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# Horror, Dark Fantasy und ganz viel aktuelles Zeitgeschehen: John Constantine – Hellblazer: Tot in Amerika 1 ist auf vielen Ebenen abgründig
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- Published: 2025-02-01T21:44:00.000Z
- Updated: 2026-09-14T03:18:06.000Z
- Author: Roman Jasiek
- Tags: Comics, #DC, #PaniniComics, #Hellblazer, #JohnConstantine, #DCBlackLabel, #Sandman, #arweave-txid-UJ_pmEht5kKYeJCmLBpjLqw9uQmGrntRwEinmD2V6Sk, #arweave-hash-52b15be4335c3b70

Selbst wer sich nicht sonderlich mit Comics befasst, aber zumindest halbwegs popkulturell interessiert ist, wird dem Namen bzw. der Figur **John Constantine** schon mal über den Weg gelaufen sein. 2005 kam mit **Constantine** ein Film in die Kinos, in welchem **Keanu Reeves** die Rolle des besagten **John Constantine** übernahm. Dieser Film basierte auf der Comicserie **Hellblazer**. Der kettenrauchende Zyniker, dessen Business es ist, Dämonen aller Geschmacksrichtungen den Hintern zu versohlen, konnte seit seiner Erfindung Ende der 1980er-Jahre von **Alan Moore** einige Popularität gewinnen. Der Film hat sicher einiges dazu beigetragen, möchte ich annehmen. Erinnern wir uns: Im Film sorgte der überbordende Kippenkonsum des zynischen Okkultisten dafür, dass sein Enddatum im Prinzip erreicht war. Der Krebs hatte sich schon quer durch die Lungenflügel gefressen. Durch Eingreifen **Luzifers** wurde **Constantine** im Film von Krebs befreit. Warum erzähle ich das? Nun, **Constantine** war durch einen Selbstmordversuch schon einmal in der Hölle und im Film dem Tod schon wieder näher als dem Leben. In dem ersten Band des Comics **John Constantine – Hellblazer: Tot in Amerika** ist darüber aber schon weit hinaus.

Genau genommen ist zu dem Zeitpunkt, an dem wir in die Handlung dieser Geschichte geworfen werden, **John Constantine** eine wandelnde Leiche. Sein Herz schlägt schon seit geraumer Zeit nicht mehr, zudem fängt sein Körper bereits an, zu verwesen. Und wäre das eigentlich nicht schon allermeist genug, sah sich **Constantine** auch mit dem Vorwurf des Mordes konfrontiert. Was dazu führte, dass er, sein taubstummer Sohn **Noah** und die Türsteherin **Nat** von **England** aus in die **USA** flüchteten. Dort treffen sie auf **Dream von den Ewigen** (siehe die **Sandman-Comics**), der **Constantine** auffordert, einen Beutel mit Traumsand zurückzubringen. Der Inhalt dieses Beutels verleiht unvorstellbare Macht, auch **Constantine** hatte sich dieser in der Vergangenheit schon bemächtigt. Und so macht sich das Trio auf einen Roadtrip durch die **Vereinigten Staaten**. In einem kirschroten Doppelstockbus. Unterwegs müssen sie nicht nur an das Herz eines Vampirs gelangen, sondern auch beispielsweise dem **Swamp Thing** helfen. Und treffen auf illustre weitere Figuren, die dem aktuellen Zeitgeist entsprungen sind …

Und da liegt auch die große, erzählerische Stärke dieses Comics, der bei oberflächlicher Betrachtung eine irre Mischung aus Horror und Dark Fantasy ist. Sich aber bei näherer Betrachtung als Parabel aktueller Zustände entpuppt. Auch wenn die Story durchgehend ist und auf ein bestimmtes Ziel – die Wiedererlangungen des Sandsacks nämlich – hinarbeitet, so ist der Weg dahin doch sehr episodenhaft- bzw. kapitelmäßig aufgeteilt. Bisschen wie bei den Mysteryserien **Supernatural** oder **The X-Files**: eine große, übergeordnete Handlung und dazwischen die „Monster of the Week“-Episoden. So in etwa ist es auch hier. Und manchmal sehr politisch und sehr mit dem Zeitgeschehen verheiratet.

So geht es in einer Geschichte um einen Grenzschützer, vom Leben bestraft und enttäuscht und daher alles „woke“ hassend, der mit dem Gewehr im Anschlag an der **amerikanisch-mexikanischen Grenze** sitzt, bereit, Flüchtende über den Haufen zu ballern. Und tatsächlich, eine Frau nebst Tochter gerät in sein Visier. Und die Stimmen in seinem Kopf sagen ihm, dass er schießen soll. Eine andere Stimme meint: Natürlich schießen, aber vorher noch ficken. Entschuldigt die Wortwahl, es ist ein Zitat. Ich verrate Euch nicht, wie die Geschichte ausging.

Eine andere Sache, die mich sehr bewegt hat: **Constantine** und seine Gang machen Halt in einer Kleinstadt. Einer Stadt, die sehr darauf bedacht ist, dass bestimmte Dinge nicht zur Sprache, nicht (wieder) ans Licht kommen. Um das ein bisschen abzukürzen: Unser Exorzist findet heraus, dass hier sechs Personen an der Vergewaltigung eines Mädchens beteiligt waren, Live-Stream ins Internet inklusive. Und dass nach medienwirksamen Protesten das Strafmaß der Täter (geschlechtsneutrale Schreibweise nicht nötig) auf ein himmelschreiend niedriges Niveau heruntergekürzt wurde. Schließlich seien das zwar Täter, aber man dürfe doch deswegen bitte nicht die Zukunft der vermeintlichen Football-Stars aufs Spiel setzen. Erinnert Euch das auch so frappierend an Ereignisse, die in unserem Ländle kürzlich publik wurden? Jedenfalls: Es kommt, wie es kommen muss. Das Mädchen bringt sich um – und seitdem werden diverse Menschen dieser Stadt, in der man sehr darauf bedacht ist, dass bestimmte Dinge nicht zur Sprache kommen, von schlimmen Albträumen heimgesucht …

Kurz war ich versucht, dass der britische Autor **Simon Spurrier** hier der amerikanischen Gesellschaft auf ungeschönte Weise den Spiegel vorhält, während seine Figuren von einem albtraumhaften Trip zum nächsten hetzen, um **Dreams** Sandkörchen wieder aufpicken. Nur: Vieles ließe sich auf andere Gesellschaften (unsere zum Beispiel) nicht weniger anwenden. Somit ist dieser erste Band von **John Constantine – Hellblazer: Tot in Amerika** zwar unterhaltsam und spannend, gleichzeitig aber auch auf erschreckende Weise beklemmend. Auf vielfache Weise abgründig und das in einem Maße, dass es unangenehm wird. Ich vermute aber stark, dass genau das ein Anliegen des Autors war. Überdies brilliert dieser Comic aber auch durch geschliffene, pointierte Dialoge und scharfe Charakterzeichnungen, womit nicht zwingend die düsteren, perfekt zum Geschehen passenden Zeichnungen von **Aaron Campbell** (und anderen) gemeint sind. Lange Rede, kurzer Sinn: Der erste Aufschlag dieser neuen Hellblazer-Miniserie, die unter dem **DC-Black-Label-Imprint** veröffentlicht wird, ist sehr gelungen. Im Juni soll es weitergehen und ich bin gespannt, mit welchem Elend uns **Simon Spurrier** dann konfrontieren wird.

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