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# Die düstere Faszination des Bösen: Paul Dano und Stevan Subic beleuchten in Der Riddler – Das erste Jahr die Ursprünge des Verbrechergenies
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- Published: 2024-03-24T10:15:00.000Z
- Updated: 2026-09-05T08:36:54.000Z
- Author: Roman Jasiek
- Tags: Comics, #DC, #TheRiddler, #PaulDano, #PaniniComics, #DCBlackLabel, #arweave-txid-KSyXE5cHdpRWMtzNlf1Wp8OIjIlwFK1yJ2HOo-EC874, #arweave-hash-09e9754e184bea68

Zunächst gehörte ich zugegebenermaßen auch zu jenen, die **Matt Reeves**’ Beginn eines neuen, filmischen **Batman-Universums** gegenüber skeptisch eingestellt waren. Im Kino überzeugte mich **The Batman** (2022) aber in allen Punkten. Heute würde ich nicht nur sagen, dass **The Batman** ein wahnsinnig guter, zumal sehr düsterer Thriller ist, der neben von einer ausgesprochen spannenden Handlung auch von einem überraschend guten Cast getragen wird.

So hätte ich beispielsweise nicht vermutet, dass **Robert Pattinson** eine so gute Figur als **Bruce Wayne** / **Batman** abgeben würde. Dabei hatte der Mann gar nicht allzu lange vorher in **Christopher Nolans** **Tenet** gezeigt, was er in Actionfilmen auf die Leinwand zu bringen vermag. Größte Überraschung war allerdings **Paul Dano** in der Rolle des psychopathischen **Edward Nashton** bzw. des **Riddlers**. So wie mich der ganze Film in seiner Bildsprache und Tonalität ein wenig an **David Finchers** Meisterwerk **Sieben** erinnerte, so hatte auch **Paul Danos Riddler** eine gewisse Ähnlichkeit mit dem dereinst von **Kevin Spacey** porträtierten Serienmörder **John Doe**. Der, wir erinnern uns, seine Opfer den sieben Todsünden entsprechend um die Ecke brachte. Eine gleichermaßen faszinierende wie auch abschreckende Darstellung, die **Dano** da lieferte – und die ziemlich gehörig unter die Haut ging.

Darsteller **Paul Dano** war selbst von seiner Figur scheinbar so angetan, dass er sich mit dem serbischen Comic-Künstler **Stevan Subic** zusammentat, um in Form einer Vorgeschichte weitere Facetten des **Riddlers** zu beleuchten. Das Ergebnis nennt sich **Der Riddler – Das erste Jahr**, erscheint in diesen Tagen bei **Panini Comics** und ist, so viel darf ich im Vorfeld schon verraten, ganz große Kunst, die weit über das hinausgeht, was in Comics bzw. Graphic Novels sonst oft geboten wird.

Dem Titel des Comics entsprechend wirft **Der Riddler – Das erste Jahr** einen Blick auf die Entstehungsgeschichte. Oder anders: **Paul Dano** erzählt uns hier, wie aus **Edward Nashton** der hochbrillante, aber sehr gefährliche Mörder mit einer Affinität zu tödlichen Rätseln wurde. Zunächst ist **Nashton** nicht viel mehr als ein Sonderling. Ein höchst intelligenter Sonderling, mit einem besonderen Talent, die Welt, durch Zahlen und Mathematik begreifbar(er) zu machen. Das brachte ihm einen Job als Finanzbuchhalter ein, dessen Aufgabe es ist, Zahlungen und Buchungen auf Ungereimtheiten zu überprüfen. Keine allzu große Herausforderung für ihn. Leider ist **Nashton** nicht mit dem größten Selbstbewusstsein ausgestattet, sodass stets andere die Lorbeeren für seine Leistungen kassieren.

Sein überragender Intellekt, seine Fähigkeit, aus Zahlen heraus Zusammenhänge zu erkennen, führen irgendwann wenig überraschend dazu, dass er auf Dinge stößt, die er besser nicht gefunden hätte. Zahlungen, Buchungen, Überweisungen zwischen Firmen, die den Mafia-Größen Gotham Citys gehören und die im Wesentlichen Geldwäsche verschleiern sollen. Und dann ist da seit einiger Zeit ein selbst ernannter Rächer in der Stadt unterwegs, der in einem Fledermauskostüm bösen Menschen das Fürchten lehrt. **Nashton** ist fasziniert von **Batman** und fühlt sich ihm auf eine fatale Weise verbunden. Im Verlaufe dieses besonderen Kleinods von einem Comic erfahren wir auch, dass **Nashton** als Waisenkind seine Kinderjahre in **Arkham Asylum** verbrachte, und es mit **Thomas Wayne** eine Verbindung zwischen **Batman** und dem **Riddler** gibt.

