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# Best-of in Form eines schicken Live-Mitschnitts: Best.Live von Marillion
- URL: https://www.romanjasiek.de/best-of-in-form-eines-schicken-live-mitschnitts-best-live-von-marillion/
- Published: 2012-06-02T12:04:00.000Z
- Updated: 2026-09-05T08:42:49.000Z
- Author: Roman Jasiek
- Tags: Musik, #Marillion, #arweave-txid-3oA4rlRtELXMbkqZLQShrQrGeUtmjCa3hdNkl0NSc_w, #arweave-hash-ca4c3076f3940f70

Eine Best-of-CD auf den Markt zu bringen, ist bei Bands, die lange im Geschäft sind, keine ungewöhnliche Sache. Abgesehen davon, dass sich Band und Plattenfirma ein paar zusätzliche Taler damit verdienen, ist es gerade für Neueinsteiger eine prima Sache, um sich zunächst mit den (vermeintlich) wichtigsten Songs einen Überblick zu verschaffen. Eine Live-CD zu veröffentlichen, ist genauso wenig ungewöhnlich. Ein Blick in die Regale der Tonträgerhandlungen zeigt: Nahezu alle, die es auf mehr als drei Alben brachten, haben in absehbarer Zeit auch einen Live-Mitschnitt in der Diskografie. Und sei es eine Aufnahme, vorgenommen im hinterletzten Kellerloch vor 20 Leuten. Eine Zusammenstellung der besten Live-Aufnahmen zu veröffentlichen, das hingegen ist schon wieder fast stilvoll. Diesen Weg beschreitet die britische Rockband **Marillion** mit ihrer Doppel-CD **Best.Live**. Und **Marillion**, hey, da hören wir doch mal rein.

Ja richtig, wir reden hier von den **Marillion**, jener britischen Kultband, die 1979 gegründet wurde und in den 80er Jahren mit immergrünen Klassikern wie **Kayleigh** und **Lavender** ihre größten Erfolge feierte und damit den Grundstein in Richtung Unsterblichkeit legte. Wer sich etwas mit **Marillion** beschäftigt, vielleicht sogar zu langjährigen Hörern zählt, weiß: Besagte Hits entstanden seinerzeit in der sogenannten **Fish-Ära** (1979–1988), als noch **Derek William Dick** (**Fish** eben) die Texte ins Mikrofon trällerte. Alles, was danach kam, also ab 1989 bis heute, gilt in der **Marillion-Geschichte** als **Hogarth-Ära**, denn fortan war **Steve Hogarth** Frontmann der Progressive Rocker. Oder Arthouse-Rocker. Oder wie auch immer man das inzwischen schimpft. Und ist es noch bis heute. Die Aufnahmen auf **Best.Live** stammen aus den Jahren 2003 bis 2011, haben mit dem Tun von **Fish** (ähem …) nur noch bedingt etwas zu tun. Zwar finden sich auf der Zusammenstellung durchaus einige Songs wieder, die noch zu **Fishs** Zeiten entstanden sind. Gesangstechnisch zu hören ist hier aber nur noch Mr. **Hogarth**.

**Marillion** sind ja Füchse. Schon sehr früh haben sie erkannt, dass das Internet nicht der Feind des musikproduzierenden Volkes sein muss. Zum Jahrtausendwechsel hin begannen die Briten damit, sich kommende Veröffentlichungen von Fans wenigstens teilfinanzieren zu lassen. Der schöne Nebeneffekt für geneigte Hörer: Keine Plattenfirma, keine Macht in dieser Welt konnte **Marillion** in den Entstehungsprozess der Alben hineinquatschen. Allein die Verpflichtung sich selbst und ihrer treuen Fanschar gegenüber war es, die als Antrieb für die kommenden Alben diente. Oh, und eines muss gesagt werden: **Marillion** darf wohl als eine der umtriebigsten und somit veröffentlichungsreichsten Bands dieses Planeten angesehen werden. Wer sich den Spaß mal machen möchte und nachzählen: Wikipedia listet allein 29 (in Worten: neunundzwanzig!) Live-Veröffentlichungen in der Zeit von 1992 bis 2011\. Krasse Action, oder? Bei ihren Live-Auftritten bevorzugen **Marillion** übrigens eher kleine Clubs und Bars, weil hier die Stimmung und die Atmosphäre logischerweise eine andere sind als in Stadien oder großen Konzerthallen. Und immer wieder passiert es, dass Fans während eines Konzertes die Setliste bestimmen. Das nennen wir Dienst an Kunden! Das ist ein Beispiel, das gerne Mode machen darf.

Zurück zu **Best.Live**: Bei dieser CD wird großspurig behauptet, es handele sich hierbei um die tollsten oder beliebtesten Live-Aufnahmen des besagten Zeitraumes. Es entzieht sich unserer Kenntnis, ob die Fans hier an der Auswahl beteiligt waren, aber bei einer derart fannah agierenden Band wie **Marillion** liegt die Vermutung nahe. Leider schweigt sich der Pressetext zu dieser Veröffentlichung darüber beharrlich aus, welchen Mitschnitten die hier versammelten Songs entnommen sind, aber das ist eigentlich auch völlig Banane. Vielmehr sollte **Best.Live** wohl als eine Art Zeitdokument betrachtet werden, das aufzeigt, dass es sich bei **Marillion** um eine Band handelt, der das Musizieren im Blut liegt. Die Leidenschaft, die Spielfreude, die Begeisterung am eigenen Tun, die Überzeugung, große Songs geschaffen zu haben – all das überträgt sich hier auf die Hörenden. Vielleicht ist es in unserem Lande etwas schwieriger, sich **Marillion** live anzuschauen und sich anstecken und mitreißen zu lassen. Etwas Talent für Kopfkino vorausgesetzt, ist **Best.Live** trotzdem ein höchst probates Mittel, dennoch dabei zu sein.

Ich höre **Marillion** schon eine ganze Weile, und wie so viele in den 80ern Geborene bin ich auch erst sehr viel später nach **Kayleigh** auf den **Marillion-Trip** gekommen. Es ist mir bisher noch nicht vergönnt gewesen, mir diese Truppe einmal live anzuschauen, aber Ihr dürft mir glauben, dass das sehr weit oben auf der Liste zu erledigender Dinge steht. Nach dieser akustisch wie inhaltlichen Zusammenstellung hier erst recht! Die Auswahl der Songs ist top, die Klangqualität überragend. Beinahe so, als würden **Marillion** im heimischen Wohnzimmer aufspielen. Hardcore-Fans und -Sammler wird **Best.Live** vermutlich nichts Neues bieten, alle anderen greifen zu. Auch diejenigen, die **Marillion** nicht auf dem Schirm haben, aber Bock haben auf Live-Mitschnitte, die zeigen, wie man es richtig macht. Manche Mitschnitte hier sind einfach episch!

![](https://storage.ghost.io/c/90/34/9034555f-2939-4c04-8b42-89dcff4387d3/content/images/2025/11/marillion-best-live-1.jpg)

© Madfish