> ## Content Index
> Fetch the complete content index at: https://www.romanjasiek.de/llms.txt
> Use this file to discover other available public pages before exploring further.

# David Bowie, James Murphy und ein Abstieg in die Unterwelt: Reflektor von Arcade Fire ist eines der mächtigsten Alben des Jahres!
- URL: https://www.romanjasiek.de/bowie-james-murphy-und-ein-abstieg-in-die-unterwelt-reflektor-von-arcade-fire-ist-eines-der-machtigsten-alben-des-jahres/
- Published: 2013-10-28T18:14:00.000Z
- Updated: 2026-09-05T08:01:25.000Z
- Description: Griechische Mythologie, haitianische Perkussion, David Bowie als Background-Sänger und James Murphy am Mischpult: Arcade Fires Reflektor ist eines der mächtigsten Alben des Jahres 2013.
- Author: Roman Jasiek
- Tags: Musik, #ArcadeFire, #Reflektor, #UniversalMusic, #arweave-txid-7dT5JVkHzlHQPRJ154jyc-N7mY3aX5A0Qc6j1aNyKTM, #arweave-hash-53333aaf542f12e9

Drei Alben und etwa 10 Jahre hat es gebraucht, um **Arcade Fire** auf den Olymp der großen und bedeutenden Rockbands zu heben. Drei Jahre nach dem letzten Album veröffentlichte die kanadische Band um das **Ehepaar Win Butler und Régine Chassagne** vor wenigen Tagen ihr neues Album **Reflektor**. Da die Musik der Band gerne mal für haltlose Begeisterung sorgt, wollen wir doch mal gucken, was da so dran ist an diesen **Arcade Fire** und ihrem **Reflektor**, das gleich mal zwei CDs beansprucht.

Ach ja, **Olymp**. Gutes Stichwort zum Einstieg. Besonders interessant an **Reflektor** ist das inhaltliche, wenn auch versteckte Spiel mit **Motiven der griechischen Mythologie**. Irgendwie ist es konsequent für Musiker, sich mit der Figur **Orpheus** zu befassen. Schließlich vermuten die Griechen in ihm den Erfinder von Musik und Tanz, jener Form der Kunst also, der die Tonträgerverkäufer ihre Brötchenverdienstgrundlage verdanken.

Kurzer Abriss in **griechischer Mythologie**: **Orpheus** muss ein echtes Goldkehlchen gewesen sein. Nicht nur Götter fanden Gefallen an seinem Gesang. Nö, auch Tiere, Pflanzen und sogar Steine ließen sich von **Orpheus’ Gesang** und dem Spiel seiner Lyra in Verzückung versetzen. Verheiratet war **Orpheus** mit der **Nymphe Eurydike**. Auf der Flucht vor einer Vergewaltigung latschte **Eurydike** auf eine Schlange und verstarb. **Orpheus** war mit dem spontanen Ableben seiner Frau verständlicherweise nicht einverstanden und stieg in die Unterwelt hinab. Mit Gesang und Lyra gelang es ihm, **Hades**, den **Gott der Unterwelt**, zu überzeugen, ihm seine Liebste zurückzugeben. Der Deal war aber ein tückischer: Nimm deine Frau und geh, aber dreh dich nicht nach ihr um. Logisch, dass das in die Hose ging und **Eurydike** daraufhin erneut und dieses Mal endgültig in der Unterwelt verschwand, oder? **Orpheus** selbst wurde später zerrissen, buchstäblich, und es ist wohl anno dazumal keine tröstliche Vorstellung gewesen, dass sich **Orpheus** somit wieder zu seiner Liebsten gesellen konnte. Sein Kopf und seine Lyra allerdings sollen in einen Fluss geworfen worden sein. Welchen, darüber streiten sich die Gelehrten. Kopf und Lyra jedoch sollen dennoch eine ganze Weile weiter musiziert haben. So viel dazu. **Awful Sound (Oh Eurydice)** und **It’s Never Over (Hey Orpheus)** greifen diese Motive auf.

Zur Unterwelt-Thematik gesellt sich das immer wieder durchschimmernde Motiv der Nacht. **Here Comes The Night Time** ist gleich in zwei Teilen vorhanden, einmal je Silberling. Eine Begleiterscheinung der Nacht ist immer wieder auch das Gefühl der Angst. Was passiert denn, wenn die Nacht kommt? Werden wir schlafen? Träumen womöglich? Und wenn ja, was? Wer unter Albträumen leidet, der wird die Nähe von Nacht und einer Form des Unwohlseins bestätigen können. Was ist denn, wenn die Kamera wirklich deine Seele klaut (**Flashbulb Eyes**)? Skepsis ist auch so ein Thema von **Arcade Fire** (**You Already Know**). Und das musikalisch vermeintlich fröhliche **Afterlife** stellt schon ein paar bemerkenswerte Sinnfragen über die Dinge, die kommen, nachdem andere Dinge endeten.