**Der Riddler – Das erste Jahr** mit Worten zu beschreiben, ist gar nicht so einfach. Klar, zunächst mal kann ich festhalten, dass **Paul Danos** Origin-Story spannend geschrieben ist und sich der Mann mit viel Hingabe und Akribie dem Verbrechergenie angenähert hat, welches er zuvor auf der großen Leinwand in gleicher Form porträtierte. Ich denke, die Assoziation eines einigermaßen wahnsinnigen Typs, der mit Fragezeichen bedruckte Spandex-Anzüge trägt, ist dank des Films **The Batman** und dieses Comics hier ein für alle Mal überschrieben worden. Aber das allein macht die Faszination dieses Comics noch nicht aus.

Die andere Seite der Medaille sind die Bilder von **Stevan Subic**, die oft nicht viel mit dem zu tun haben, was man für gewöhnlich in Büchern und Heften, die von Spandex-tragenden Figuren bevölkert sind, geboten bekommt. Vielfach gibt es weder klare Strichzeichnungen noch die üblichen Panelaufteilungen. Dafür aber Bilder, die in Fragmente zerteilt worden sind und mitunter an die Zeichnungen, Texte, Notizen usw. erinnern, die der **Riddler** in **The Batman** ebendiesem immer wieder hinterlassen hat. Ein beachtlicher Teil gegen Ende des Comics besteht sogar nur aus etwas, das an medizinische Akten erinnert und auf dem nicht viel mehr als Worte zu finden sind.

Das Spiel mit typografischen Gestaltungselementen ist hier nicht nur optisches Highlight, sondern auch ein höchst gelungenes Mittel, um den gestörten Verstand von **Edward Nashton** zu verdeutlichen. Dass der Typ irre ist, wurde zwar eigentlich schon durch den Film deutlich, durch entsprechende Aufarbeitung dieses Comics wird dieser Eindruck aber noch einmal drastisch verstärkt.

**Joaquin Phoenix** bekam für seine Darstellung des **Joker** [im gleichnamigen Film aus dem Jahr 2019](https://www.romanjasiek.de/dustere-charakterstudie-mit-uberragendem-hauptdarsteller-joker-mit-joaquin-phoenix/) einen **Oscar**, die **Netflix-Serie** **Dahmer – Monster: Die Geschichte von Jeffrey Dahmer** wurde zum großen Hit bei **Netflix**. Das Electro-Industrial-Projekt **Skynd** schreibt die eigene Musik um real existierende Mörder bzw. Mordopfer herum, und auch **Seabound-Sänger Frank M. Spinath** hat sich auf seinem Solo-Album [**Lionhearts**](https://www.romanjasiek.de/psychologieprofessor-und-seabound-frontmann-frank-m-spinath-veroffentlicht-solo-album-lionhearts-der-vermutlich-grosste-electro-wurf-des-jahres/) in dem Stück **Murder** musikalisch mit dem US-amerikanischen Serienmörder **Edmund »Ed« Emil Kemper (III)** auseinandergesetzt. Worauf ich hinaus möchte: Vom Bösen scheint eine Faszination auszugehen, welche die Kreativität von Kunstschaffenden beflügelt.

**Der Riddler – Das erste Jahr** reiht sich nahtlos ein in die gelungenen Werke, in denen ein faszinierend-makaberer Blick in das Seelenleben eines Verbrechers geworfen wird. Eine gewisse Ähnlichkeit zum bereits erwähnten **Joker** kann nicht geleugnet werden. Um eine lange Geschichte an dieser Stelle abzukürzen: **Der Riddler – Das erste Jahr** ist grafisch wie inhaltlich das erste, richtig große Comic-Highlight des Jahres 2024! Und auch wenn dieser Comic als **DC Black Label** erscheint, somit losgelöst ist vom eigentlichen Canon, so kann ich mir doch sehr gut vorstellen, dass **Dano** und **Subic** hier ein Meisterstück geschaffen haben, das nicht nur in den **Batman-Canon** von **DC Comics** hineinwirkt, sondern noch in Jahren als das gefeiert wird, was es ist: große Kunst!

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© Panini Verlag