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# Silly und Anna Loos sind: Kopf an Kopf
- URL: https://www.romanjasiek.de/silly-und-anna-loos-sind-kopf-an-kopf/
- Published: 2013-03-03T13:12:00.000Z
- Updated: 2026-09-05T08:42:34.000Z
- Author: Roman Jasiek
- Tags: Musik, #Silly, #AnnaLoos, #Electrola, #arweave-txid-ZwPYJpTjLHoTO6F3HiM1JrGprDoKAxHS4DcVCbwIfI0, #arweave-hash-ac78592e579dbec0

Im Jahr 2010 erschien mit **Alles rot** das erste musikalische Lebenszeichen der einstigen Ostrockband **Silly**, die nach dem Tode **Tamara Danz**’ in der Versenkung verschwunden zu sein schien. Zwar traten einige Bandmitglieder noch als Produzenten für Größen wie **Joachim Witt** dann und wann in Erscheinung, aber das Thema **Silly** war durch. Bis **Alles rot** erschien; die verbliebenen **Silly-Mitglieder** und ihre neue Frontfrau **Anna Loos** machten nicht nur **Alles rot**, sondern auch alles neu. In stiller Verbeugung vor dem Werk aus den Jahren 1980 bis 1996 wurde 2010 nicht versucht, sich selbst zu kopieren, sondern sich selbst neu zu erfinden. Herausgekommen ist seinerzeit ein Popalbum von großer Güte. In ein paar Tagen erscheint das zweite Album der „neuen“ **Silly**, **Kopf an Kopf**, das als Vollendung dieser Transformation angesehen werden kann, ja sogar muss.

Wenn ich die Musik **Sillys** nach ihrer „Wiedergeburt“ mit Kunst vergleichen müsste, würde ich sagen, dass sie naiver Malerei gleicht. Einfache Texte, die vordergründig so simpel scheinen, im Nachgang aber eine fesselnde Wirkung erzielen. So gesehen steht **Anna Loos**, die auf **Kopf an Kopf** die meisten Beiträge geliefert hat, dem bisherigen Texter **Werner Karma** in nichts nach. Darüber hinaus ist es höchst begrüßenswert, dass **Silly** seit dem Neustart im Jahre 2010 neue, abermals ganz eigene Wege gehen und nicht versuchen, sich selbst zu kopieren. Mag sein, dass **Silly** zu **Tamaras** Zeiten mitunter viel dunkler unterwegs waren und auch gerne mal politische Botschaften in den Texten versteckt worden sind, um gegen die herrschende Klasse der **DDR** zu rebellieren. Aber diese Zeiten sind vorbei. Zum einen ist die **DDR** seit mehr als zwei Jahrzehnten Geschichte, zum anderen: Wogegen wollte man denn heute auch noch rebellieren? Damit das hier nicht zu einer Politdiskussion verkommt, wenden wir uns wieder **Silly** als solches zu. Das einzige Mal, wo Politisches in den Texten durchschimmert, ist im Stück **Vaterland**, die berechtigte Frage, wie sehr man dieses Land lieben kann und sollte. Oder eben nicht.

Ansonsten geht es **Silly** hier mehr um Verbundenheit. Egal, ob gemeinsam gegen den Rest der Welt (**Kopf an Kopf**), unsterblicher Seelenverwandtschaft (**Blutsgeschwister**) oder beim ewig aktuellen Thema Liebe (**Lotos**, **Deine Stärken**). Und ein Song wie **Spring** kann nur wahrer Mutterliebe entsprungen sein.

Musikalisch bewegen sich **Silly** auch 2013 in dem Umfeld, in dem sie sich schon auf **Alles rot** eingerichtet haben: ein hochwertig produziertes, klangtechnisch absolut überzeugendes Gemisch aus Pop und Rock, durch die Bank weg gefällig und eingängig, ohne dabei billig oder überproduziert zu wirken. Oder den Eindruck zu erwecken, unbedingt Charterfolge erzielen zu wollen. Musik und Text bilden eine Einheit, die vor allem eines ist: authentisch. Manchmal, wenn wie bei **Vaterland** die Streicher im Hintergrund ertönen, scheinen sie sich dabei sogar vor Ostrock-Kollegen wie **City** oder **Karat** zu verbeugen. Was **Kopf an Kopf** nur noch zu einer runderen Sache macht, als es so schon ist. **Sillys** neue Frontfrau **Anna Loos** scheint sich mit dem schweren Erbe inzwischen bestens arrangiert zu haben und spielt hier noch mehr mit ihrer Stimme, als sie es auf **Alles rot** noch getan hat.

So ganz ohne eine Referenz an die unvergleichliche **Tamara Danz** kommt aber auch **Kopf an Kopf** nicht aus. Waren es beim Vorgänger noch die **Sonnenblumen**, ist es hier **Ohne dich**, das wie ein musikalischer Gruß an **Sillys** verstorbene erste Sängerin erinnert („\[…\] dieser Kampf war nicht fair, kann man einen Menschen vergessen \[…\]“). Und auch wenn ein solches Lied nicht wirklich überrascht, ja beinahe sogar erwartet wird, so haben sich die „neuen“ **Silly** spätestens mit **Kopf an Kopf** von der früheren Version ihrer selbst emanzipiert. Die Zeit bleibt nun einmal nicht stehen und bringt leider Gottes immer wieder Verluste mit sich. **Silly** sind auch nicht stehen geblieben und haben die schweren Verluste bravourös kompensiert. Und somit empfehlen sie sich einmal mehr als echte Alternative gegenüber sachlich ähnlich gelagerten Silbermonden im Juli, die alle zwar Talent haben mögen, aber dennoch reichlich grün hinter den Ohren sind. Professioneller Pop mit Anspruch schreibt sich 2013 endlich wieder **Silly**.

Wenn eine Band ein zweites Album herausbringt, habe ich immer etwas Sorge. Vor allem dann, wenn das erste Album ein großer Wurf war, passierte es in der Vergangenheit viel zu oft, dass das Nachfolgewerk spätestens an den Erwartungen zerbrochen ist. Hatte ich diese Sorge auch beim zweiten Album der „neuen“ **Silly**? Nein. Zum einen, weil es ja nur im Hinblick auf das aktuelle Bandgefüge ein zweites Album ist und die Damen und Herren ansonsten aber alles gestandene Künstler sind. Zum anderen, weil **Silly** und **Anna Loos** schon auf **Alles rot** eine viel zu homogene Einheit waren, als dass hier noch ernsthaft hätte etwas schiefgehen können. Mir gefällt es, dass **Anna** die Federführung übernommen hat, was das Verfassen der Texte angeht. Das macht **Silly** nur noch mehr zu einem neuen Erlebnis, das sich immer mehr als gleichwertiges Gegenstück zur eigenen Vergangenheit etabliert. Hier werden die eigenen musikalischen Wurzeln weder kopiert noch ignoriert. **Silly** und **Anna Loos** sind auch 2013 primär eines: ein dolles Ding!

![](https://storage.ghost.io/c/90/34/9034555f-2939-4c04-8b42-89dcff4387d3/content/images/2025/11/silly-kopf-an-kopf-1.jpg)

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