![](https://storage.ghost.io/c/90/34/9034555f-2939-4c04-8b42-89dcff4387d3/content/images/2026/07/arcade-fire-2013-1.jpg)

© Korey Richey

Ihr merkt schon: Inhaltlich bewegen sich **Arcade Fire** auf einem sehr hohen Niveau. Es ist doch immer wieder schön, wenn Musik nicht nur die Seele umschmeichelt, sondern auch den Verstand kitzelt. Ihre Themen verpackt die Band in sensationelle Rocksongs, die ein seliges Lächeln ins Gesicht eines jeden Musikfreunds zaubern, der sich für hin- und mitreißend produzierte, die Grenze zum Epischen überschreitende Meisterstücke begeistern kann, die nur einer Regel folgen: der eigenen.

Produziert wurde das Album von **James Murphy**. Genau, der **James Murphy** von **LCD Soundsystem**. Ihr wisst schon, die Band, in deren Bude **Daft Punk** spielt. Die Entscheidung, diesen **Murphy** zu verpflichten, steht dem Klangbild der Band ziemlich gut. Deutlich vielseitiger arrangiert und instrumentiert wirken die Songs, trotz der manchmal vorherrschenden Schwere dennoch leichtfüßig und mitreißend. Der Mitwipp-, Fingerschnipp- und Fußwackelfaktor dieses Albums ist enorm! Möglicherweise ist **Arcade Fire** mit ihrem vierten Album eines der am geschmeidigsten groovenden Rockalben dieses Jahres gelungen. Die Band gibt zu Protokoll, dass **Voodoo-Musik aus Haiti** bei der Entstehung dieses Albums eine nicht unwesentliche Rolle gespielt habe. Sogar zwei Perkussionisten von der Insel waren an den Aufnahmen beteiligt. **Anleihen karibischer Rhythmen** sind manchmal durchaus hörbar, die Aussage **Arcade Fires** ist also schlüssig. Und macht das Album nur noch spannender. Hört Euch nur mal **Here Comes The Night Time** an. Derartige Beats und Rhythmen vermutet man eher bei einer Band wie **Seeed**, nicht aber notwendigerweise hier.

Dass die Band über ein sicheres Gespür für ganz große Momente, verpackt in noch größere Songs, verfügt, hat sich inzwischen in der Musikwelt herumgesprochen. Mittlerweile haben sie sich den Respekt und die Achtung auch der Allergrößten verdient. So zum Beispiel den **David Bowies**. Es wird überliefert, dass **Bowie** den Song bei einem Studiobesuch hörte und so abgefahren fand, dass er ihn gerne geseinigt hätte. Offensichtlich ist dies ein Wunsch geblieben. Realität wurde allerdings seine Beteiligung. Die Hintergrundvocals singt das Chamäleon des Pops in diesem Song höchstselbst.

Neben allerlei handelsüblichen Saiten- und Schlaginstrumenten hören wir hier auch dezente Synthies, Trompeterei, Tasteninstrumente verschiedenster Geschmackrichtungen, ja sogar Kirchengeorgel und Cellospiel lassen sich aus den Songs heraushören. Das und noch so einiges mehr, was den Spannungsfaktor nur zusätzlich erhöht. Die pathetische Note, die den früheren Werken der Band anhaftete, ist auch hier nicht gänzlich zu leugnen. Vermutlich ist das aber auch unvermeidlich. Hier allerdings mehr als verkraftbar. Dafür ist das Gesamtpaket schlicht zu stimmig. Wenn die großen Massenmedien nun also wieder anfangen, uns **Arcade Fire** als eine der beeindruckendsten Rockbands unserer Tage verkaufen zu wollen, dann kann ich abschließend nur sekundieren: Jopp, da ist was dran. Gerade eines der mächtigsten Alben 2013 gehört zu haben, wird einem spätestens dann klar, wenn die letzten Töne von **Supersymmetry** verklungen sind.

**Arcade Fires Reflektor** ist ein unheimlich spannendes Hörerlebnis. Nicht nur aufgrund der Verwendung von Motiven aus der g**riechischen Mythologie**, sondern vor allem und ganz besonders wegen des Spiels mit den Erwartungen bzw. Vermutungen des Hörers. Immer dann, wenn sich das Gefühl einschleicht, man hätte einen Song verstanden und erfasst und wüsste nun, wie sich die restlichen Minuten gestalten würden, machen **Arcade Fire** einen Strich unter die Rechnung. Hier mal aus den klassischen Songstrukturen ausgebrochen, da mal das Tempo geändert, hier noch eine unerwartete Spielerei eingestreut – man kann das Ätsch! förmlich heraushören. Die Musikliebhaber unter Euch, die Bock auf ein abgefahrenes Rockalbum haben, an das man sich noch lange erinnern wird, kommen an **Reflektor** nicht vorbei. Herausragendes Werk!

![](https://storage.ghost.io/c/90/34/9034555f-2939-4c04-8b42-89dcff4387d3/content/images/2026/07/Cover_Reflektor_300CMYK.jpg)

© Universal Music