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# Der neue Geniestreich von Garth Ennis: Just A Pilgrim 1
- URL: https://www.romanjasiek.de/der-neue-geniestreich-von-garth-ennis-just-a-pilgrim-1/
- Published: 2001-07-17T09:41:00.000Z
- Updated: 2026-09-05T08:02:53.000Z
- Author: Roman Jasiek
- Tags: Comics, #GarthEnnis, #JustAPilgrim, #arweave-txid-ocvimGlpqu5ygjSe5DHtEosXQP2uk70bN_mAkt6cOAM, #arweave-hash-952b00b1c31a4083

Einige Jährchen in der Zukunft ist die Erde kein besonders angenehmer Ort mehr. Denn wie viele andere, schwarzmalerische Visionen, so setzt auch **Just A Pilgrim**, die neue Serie aus dem gleichermaßen kranken wie genialen Hirn  
**Garth Ennis’** auf düstere, verkommene Endzeitstimmung. Allerdings hat sich nach **Ennis’** Idee die Menschheit ausnahmsweise mal nicht zurück in die Steinzeit gebombt und – nein, ein Asteroid ist auch nicht eingeschlagen. Viel mehr ist das passiert, was tatsächlich eines schönen Tages passieren wird: Unsere Sonne hat nix mehr zum Verbrennen und bläht sich, bevor sie endgültig ein Dasein als weißer Zwerg in der Unendlichkeit des Alls fristen muss, noch einmal kräftig auf. Dabei nimmt sie die Planeten unseres Sonnensystems mit. Merkur und Venus sind auf diese Weise schon untergegangen, nächster Stopp: die Erde.

Damit die Dramatik auch etwas deutlicher wird, passiert das alles in deutlich  
weniger als was-weiß-denn-ich-wie-vielen Millionen Jahren. Als weiterer  
Nebeneffekt außer erhöhter Sonnenbrandgefahr sei vielleicht noch erwähnt, dass die Ozeane, Flüsse, Seen und sonstige Gewässer von der Erdoberfläche verschwunden sind. Wenn einer über den Atlantik spazierengeht, so hat dies nichts mit heiligen Kräften zu tun, sondern vielmehr mit der Tatsache, dass eben dieses Gewässerchen verdunstet ist.

Nun, irgendwo auf diesem lauschigen Planeten reist eine Kolonne Überlebender durch ein Ödland, welches früher mal ein Meer gewesen sein mag. Doch egal, wie schlecht es doch um die Menschheit steht, es gibt immer ein paar Flitzpiepen, die meinen, raubend und mordend durch die Landschaft ziehen zu müssen. Und so wird die kleine Einsiedlergruppe Opfer eines Piratenüberfalls. Und es sieht auch gar nicht gut aus. **Billy**, das so ziemlich einzige Kind in der ganzen Sippe, hat nämlich im Eifer des Gefechts sein Tagebuch verloren. Und wie Kinder nun mal sind, macht er sich, jegliche Gefahren um ihn herum ignorierend, auf den Weg, um sein Tagebuch zu suchen. Tja, und es hätte auch nicht viel gefehlt und **Billy**  
wäre zu einem handlichen Sieb zusammengeschossen worden – wäre nicht im  
letzten Augenblick ein großer Fremder aufgetaucht und hätte der Piratenmeute ordentlich eingeheizt. Wohl mehr des unerwarteten Widerstands wegen lassen die Piraten daraufhin von ihrem Feldzug ab und ziehen sich zurück.

In der Siedlertruppe ist man natürlich sehr happy und froh, dass alle alles heil überstanden haben, und man lädt den Fremden, der sich, nach seinem Namen gefragt, als „nur ein Pilger“ vorstellt, zum Abendessen ein. Wenn auch einige Leute Zweifel an seiner Person hegen (**Billys Mutter** zum Beispiel, die überzeugt ist, den **Pilger** von irgendwoher zu kennen) bzw. gegen den **Pilger** als neuen Führer durch das Ödland stimmen (**Dirk**, der bisherige Anführer, war/ist von der Idee nicht begeistert), so wird er doch zum überwiegenden Teil als neuer Anführer akzeptiert. Und schon am Tag darauf können sich die Menschen einen ersten Eindruck von den eher unkonventionellen Methoden des **Pilgers** machen – bis das ewige Lästermaul **Dirk** eine unheimliche Begegnung nicht nur der dritten Art hat …

Cool. Anders kann man dieses Heft nicht umschreiben. Zu **Garth Ennis** und seinem Talent für abgedrehte, schwarzhumorige, allerdings auch vor Gewalt und Grausamkeiten triefende Geschichten brauche ich wohl weiter keine Buchstaben verlieren. Dennoch ist es ihm erneut gelungen, seine Leserschaft mit einer Serie zu überraschen, die gerade für Fans von Endzeitszenarien interessant sein dürfte. Natürlich fehlt auch bei **Just A Pilgrim** der typische **Ennis-Humor** nicht. Positiv anzumerken sind auch die Zeichnungen von **Carlos Ezquerra**, die man nicht wirklich als „schön“ bezeichnen kann, die aber trotzdem exzellent zur Geschichte passen und die ganze Angelegenheit noch makaberer machen. Auch die Farben aus dem Hause **Bongotone** können sich sehen lassen. Und wie immer, wenn man sich ein Heft aus der Feder von **Garth Ennis** zu Gemüte führt, kann man gesichert davon ausgehen – da kommt noch einiges auf den Leser zu!

![](https://storage.ghost.io/c/90/34/9034555f-2939-4c04-8b42-89dcff4387d3/content/images/2026/08/justapilgrim1-1.jpg)

© Black Bull