Bildern, großartig choreografierter Action und jeder Menge Rawumms geizt, ist der neue **Spider-Man-Film** dennoch sehr bodenständig und geerdet. Es ist so, als sei man direkt hineingeworfen in die Comics aus der **Steve-Ditko-Ära**. Einer Zeit, in der **Peter Parker** noch ohne die Unterstützung von etwa den **Avengers** zurechtkommen muss. Für die **Avengers** sind **Peters Probleme** ohnhin schlicht zu kleine Kartoffeln. Zudem stellt er Veränderungen an sich fest, die, um mal bei dem Bild des Erwachsenwerdens zu bleiben, bedeuten: Er ist kein Teenie mehr.

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Schade, dass sich **Steve Ditko** (meines Erachtens der wahre Schöpfer von **Spider-Man**) und **Stan Lee** ca. 1965 so sehr verkrachten, dass **Ditko** nach Ausgabe 38 von **The Amazing Spider-Man** seine Sachen packte und **Marvel** für immer verließ. Wer weiß, welche Schöpfungen, welche tollen Geschichten oder Bilder dem Mann für den Netzkopf noch eingefallen wären. Wenn und hätte liegen bekanntlich im Bette. Fest steht aber: Die Macher dieses Films verneigen sich sehr tief vor der Arbeit und der Schöpfung **Ditkos**, etwa dadurch, dass so einige Szenen direkt dem Cover eines seiner Hefte entsprungen zu sein scheinen. Stan Lee wurde durch den Erfolg der **Marvel-Filme** zum sehr reichen Mann. **Ditko** hingegen profitierte kaum davon und [verstarb 2018 im Alter von 90 Jahren alleine in seiner **New Yorker Wohnung**](https://www.spiegel.de/kultur/kino/spider-man-zeichner-steve-ditko-ist-tot-a-1217203.html?ref=romanjasiek.de). Wirklich alles an **Brand New Day** versprüht die Botschaft: Lieber **Steve**, dieser Film ist für dich.

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Die Macher des Films ziehen aber noch vor einer anderen Kunstform ihren Hut: den Videospielen nämlich. Die Eröffnungssequenz erinnert so sehr an das, was die Spieleschmiede **Insomniac** (zuerst) für **Sonys PlayStation** auf die Beine gestellt hat, dass es Kennern direkt warm ums Herz wird. Wenn **Spider-Man** durch die Straßenschluchten **New Yorks** schwingt, um ein gepanzertes Fahrzeug aufzuhalten, dann wirkt das beinahe, wie 1:1 aus den Spielen entliehen. Ganz toll!

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Über die Darsteller brauchen wir eigentlich gar nicht zu diskutieren. **Tom Holland**, hier bereits zum vierten Mal in einem Solo-Abenteuer von **Spider-Man** zu erleben, ist einfach **Peter Parker**. Punkt. Das Casting hätte nie und nimmer nicht besser sein können. Versteht mich nicht falsch, ich fand **Tobey Maguire** und **Andrew Garfield** auch super! Aber so on point, das ist nur **Tom Holland**. Dass er und **Zendaya** (MJ) auch im echten Leben ein Paar sind, macht zudem manche Szene dieses Films nur ergreifender. Über den restlichen Cast lege ich erneut den Mantel des Schweigens. Nur so viel: Alle machen einen verdammt guten Job, und auch die neu eingeführte Figur hätte besser nicht besetzt werden können. Einzig vielleicht diese Anmerkung: Neben **Tom Holland** und **Zendaya** ist auch **Punisher Jon Bernthal** gerade auch in **Christopher Nolans Die Odyssey** zu sehen. Und ich verstehe nun noch besser, warum beispielsweise **Bond-Darsteller** irgendwann genug davon haben, den Doppelnull-Agenten zu spielen. Auch wenn **Holland**, **Zendaya** und **Bernthal** in der **Odyssey** ebenfalls gute Arbeit geliefert haben – zumindest ich sehe immer die **Marvel-Helden** in ihnen.

Vielleicht noch ein Wort zum Score von **Michael Giacchino**: Passend zum gesamten Ton des Films ist auch dieser angenehm zurückhaltend und unterstreicht die gefühlvollen Passagen hervorragend. Ja, die Welt von **Peter Parker/Spider-Man** ist im Umbruch. Und dieses Mal haben nicht nur alle Menschen, die ihm was bedeuten, ihn entweder vergessen oder sind, wie **Tante May**, nicht mehr am Leben. Dieses Mal wird es auch keinen **Doctor Strange** geben oder einen **Tony Stark**, der ihm zur Seite steht. Und auch keine Avengers, an die sich Spider-Man heranwamsen kann. **Spider-Man** muss erwachsen werden. Sich der Herausforderung eines brandneuen Tages stellen. Und das spiegelt die Musik passend wider.

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© Roman Jasiek

Mit dem Kinojahr 2026 bin ich bisher außerordentlich zufrieden. **Spider-Man: Brand New Day** reiht sich ein in die Riege der Filme, bei denen ich froh bin, sie im Kino gesehen zu haben. Es müssen nicht die dramatischsten Ereignisse sein und es müssen nicht die überkandideltsten Fan-Services sein, um einen tollen Superheldenfilm zu machen. Möglich, dass die sogenannte Superhero Fatigue ein Ding ist. Nach [**Fantastic Four: First Steps**](https://www.romanjasiek.de/the-fantastic-four-first-steps-oder-das-beste-mittel-gegen-superhero-fatigue/) bringt **Marvel** den nächsten Film ins Kino, welcher der Vorlage sehr treu bleibt, ganz viel Spaß macht und zeigt, dass das Thema Superhelden auf der großen Leinwand längst noch nicht abgefrühstückt ist. Man muss es eben nur richtig machen. **Spider-Man: Brand New Day** macht so viel richtig, wie kaum ein Superhelden- und ganz sicher noch nie ein **Spider-Man-Film** vor ihm. Vor allem aber hat noch kein Film zuvor das Erbe **Steve Ditkos** so gewürdigt wie dieser. Würde ich Punkte vergeben, es wären 10 von 10 Punkten. Amazing!

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